Schulhund in Ostfildern Was Schüler von einem Hund lernen können

Alma und Frauchen Greta Unseld. Foto: Ines Rudel

Das Otto-Hahn-Gymnasium in Ostfildern-Nellingen (Kreis Esslingen) ist auf den Hund gekommen. Genauer: auf den Schulhund. Welche Vorteile kann ein Vierbeiner ins Klassenzimmer bringen?

Schüler, die sich gegenseitig ermahnen, ruhiger zu sein und freiwillig das Klassenzimmer aufräumen – ein Pädagogentraum. Wie die Lehrerin Greta Unseld vom Ostfilderner Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) das schafft? Mit Hilfe des Multitalents Schulhündin Alma.

 

Bei einem Besuch der Tierschützer-AG an der Ostfilderner Lindenschule erklärt die Pädagogin, wie ein Hund den Unterricht verbessern kann. In dieser vom Kreisjugendring Esslingen getragenen AG werden den kleinen Tierschützern unter der Leitung von Franziska Schnizler wöchentlich tierische Themen vorgestellt. Sie besuchten das Esslinger Tierheim, empfingen die Tierambulanz, und diese Woche kam Alma vorbei.

Bevor die Grundschüler jedoch mit der Hündin auf Fellfühlung gehen dürfen, werden die Regeln festgelegt: nicht ärgern oder erschrecken, nur von vorne nähern und nicht einfach streicheln. „Sie denkt, dass alle Menschen super sind. So soll das auch bleiben“, erklärt Unseld. Mit demselben Programm würde sie alle fünften Klassen im OHG besuchen. Das diene auch der Sicherheit. Dadurch würde jeder Schüler Alma kennenlernen und wie mit ihr umzugehen sei.

Ein entspannter Teenager

Beim anschließenden gegenseitigen Kennenlernen von Hund und Kindern wird auch direkt der pädagogische Nutzen des Tieres klar: Die Kinder freuen sich, aber sie tun es leise. Alma läuft in den Stuhlkreis und schaut sich um: Die Kinder kichern, sie wedelt. „Die Schüler regulieren sich selbst, das brauch’ ich nicht mehr zu tun“, erklärt die Lehrerin. Eigentlich sei die Golden-Retriever-Dame im Alter von etwas über eineinhalb Jahren gerade in der Pubertät. Zu spüren ist davon nichts, sie trottet tiefenentspannt durch das fremde Klassenzimmer – keine Spur von Teenager-Trotz.

Am Nellinger OHG gehe sie regelmäßig donnerstags mit Unseld in den Unterricht. Dienstags gebe es zudem die Möglichkeit, dass andere Klassen sie einladen können. Die Vorteile eines Schulhundes seien erstaunlich: „Die Schüler lernen Verantwortungsbewusstsein“, sagt die Pädagogin. „Jetzt werden nicht einmal mehr Kaugummis unter den Tisch geklebt, weil die Schüler wissen, dass Alma alles frisst, sogar Kreide. Jetzt heißt es: Alma kommt, schnell aufräumen.“ Während Klassenarbeiten sei sie ein beruhigender Faktor. Im Unterricht der älteren Schüler genüge ihre Anwesenheit. Dort könne sie als aktive Pause genutzt werden, in der Schüler sie einfach ein paar Minuten streicheln.

Kuscheln in der Pause

In der Tier-AG wird deutlich, was die Schüler noch von ihr lernen können: Selbstbewusstsein. Die Kinder dürfen Alma unter Anleitung Kommandos erteilen. Davon kennt die Hündin eine Menge. „Gerade schüchternen Kindern tut das gut, wenn sie lernen, aufrecht dazustehen“, so Unseld. Den Kommandos, egal von wem sie kommen, folgt Alma natürlich gerne – vor allem, weil sie jedes Mal ein Leckerli bekommt.

Nachdem Unseld die Idee von einem Schulhund hatte, ging es an ihrer Schule um die Umsetzung. Rechtliche Auflagen für einen Schulhund gebe es relativ wenige. „Im Prinzip reicht das Okay des Rektors. Der hat letzten Endes das Hausrecht“, sagt Unseld. Trotzdem habe sie sich vorher abgesichert und das Projekt bei einer Gesamtlehrerkonferenz und einer Schulkonferenz den Lehrerkollegen und Eltern vorgestellt. Ein Veto sei nicht gekommen, der Weg für Alma war frei.

Viel Training notwendig

Ihre ersten Schulbesuche hätten in den Sommerferien bereits im Welpenalter stattgefunden, damit sich das Tier in Ruhe an das Gebäude gewöhnen konnte. Inzwischen ist Alma mit ihren 28 Kilogramm ausgewachsen und ein Profi. Wie viele Stunden pro Woche die Lehrerin mit Hundetraining beschäftigt sei, das wisse sie nicht: „Sehr viele. Ich habe einen hohen Anspruch, im Erzieherischen perfekt zu sein, soweit das eben bei Lebewesen geht“, sagt sie.

An den Tagen, an denen Alma nicht in der Schule ist, werde sie oft schmerzlich vermisst, weswegen die Lehrerin eigens einen Instagram-Kanal für die Hundedame eingerichtet hat: alma.goldie.

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