Neubaupläne in Böblingen 54 Millionen Euro für neue Vorzeigeschule

Ökologisches Vorzeigeprojekt und langfristiges Kostenspar-Modell: So soll die neue Schule im Stockbrünnele einmal aussehen. Links davon befindet sich die Kremser Straße, rechts die Mensa. Foto:  

Im Stockbrünnele entsteht eine neue Schule, in der die Theodor-Heuss-Werkrealschule und die Friedrich-Schiller-Realschule unter einem Dach zusammengefasst werden . Das Vorzeigeprojekt soll nachhaltig gebaut werden und kostet insgesamt 54 Millionen Euro.

Böblingen - Es sind viele Jahre vergangen, seit Böblingen zum letzten Mal eine Schule gebaut hat. 1997 wurde die Erich-Kästner-Schule auf der Diezenhalde in Betrieb genommen. Seither hat sich die Stadt bescheiden gezeigt mit Neubauten für die Schülerschaft. Nun, rund 25 Jahre später, möchte die Stadt zum großen Wurf ausholen: Im Schulzentrum Stockbrünnele sollen die Gebäude, in denen die Theodor-Heuss-Werkrealschule und die Friedrich-Schiller-Realschule untergebracht sind, weichen. Eine laut Stadtverwaltung dringend notwendige Maßnahme, da es sich nicht mehr lohnt, die rund 50 Jahre alten Immobilien zu sanieren. Den Ersatzneubau werden beide Schulen in Zukunft gemeinsam nutzen.

 

Die Zukunft steht auch bei der Planung im Vordergrund. Am Mittwoch präsentierte die Verwaltung im Technischen Ausschuss zum ersten Mal der Öffentlichkeit, was am südlichen Stadteingang entstehen soll. Timo Nussbaum, Leiter des Amtes für Gebäudemanagement, stellte einen Entwurf vor, der auf Nachhaltigkeit setzt. Fernwärme, Fotovoltaik, Fassaden- und Dachbegrünung, Verwertung des Regenwassers und viel Holz statt Beton: „Wir streben damit eine CO2-Neutralität an“, erklärte Nussbaum. Heißt: Der CO2-Ausstoß, den das Gebäude durch das Heizen produziert, wird neutralisiert durch die regenerative Energie, die es selbst erzeugt. Nussbaum räumte ein, dass dies jedoch erst dann so weit sein wird, wenn die Böblinger Fernwärmeproduktion in den kommenden Jahren vollends ökologisch optimiert wird.

Das Stuttgarter Architekturbüro BFK hat ein viergeschossiges Gebäude geplant, das sich um einen Innenhof herum gruppiert und den Schulen rund 14 000 Quadratmeter Lernfläche bietet. „Das Gebäude ist sehr kompakt“, erläuterte Timo Nussbaum. Die für ein Schulgebäude eher ungewöhnliche Höhe resultiere aus dem begrenzten Baufeld. Die Planer haben das Gebäude in das momentan brachliegende Areal zwischen Kremser Straße und der bestehenden Mensa platziert. So entsteht dort zusammen mit der dahinter stehenden Hermann-Raiser-Halle ein Gebäuderiegel.

Diese Neuordnung des Schulgeländes ist ebenfalls Teil des ökologischen Zukunftskonzeptes. Denn nach dem Abriss der alten Schulgebäude entsteht Raum für einen Grünzug, der mehreren Zwecken dient: als Schulhof, Sportanlage und Naherholungsareal für die Bewohner des benachbarten Wohngebietes. Timo Nussbaum versprach ein „parkartiges Gelände mit vielen Bäumen“, das auch als wichtige Frischluftschneise das Stadtklima verbessere.

Als zentrales Element der neuen Schule soll der Innenhof wirken. „Das wird das Herz der Schule“, erklärte Nussbaum. Dort sollen die beiden Schulen „ineinander fließen“. Eine Idee, die erst im Laufe der Planungen reifte, wie Udo Wolfram bekannte. Dessen Planungsbüro steuert für die Stadt die kompletten Schulsanierungen. Ursprünglich waren zwei Gebäude geplant, erzählte er, nun wird es sogar zwei Lehrerzimmer geben, die mit einer beweglichen Wand zu einem Raum werden können. „Was zu Beginn für Empörung gesorgt hat, darüber sind jetzt alle glücklich“, berichtete Wolfram. Alle Beteiligten hätten mittlerweile die Vorteile der gemeinsamen Nutzung erkannt.

Der Planer betonte, dass die Schule kein Ego-Trip der Bauexperten, sondern unter steter Beteiligung der späteren Nutzer entwickelt worden sei. In elf Sitzungen mit den Schulleitern habe man bisher das Konzept diskutiert. Das Lehrerkollegium sei stets mit einbezogen gewesen, für die Schüler- und Elternschaft werde nun eine Plattform geschaffen, über die sie auf alle Planungen zugreifen und mit den Machern kommunizieren könne.

Die Kosten des neuen Schul-Leuchtturms summieren sich auf rund 54 Millionen Euro. Zu den reinen Baukosten von 44 Millionen kommen 3,6 Millionen für die Einrichtung und die Fachräume. Weitere fünf Millionen werden für den Abbruch der alten Schulgebäude und schließlich den Bau der Außenanlagen benötigt.

Angesichts dieser üppigen Summe verwies Timo Nussbaum darauf, dass die nachhaltige und ökologische Bauweise keineswegs nur Selbstzweck sei. Die Sicht auf die Planung von Neubauten habe sich verändert, betonte er. Die Kosten der langfristigen Nutzung werden immer wichtiger, da der Preis für die CO2-Verursachung in Zukunft deutlich steigen werde, betonte er. Wenn das neue Schulgebäude CO2-neutral geplant werde, spare dies in den folgenden Jahren jede Menge Geld. „Egal, was dann für ein CO2-Preis kommt, wir sind damit gut aufgestellt“, prophezeite er.

Die neue Schule soll somit nicht nur der Schülerschaft ein optimales Lernumfeld bieten, sondern auch eine Mission befördern: Mit diesem ambitionierten Neubau werde in Böblingen ein Pilotprojekt geschaffen werden, das als motivierendes Beispiel für öffentliche und private Bauvorhaben im Stadtgebiet und im Umland dienen kann, ist Timo Nussbaum sicher.

Dieser Meinung ist auch Baubürgermeisterin Christine Kraayvanger. „Das wird was ziemlich Besonderes“, urteilte sie und warb damit um Zustimmung bei den Stadträten. Mit einem Ja zu diesem Entwurf würden sie „sehr verbindlich“ die Zielsetzung für dieses Projekt bestätigen und die Verwaltung ermächtigen, so weiter zu planen.

Die Rückendeckung war sicher. Durch sämtliche Fraktionen wehte Begeisterung. „Das ist ein Megaprojekt und ich bin megafroh, dass das Gremium dazu steht“, meinte Janina Dinkelaker von den Freien Wählern. Die Empfehlung an den Gemeinderat, am 5. Mai grünes Licht für die grüne Schule zu erteilen, war einstimmig.

Damit könnte der ambitionierte Fahrplan für die Neuordnung im Schulzentrum Stockbrünnele aufgehen. Der Baustart ist für 2022, der Einzug ins neue Gebäude bereits für Ende 2023 geplant.

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