Schulkindbetreuung in Friolzheim Die Verunsicherung der Eltern wächst

Von Kathrin Klette 

Weitere Äußerungen zur Schulkindbetreuung werfen kein gutes Licht auf die Zusammenarbeit der Beteiligten.

Die Diskussionen um die Betreuung der Grundschüler geht weiter. Foto: Andreas Gorr
Die Diskussionen um die Betreuung der Grundschüler geht weiter. Foto: Andreas Gorr

Friolzheim - Als wäre die Situation um die Kinderbetreuung in Friolzheim nicht schon angespannt genug, hat nun eine öffentliche Meinungsverschiedenheit zwischen der Grundschulrektorin Antje Waldenmaier und dem Bürgermeister Michael Seiß bei Eltern weiter für Verunsicherung gesorgt. Auch die Horterzieherinnen haben mittlerweile eine offizielle Erklärung abgegeben, warum sie eine Zusammenarbeit mit dem Verein Honigtopf, der von Sommer an die Schulkindbetreuung übernehmen wird, ablehnen.

Bei der Frage nach zusätzlichen Räumen für die Schulkindbetreuung hatte Seiß die Grundschule ins Spiel gebracht. Dortige Zimmer könnten genutzt werden, falls die derzeitigen Raumkapazitäten nicht ausreichen, schlug er vor, entschieden sei dabei aber noch nichts. Seiß hatte unter anderem beim Infoabend für Eltern vergangene Woche mitgeteilt, dass es mit der Grundschule darüber bereits Gespräche gegeben habe. In einem Schreiben an alle Eltern widersprach die Rektorin dieser Aussage. Solche Gespräche habe es nie gegeben.

Rektorin und Bürgermeister sind sich nicht einig

„Wegen vielfacher Nachfragen bei mir in den vergangenen Tagen möchte ich Ihnen hiermit mitteilen, dass ich Herrn Seiß gegenüber einer Nutzung der Klassenräume für den Nachmittagsbereich nicht zugestimmt habe“, heißt es in dem Elternbrief der Rektorin. „Es wurde mit mir gar nicht über derartige Maßnahmen gesprochen und auch nichts verhandelt.“ Erste Äußerungen zu einer Nutzung der Schule am Nachmittag habe sie erst der Presse entnommen „und war sehr überrascht“.

Davon wiederum zeigte sich der Bürgermeister sehr überrascht. „Es gab mehrere Gespräche“, gab er auf Anfrage unserer Zeitung an. „Auch unter Beisein von Herrn Soltner.“ Alfred Soltner ist der Vorsitzende des Vereins Honigtopf. Diese Gespräche habe es schon gegeben, als noch gar nicht feststand, dass der Verein die Betreuung übernehmen wird. „Aber auch unmittelbar vor dem Infoabend gab es eine E-Mail-Korrespondenz“, so Seiß. Darin habe man genau auf das Thema Räumlichkeiten hingewiesen und darauf, dass man sehen werde, wie sich die Situation entwickelt. Sollte sich herausstellen, dass der Platz für die zu betreuenden Kinder nicht ausreicht, „werden wir uns zusammensetzen und festlegen, ob wir Schulräume nutzen und welche dafür infrage kommen“, so Seiß. Im Hinblick auf die nicht ­gegebene „Zustimmung“ von Waldenmaier verwies er darauf, dass die Gemeinde der Schulträger sei. Zudem sei die Nutzung von Schulräumen für Nachmittagsangebote in anderen Kommunen durchaus üblich.

Antje Waldenmaier wollte sich in ­Abstimmung mit dem Schulamt zunächst öffentlich nicht weiter zu dem Thema ­äußern. Das Schulamt in Pforzheim hat angeboten, als Moderator in dieser Sache zu fungieren, sagte der Amtsleiter Volker Traub auf Anfrage.

Erzieherinnen geben Stellung ab

Das Thema Raumkapazität war eines von denen, die die Eltern an dem Informationsabend mit am meisten beschäftigten. Da es hierzu nun unterschiedliche Aussagen gebe, „sind die Eltern verunsichert und wünschen Aufklärung von der Gemeinde“, heißt es in einer Stellungnahme der Elternbeiräte des Horts. Offene Fragen zu Fachpersonal und Organisation sehen sie ebenfalls noch nicht ausreichend beantwortet. „Wir wollen das Angebot von Herrn Seiß annehmen und waren und sind zu einem ,konstruktiven Miteinander’ in Form von Gesprächen bereit.“

Die Entscheidung der derzeitigen Horterzieherinnen, keinesfalls für den Verein Honigtopf arbeiten zu wollen, hatte die Eltern im Vorfeld ebenfalls stark verunsichert. Das wird sich nach der offiziellen Stellungnahme der Erzieherinnen, die an Eltern, Verwaltung und den Verein ging, wohl nicht ändern. Sie hätten bei der Infoveranstaltung seitens des Vereins kein „nachvollziehbares Konzept“ erkennen können. Vor allem stören sie sich daran, dass eine pädagogische Weiterbildung für Mitarbeiter nicht verpflichtend ist und mit Minijobs gearbeitet wird. „Die Wertschätzung sozialer Berufe lässt in der Öffentlichkeit leider häufig sehr zu wünschen übrig“, heißt es in dem Schreiben. „Zudem werden die Arbeitslosenstatistiken mit dem Einsatz von Minijobbern, vor allem auch in dieser Branche, geschönt.“

Dass sich Honigtopf nicht an die Vor­gaben des Kommunalverbands für Jugend und Soziales halten muss, die für Hort-, nicht aber für Ganztagsbetreuung gilt, war für die Erzieherinnen ebenfalls ein Ausschlusskriterium: „Die Richtlinien des KVJS sind nicht umsonst entwickelt worden.“ Sie schützten Kinder vor Willkür und garantierten einen hohen Standard zum Beispiel bei der Qualifizierung des Personals, Personalschlüssel und Gruppengröße.