Bei den Sportstätten in Böblingen liegt so einiges im Argen, das ist noch vorsichtig zusammengefasst. Deutliche Worte wurden gefunden bei einer Podiumsdiskussion im Paladion, zu der die SV Böblingen (SVB) geladen hatte. Das Thema: Wie geht es mit den Sportstätten weiter? Dazu gehörten die Fragen nach maroden Hallen, und danach, wie die Zusammenarbeit zwischen SVB, Gemeinderat und Stadtverwaltung besser werden kann, sowie das Anliegen der SVB sich beim neu geplanten Quartier am Rauhen Kapf einzubringen – nämlich mit tollen Ideen.
Auf dem Podium diskutierten die Stadträte der Grünen, von SPD, CDU, Freien Wählern und der FDP mit SVB-Präsident Ewald Agresz. Moderator Hans-Jörg Zürn führte durch die Veranstaltung, bei der rund 100 Gäste anwesend waren.
Dass bei den Sportstätten etwas passierten muss, brachten Alexander Groß, Rektor der Eichendorff-Schule, und Julia Metzger, Leiterin des Kindersports bei der SVB, in der Fragerunde vehement ein. „Die Situation ist so desolat, dass wir befürchten, den Lehrplan im Sport bald nicht mehr umsetzen zu können“, sagte Groß. Als Beispiel nannte er die Turnhalle an seiner Schule, deren Dach seit 20 Jahren undicht sei. Er spreche als geschäftsführender Schulleiter der Grund- Werkreal-, Realschulen und Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren und in Absprache mit der geschäftsführenden Schulleiterin der Gymnasien im Namen aller Schulen in Böblingen.
Fahrplan gewünscht, wann was getan wird
Julia Metzger wiederum berichtete von Übungsleitern, die in Hallen nicht mehr trainieren wollten, weil sie gesundheitliche Bedenken hätten. Zuletzt waren die Sporthallen an der Eduard-Mörike-Schule in die Schlagzeilen geraten – nicht nur wegen ihres maroden Zustands, sondern weil dort Mäusekot gefunden worden war. „Es hilft nicht, den Mäusekot zu beseitigen. Da muss man an die Ursachen ran“, lautete Metzgers Forderung. SVB-Präsident Agresz sprach den Zustand der Hallen ebenfalls an. Die SVB habe im vergangenen Jahr eine Dokumentation an die Stadt übergebenen, mit einem Überblick, wo sie Sanierungsbedarf sehe – unter anderem bei den Hallen der Mörikeschule. Er würde sich einen Fahrplan wünschen: Wann wird was saniert? „Dann wüssten wir, nach welchen Prioritäten gearbeitet wird und dann ist es für uns auch OK.“
Die Stadträte Ralf Sklarski (Freie Wähler) und Thorsten Breitfeld (CDU), erklärten, zum ersten Mal von dieser Dokumentation zu hören. „Schickt so eine Liste bitte auch an uns“, lautete Markus Helms (Grüne) Wunsch. Gerlinde Feine (SPD) wiederum erinnerte an die städtische Baukommission, die genau solche Prioritätenliste festlege. Vor der Veranstaltung habe sie mit der Verwaltung gesprochen und erfahren, dass auch die SVB-Dokumentation in die Liste der Baukommission eingeflossen sei.
Austausch darf keine Einbahnstraße sein
Das Problem in Böblingen: Viele Schulen und Sporthallen wurden zu einer ähnlichen Zeit gebaut und werden jetzt gleichzeitig baufällig. In einer Stellungnahme spricht die Stadt von einem großen Sanierungsstau, verweist aber auch darauf, dass Stellen geschaffen und mehr Geld ausgegeben werde, um der Situation Herr zu werden.
Was also tun? Zwar schimmerte die bevorstehende Kommunalwahl immer wieder durch. Doch die Stadträte zeigten sich sehr einig. Ja, der Austausch müsse besser werden und ja, beim Gebäudemanagement müssten Prioritäten überdacht werden. In Zukunft wollen sie stärker auf die SVB zugehen, um schneller zu erfahren, wo es brennt. Im Gegenzug dürfe der Sportverein aber auch auf die Stadträte zukommen – ganz von alleine. „Wir haben mannigfaltige Aufgaben zu erledigen. Wir brauchen Unterstützung“, sagte Sklarski und signalisierte zugleich: „Wir sind auf Empfang gestellt.“ Der Stadtrat Detlef Gurgel (FDP) meinte, die Verwaltung solle bei sportbezogenen Themen schauen, wie die großen Sportvereine einbezogen werden könnten.
Ideen für den Rauhen Kapf
Eine verbesserte Zusammenarbeit könnte bei den Planungen für das Wohngebiet auf dem IBM-Gelände am Rauhen Kapf Früchte tragen. 2000 Menschen sollen dort einmal wohnen. Agresz nutzte den Abend, Wünsche für das neue Quartier zu formulieren: die SVB würde dort gerne eine Sport-Kita bauen, sich bei der Entwicklung der Sportflächen im Zimmerschlag einbringen, die unterhalb des Rauhen Kapfs liegen und Sportangebote für Kleinkinder und Senioren anbieten.
Die Stadträte zeigten sich angetan. Sklarski sprach vor allem mit Blick auf die Kita von einer „fantastischen Idee“, Gurgel von einer „Win-Win-Situtation“. Feine träumte von einem Waldsportpfad zwischen neuem Quartier und Zimmerschlag und brachte turnierfähige Flächen für Hockey ins Spiel. Breitfeld schlug vor, einen Workshop zu beantragen, bei dem die Entwicklung des Sportgeländes am Zimmerschlag besprochen werde – zusammen mit dem Sport und Freizeit Klub (SFK, ehemals IBM-Klub), der Flächen am Zimmerschlag nutzt. Den SFK einzubinden war auch Helms wichtig. „Ich habe die Vision, das man das miteinander hinbekommt“, sagte er. Eine Vision, der sich Agresz anschloss. Aber jetzt gelte es, kurzfristige für die Sportstätten zu finden und langfristige für den Rauhen Kapf.