Schulneubau in Geislingen Das neue Gymnasium wird teurer
Der Bau des neuen Gymnasiums im Notzental und die Zusammenlegung mit dem Helfenstein-Gymnasium verteuert sich erheblich – und hat Auswirkungen auf Geislingen.
Der Bau des neuen Gymnasiums im Notzental und die Zusammenlegung mit dem Helfenstein-Gymnasium verteuert sich erheblich – und hat Auswirkungen auf Geislingen.
Die Hiobsbotschaften um die Geislinger Gymnasien reißen nicht ab: Eigentlich wird derzeit alles vorbereitet, um nach Jahren der Diskussion die beiden allgemeinbildenden Schulen – das Michelberg-Gymnasium (MiGy) und das Helfenstein-Gymnasium (HeGy) – im Notzental zusammenzulegen; dafür soll ein Neubau neben dem HeGy entstehen. Bisher ging man von Kosten in Höhe von rund 51,4 Millionen Euro aus. Am Donnerstag hat Geislingens Oberbürgermeister Ignazio Ceffalia bekannt gegeben, dass sich diese Summe nicht halten lassen wird.
Die Kosten werden sich voraussichtlich auf circa 64 Millionen Euro erhöhen, sagte Ceffalia jetzt im Gespräch. Diese neue Summe ergebe sich aus gestiegenen Baukosten sowie der vorgesehenen Sanierung des Bestandsgebäudes. Für OB Ceffalia und auch seine Kämmerin Ute Dreher ist klar: So wie das Projekt derzeit geplant sei, gefährde es die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt über Jahre hinweg. Weil für die Zusammenlegung der beiden Gymnasien erhebliche Kredite aufgenommen werden müssten, sei die Genehmigungsfähigkeit des Haushaltes gefährdet. Das sei ein Finanzvolumen, das es Geislingen in den nächsten Jahren nahezu unmöglich mache, andere wichtige Maßnahmen anzugehen, sei es beispielsweise die Sanierung anderer Schulen oder notwendige Arbeiten an Straßen.
Die neuen Zahlen liegen der Stadtspitze seit Ende Oktober vor. Ignazio Ceffalia, der seit Juli im Amt ist, hatte am 25. Oktober eine Klausurtagung der Fachbereichsleiter einberufen, um sich detailliert über die Schulzusammenlegung und den Neubau zu informieren. „Ich wollte wissen, wo wir stehen und was die Schulzusammenlegung finanziell für uns ganz detailliert bedeutet“, sagt er. Kämmerin Ute Dreher ergänzt, dass zwar schon vor einem Jahr klar gewesen sei, dass durch das Projekt eine sehr große Belastung auf die Stadt zukomme. Dieses Ausmaß habe sich aber niemand vorstellen können. Man habe die aktuellen Zahlen geprüft, erläutert Ceffalia, ihre Auswirkungen auf den Haushalt bewertet und nach Einsparmöglichkeiten gesucht. Bereits Anfang des Jahres 2025 hatte der Gemeinderat Einsparungen bei Materialien und Außenanlagen in Höhe von 2,3 Millionen Euro beschlossen – doch das reiche nicht aus, so Ceffalia.
Der OB bekennt: Momentan habe er keine Lösung für die Situation. „Wir wissen derzeit nicht, wie wir das Projekt finanzieren sollen.“ Dies sei eine der größten finanziellen Herausforderungen der jüngeren Stadtgeschichte, ein Mammutprojekt. Ceffalia ergänzt: „Aber wir kennen die Bedeutung dieses Vorhabens für unsere Schullandschaft sowie für das Obere Filstal – und gleichzeitig tragen wir Verantwortung für die gesamte Stadtgemeinschaft.“
Der OB hat sich bereits mit einem Hilferuf an das Regierungspräsidium (RP) gewandt; auch auf die Landtagsabgeordneten will er zugehen. Zudem sei ein Gespräch mit Kultusministerin Theresa Schopper in Planung. Plan A sei jetzt, sagt der OB, mehr Fördermittel vom Land zu bekommen. Seit dem 1. Januar wartet Geislingen auf die Information, welche Summe über die Schulbauförderung die Gemeinde erhält – wie er jetzt erfahren habe, könne es noch bis zum Frühjahr 2026 dauern, bis der Bescheid vorliege, sagt Ceffalia. „Wir brauchen mehr Unterstützung durch das Land, anders ist das nicht zu stemmen.“ Einen Plan B gebe es momentan nicht, „das sage ich ganz offen“. Nötig sei eine Lösung, die den Schülerinnen und Schülern beste Bildungschancen biete und zugleich die finanzielle Stabilität der Stadt langfristig sichere, betont der Oberbürgermeister. „Nur so können wir beides gewährleisten: Zukunft für unsere Schulen und Stabilität für unsere Stadt.“
Ceffalia erklärt, er habe alle Beteiligten sowie die Öffentlichkeit so schnell wie möglich transparent informieren wollen. Geislinger Gemeinderat und Umlandbürgermeister wissen seit dieser Woche Bescheid, vor dem Gespräch mit der Zeitung traf sich der OB mit den Schulleiterinnen der beiden Gymnasien, Martina Bach vom MiGy und Tanja Keifert vom HeGy. Ceffalia schickte eine E-Mail an die Verwaltungsmitarbeiter; auch die Elternvertreter sollten noch informiert werden.
Die komplexen Zusammenhänge aufzuarbeiten und die vielen mit hineinspielenden Zahlen zusammenzuführen, habe seit den Erkenntnissen der Klausurtagung ein paar Tage Zeit gekostet – „diese Bearbeitungszeit muss man uns bitte zugestehen, die haben wir gebraucht“. Es sei aber weder so, dass die Stadt Informationen zurückgehalten habe, noch, dass man Pläne in der Schublade liegen habe, wie es jetzt weitergehen soll.