Schulöffnung am Montag Schulen widersetzen sich Präsenzunterricht

Von Corona-Tests soll die Schulöffnung am Montag begleitet werden. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Am Montag beginnt wieder der Präsenzunterricht für Grundschüler und Fünft- und Sechstklässler – ein umstrittener Schritt. Einige Schulen weichen dabei ab vom Kurs des Kultusministeriums.

Stuttgart - Trotz der Maßgabe des Kultusministeriums zur Einführung des vollen Präsenzunterrichts werden mindestens zwei weiterführende Schulen in Baden-Württemberg von Montag an für ihre fünften und sechsten Klassen einen tageweisen Wechselunterricht anbieten. Beide Schulen sind mit ihren zuständigen Regierungspräsidien darüber in einem Prozess der Abstimmung, hieß es im Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) in Marbach am Neckar sowie im Gymnasium von Schönau im Schwarzwald.

 

Das sei eine Frage der Verantwortung, sagt ein Rektor

„Das ist eine Frage der Verantwortung, die wir gegenüber unserer Schülerschaft haben“, sagte Oberstudiendirektor Volker Müller, der Leiter des FSG. Mit 2600 Schülern ist das Marbacher Gymnasium eines der größten im Land. „Wir sind eine zehn-zügige Schule, wenn alle Fünft- und Sechstklässler da wären, hätten wir hier 600 Unterstufenschüler in der Präsenz. Hinzu kämen 500 Schüler aus Kursstufen und vom Abi-Jahrgang“, so Müller. Mehr als 1000 Schüler in den relativ engen Räumlichkeiten sei wegen der Infektionsgefahr zu riskant.

Das Regierungspräsidium wusste von den Problemen

Ähnlich argumentiert Karen Albrecht, Vizerektorin am Gymnasium Schönau (Kreis Lörrach): „Wir gehen in den Wechselunterricht, wegen räumlicher und personeller Probleme“, sagte sie. Der dritte Grund sei, „dass der Unterricht mindestens so gut wie vor dem Lockdown sein soll“. Dass Lehrkräfte halbierte Klassen in zwei benachbarten Räumen gleichzeitig unterrichten, sei in Schönau gar nicht möglich. Eventuell werde der Wechselunterricht im Zwei-Tages-Rhythmus stattfinden, in enger Verzahnung mit einer Schnellteststrategie, an der die Schule arbeite. Das für Schönau zuständige Regierungspräsidium Freiburg teilt mit, es haben von den „großen organisatorischen Problemen bei der Umsetzung der aktuellen Vorgaben“ gewusst, am Donnerstag sei es auch vom Wechselunterricht informiert worden.

Das Kultusministerium gab auf eine Anfrage, ob das Verhalten geduldet werde, eine ausweichende Antwort, die sich auf Marbach bezog: „Das Regierungspräsidium Stuttgart wird der Schule die Sachlage und die Gründe nochmals kurzfristig darstellen: Es ist so, dass allen Schulen im Land mitgeteilt wurde, dass es das gemeinsame Ziel ist, für die Klassen 5 und 6 den stundenplanmäßigen Unterricht ab der kommenden Woche durchgängig in der Präsenz anzubieten.“ Entscheidend sei das Prinzip von festen Gruppen. Das Wechselmodell habe auch aus Gründen des Infektionsschutzes Nachteile, so das Ministerium. Im übrigen trügen Schüler im Präsenzbetrieb aus Gründen des Infektionsschutzes Masken, es sollten in einem großenteils leeren Schulgebäude Abstände eingehalten werden und es gälten etablierte Hygienekonzepte.

Von den Lehrerverbänden kommt Solidarität für die abweichenden Schulen: „Es ist angesichts steigender Infektionszahlen sinnvoll, Wechselunterricht anzubieten“, sagt Ralf Scholl vom Philologenverband. Im übrigen mache „jede Schule etwas anderes“. Scholl berichtet von Schulen, die sich aus Fördermitteln für Computer Luftreinigungsgeräte gekauft hätten, um ihren Fünft- und Sechstklässlern einen sicheren Start am Montag zu gewährleisten.

Rückenwind auch von der GEW-Landeschefin Monika Stein: „Es ist unverantwortlich vom Kultusministerium, ganze Klassen wieder in den Unterricht zu schicken – ohne Abstandsregeln und klares Schutzkonzept.“ Das Land könne die Schulleitungen mit den Problemen nicht allein lassen, sie habe von vielen gehört, die ihre Leitungsfunktion abgeben wollten. „Die kommen auf dem Zahnfleisch daher.“ Besorgt äußerte sich auch der Bildungsverband VBE. „Zum Zeitpunkt der Bekanntgabe der Öffnung waren die Inzidenzen beherrschbar, in den letzten Tagen sind sie kontinuierlich gestiegen“, so VBE-Landeschef Gerhard Brand: Die Schulen sollten selbst entscheiden dürfen, „ob sie Montag komplett oder im Wechselunterricht öffnen“.

Von den Verbänden wird auch verlangt, dass das Ministerium die kostenlosen Schnelltests für Schüler organisiert, zur Zeit bereiten viele Schulen da eine Kooperation mit Apotheken vor. „Aber die Schnelltests müssen zu den Schülern kommen“, sagt Monika Stein.

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