Schulkindbetreuung in Friolzheim Nicht nur auf Versprechungen verlassen

Von Kathrin Klette 

Beim Vortrag über Modelle zur Kinderbetreuung kommen Eltern und Gemeinderäte ins Gespräch.

Heike Pommerening berichtet von Modellen zur Nachmittagsbetreuung. Foto: kle
Heike Pommerening berichtet von Modellen zur Nachmittagsbetreuung. Foto: kle

Friolzheim - Die Betreuung von Kindern, sei es im Kindergarten oder in der Grundschule, ist schon per se ein Thema, dass viele Eltern beschäftigt. In Friolzheim hat die Frage nach guter Schulkindbetreuung seit einiger Zeit einen besonderen Stellenwert. Dort hat der Wechsel in der Trägerschaft für einige Unruhe gesorgt, weil Eltern nun einen Verlust in der Betreuungsqualität befürchten und auf ihre Fragen nur wenige oder keine Antworten bei den Verantwortlichen fanden.

Aus diesem Anlass hatten Elternbeiräte Vertreter der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft eingeladen, um über das Thema „Wie können wir die Betreuungsqualität an Grundschulen stärken?“ zu referieren. Vor allem der anschließende Austausch zwischen Müttern und anwesenden Gemeinderäten brachte die schon lange schwelende Diskussion ein Stück voran.

Im Wesentlichen bedeutet die Entscheidung des Rates ein Ende des Horts und den Beginn einer Kernzeit- und Nachmittagsbetreuung. Eine solche Entwicklung beobachtet die GEW immer häufiger – mit großer Sorge, wie die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz und ihre Stellvertreterin Heike Pommerening darlegten. „Seit über 25 Jahren steigt der Bedarf an Schulkindbetreuung“, erklärte Pommerening. Während die Anzahl der Angebote für flexible Nachmittagsbetreuung stetig zugenommen habe, gehe die Zahl der ohnehin schon wenigen Horte zurück. „Denn die müssen gewisse Standards einhalten.“

Ein Hort braucht eine Betriebserlaubnis

Vor allem brauche ein Hort eine Betriebserlaubnis, „sonst darf er gar nicht aufmachen“. Die Zahl an Kindern pro Gruppe ist klar beschränkt, je Gruppe müssen außerdem zwei ausgebildete Fachkräfte anwesend sein. Aus diesem und anderen Gründen steht die GEW den anderen Modellen mehr als kritisch gegenüber. Bei der flexiblen Nachmittagsbetreuung gebe es weder Vorgaben zur Qualifikation der Beschäftigten noch irgendeine Beschränkung der Gruppenstärke. „Es muss immer nur ein Betreuer pro Gruppe da sein“, und oft seien die Arbeitsverhältnisse prekär, so Pommerening. Die Beschäftigten seien daher meist nur wenige Tage in der Woche vor Ort oder noch seltener. „Klar ist: Ein Hort ist teuer, aber die Kommune ist in der Verantwortung und kann entscheiden, wie viel ihr die Betreuung der Kinder wert ist. Für uns ist die flexible Nachmittagsbetreuung ein Sparmodell.“

Dass die Entscheidung in Friolzheim des Geldes wegen getroffen worden sei, dagegen verwehrte sich Michael Welsch, Gemeinderatsmitglied für die Freie Wähler Vereinigung. Auch Horrorgeschichten der GEW über Betreuungskonzepte, die irgendwann völlig aus dem Ruder liefen, hielt er hier für wenig angebracht. „Unser Gemeinderat weiß, was er tut.“ Und genau davon gehe er auch beim neuen Träger, dem Verein Honigtopf, aus, der mittlerweile auf 15 Jahre Erfahrung zurückblicke. Dieser akquiriere seine Mitarbeiter auch nicht irgendwo, sondern suche nach Menschen im Ort. „Wir haben die Entscheidung getroffen, damit alle Kinder einen Platz bekommen.“

„Freude an der Arbeit mit Kindern ist keine Qualifikation“

Was bei den Zuhörern wenig Anklang fand, war Welschs Bitte, erst einmal ein wenig „Geduld und Vertrauen“ zu haben. Denn sich nur auf Lippenbekenntnisse zu verlassen, war den Eltern schlicht zu wenig. „Es gibt hier nichts Schriftliches“, monierte eine Mutter. Gerade im Hinblick auf pädagogische Konzepte und Standards. „Wir müssen uns als Eltern darauf verlassen, dass das, was eine einzelne Person versprochen hat, eingehalten wird.“ In der freien Wirtschaft käme auch niemand auf die Idee, sich nur auf lose Versprechungen zu verlassen, bestätigte eine andere Mutter.

Welsch und die anderen Ratsmitglieder boten den Eltern daher an, sich um solche Punkte zu kümmern und bei den offenen Fragen hinterher zu sein. „Wir haben als Gemeinderat auch eine Kontrollfunktion“, sagte Andreas Schur (fraktionslos), der sich in der Abstimmung gegen den Wechsel ausgesprochen hatte. Vor allem die Frage nach der Qualifikation der zukünftigen Betreuer bewegte die Eltern, eben aufgrund der fehlenden Vorgaben. „Freude und Interesse an der Arbeit mit Kindern zu haben, ist keine Qualifikation“, mahnte Doro Moritz. Gerade die Qualifikation von pädagogischen Fachkräften werde in der Gesellschaft noch immer zu wenig wertgeschätzt. „Wenn Feldwege saniert werden müssen, käme auch niemand auf die Idee, zu sagen: Leute, packt mal mit an.“ Bei der Kinderbetreuung sei das dagegen Standard.