Esslingen - Der Ferienbeginn am Mittwoch wird für die Werkrealschule in den Lerchenäckern buchstäblich der letzte Schultag sein. Denn dann ist für die einzig verbliebene Esslinger Werkrealschule die Zeit abgelaufen. Zuvor war schon der Betrieb an der Adalbert-Stifter-Schule in der Pliensauvorstadt eingestellt worden. „Wir sind sehr traurig“, sagt die Schulleiterin der Lerchenäckerschule, Claudia Seiz. Sie hält es für einen Verlust, dass Esslingen keine Werkrealschule mehr hat. „Der Bedarf ist weiter da“, findet Seiz, die Lerchenäckerschule sei für viele Schüler wie „ein Stück Heimat“ gewesen und man habe intensiv und individuell auf die Kinder eingehen können. Eine so enge Betreuung können die Gemeinschaftsschulen unter Umständen nicht mehr bieten.
Sie befürchtet, dass ihre Klientel in den großen Einrichtungen mit vielen Schülern zu kurz kommen könnte, auch das individuelle und selbst organisierte Lernen könnte viele überfordern, befürchtet sie. Weil die Stadt Esslingen gleich eine ganze Schulart beerdigt, hat man in der Lerchenäckerschule die Idee gehabt, eine Art Todesanzeige (Foto) zu gestalten und an verschiedene Anlaufstellen zu verschicken. „Es schwingt schon sehr viel Wehmut bei uns mit“, sagt Seiz. Für die Schulleiterin ist es auch ein persönlicher Abschied, fünf Kollegen müssen an andere Schulen wechseln. Normalweise wäre das ein Anlass für eine Abschiedsfeier, zu der auch Vertreter von Schulamt und Stadt sowie ehemalige Weggefährten der Schule eingeladen würden. Aber wegen Corona wird es das nicht geben, da geht es dem Kollegium nicht anders als vielen Schülern, die gar nicht oder im kleinen Kreis feiern.
Zuletzt wurden neben Grundschülern an der Lerchenäckerschule nur noch die Abschlussjahrgänge unterrichtet, die am Mittwoch ihre Zeugnisse bekommen. Die Vorbereitungsklassen werden räumlich weiter an der Schule bleiben, gehören dann aber genauso wie die Lehrer zur Schule Innenstadt. Vorbereitungsklassen werden für Kinder eingerichtet, die zwar schulpflichtig sind, aber keine oder nur geringe Deutschkenntnisse haben. Dort sollen sie in allen Fächern Grundlagen in der deutschen Sprache erwerben.
Vorübergehend wird auch der evangelische Kindergarten Dresdener Straße in der Lerchenäckerschule einziehen. Die Kirche will Gemeindehaus und Kindergarten abreißen. Stattdessen soll dort ein Wohnhaus entstehen, in dem der Kindergarten dann wieder Platz findet.
Unterdessen startet am Standort der ehemaligen Adalbert-Stifter-Schule, gewissermaßen der vorletzten Werkrealschule in Esslingen, nach den Sommerferien der Betrieb der Neuen Schule Esslingen. Die neue Realschule in der Pliensauvorstadt wird zum Schuljahr 2020/2021 mit zwei Klassen loslegen und im neueren Teil der Stifter-Schule zweizügig hochwachsen, bis der ergänzende Neubau bezogen werden kann. Ab dem Schuljahr 2023/2024 kann sie dann sogar dreizügig weitergeführt werden.
Der Architektenwettbewerb zu Neubau und Erweiterung der Neuen Schule Esslingen wurde Ende Juni entschieden. Durchsetzen konnte sich das Esslinger Büro Fritzen 28. Dieser Entwurf schlägt einen Erweiterungsbau vor, der sich mit dem Bestandsbau verbindet und städtebaulich ein Gesamtensemble schafft, das an die Flügel einer Windmühle erinnert. Am Standort der auslaufenden Werkrealschule in den Lerchenäckern besteht die Möglichkeit, eine weitere Realschule neu zu gründen – vom Land genehmigt ist sie bereits.