Schulpolitik auf den Fildern Werkrealschulen müssen um Zukunft bangen

Von Natalie Kanter und  

Das Staatliche Schulamt Nürtingen lädt die Städte Filderstadt, L.-E. und Aichtal zum Gespräch über die Werkrealschulen. Das sorgt schon im Vorfeld für Wirbel.

Die Ludwig-Uhland-Schule in Leinfelden (Bild) und die Gotthard-Müller-Schule in Bernhausen wollen Gemeinschaftsschulen werden. Auch die Lehrerkonferenz der Werkrealschule in Bonlanden hat sich dafür ausgesprochen. Foto: Natalie Kanter
Die Ludwig-Uhland-Schule in Leinfelden (Bild) und die Gotthard-Müller-Schule in Bernhausen wollen Gemeinschaftsschulen werden. Auch die Lehrerkonferenz der Werkrealschule in Bonlanden hat sich dafür ausgesprochen. Foto: Natalie Kanter

Filderstadt/Leinfelden-Echterdingen/Aichtal - Den Städten Leinfelden-Echterdingen, Filderstadt und Aichtal steht nach den Osterferien ein brisantes Gespräch ins Haus. Günter Klein, Leitender Schulamtsdirektor, hat dazu eingeladen. Bürgermeister, Rektoren und auch Elternbeiratsvorsitzende sollen sich dabei Gedanken über eine regionale Schulentwicklung machen. Weil die Anmeldungen an den Werkrealschulen zurückgehen, stellt das Staatliche Schulamt Nürtingen die Frage, an welchen Standorten eine Eingangsklasse eingerichtet werden soll und an welchen nicht. Geklärt werden soll auch, in welchen der drei Kommunen kombinierte Klassen pädagogisch sinnvoll sind.

Klein sagt unserer Zeitung: „Wir können nicht bis Ende September warten.“ Eltern müssten rasch Klarheit darüber erhalten, wie es weitergeht. Er sagt auch: „Jeder Schulträger ist gut beraten, nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.“ Wer sich verweigert, riskiere, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Der Hintergrund: Es soll ein neues Gesetz geben. Demnach muss eine Werkrealschule, die zwei Jahre hintereinander keine Eingangsklasse anbieten kann, geschlossen werden.

Treffen sorgt für Wirbel

Nach einem Termin für das Gespräch wird noch gesucht. Das Treffen sorgt aber bereits für Wirbel. Das beweist ein Brief von Bürgermeister Alexander Ludwig an das Staatliche Schulamt, der unserer Zeitung vorliegt. Darin macht Ludwig auf die Situation der Stadt und der Ludwig-Uhland-Schule (LUS) aufmerksam.

Der Bürgermeister klärt darüber auf, dass die Große Kreisstadt bereits in der Vergangenheit in Sachen Schulentwicklung ihre Hausaufgaben gemacht hat. Die Stadt hat zum Schuljahr 2010/2011 zwei von drei Hauptschulen zugunsten einer Werkrealschule an der LUS geschlossen. „Wir sind der Überzeugung, dass bei einer Einwohnerschaft von 37 000 ein Standort im Westen des Landkreises für die Schullandschaft vorgehalten werden muss“, schreibt Ludwig.

Ludwig-Uhland-Schule will kooperieren

Die LUS will sich zudem zur Gemeinschaftsschule entwickeln. „Wir sind inhaltlich sehr daran interessiert“, sagt die Schulleiterin Gabriele Roegers. „Das Kollegium ist mehrheitlich dafür.“ Man habe bei schon bestehenden Gemeinschaftsschulen hospitiert. Es werden bereits Elemente der neuen Schulform an der Leinfeldener Schule erprobt. „Die Zeit ist reif“, sagt Roegers. „Wir müssen schauen, dass wir nicht verpassen, auf den Zug aufzusteigen.“ Sie hofft, dass sie hierbei mit der neuen Rektorin der Immanuel-Kant-Realschule (IKR) an einem Strang ziehen kann.

Die Euphorie der IKR-Leiterin Heike Hauber hält sich aber bisher in Grenzen. Sie sagt: „Die Idee der Gemeinschaftsschule ist gut.“ Damit sie gelingt, müssten aber bestimmte Bedingungen vorliegen. Man müsse sich einen solchen Schritt gut überlegen. Es gelte, ein Konzept zu entwickeln und zu erproben. Und das sei auf die Schnelle nicht zu machen.

Anmeldungen sind rückläufig

Ludwig schreibt an Klein: „Die Lehrerschaft der LUS hat bereits pädagogische Konzeptentwicklung betrieben.“ Die Stadtverwaltung befürchtet nun, dass mit einem möglichen Wegfall der Werkrealschule Fakten geschaffen werden, bevor die Diskussion über die Weiterentwicklung der Schule abgeschlossen ist.

Zwölf Anmeldungen für die fünfte Klasse liegen der LUS derzeit vor. Eltern haben bis zum Beginn des Schuljahres Zeit, ihre Schützlinge anzumelden. „Ich bin mir sicher, dass wir die erforderlichen 16 Schüler zusammenbekommen“, sagt Roegers. Sie rechnet fest mit einer Eingangsklasse. Weder die Rektorin noch der Bürgermeister sehen einen dringenden Handlungsbedarf. Zumal die LUS auch mit der Sprachförderklasse, die gerade für EU-Bürger und auch für Flüchtlinge wichtig sei, punkten könne.

Bürgermeister Koch will eine Werkrealschule schließen

In Filderstadt bietet sich insgesamt ein noch komplexeres Bild. Dort gibt es drei Werkrealschulen. Keine von ihnen hat nach aktuellem Stand die erforderlichen 16 Anmeldungen, um eine Eingangsklasse zu bilden. Für Bürgermeister Andreas Koch ist deshalb klar, dass man sich dringend Gedanken machen muss, welche Werkrealschule geschlossen werden soll. „Wir haben das schon seit Jahren gebetsmühlenhaft vorgetragen“, sagt Koch. Der Gemeinderat habe jedoch immer wieder abgewehrt.

Nun will Koch das Gespräch im Schulamt abwarten, bevor weitere Schritte gegangen werden. Auch in Filderstadt hängt die Zukunft der Werkrealschulen davon ab, ob es bald eine Gemeinschaftsschule geben wird. Sowohl die Gotthard-Müller-Schule in Bernhausen als auch die Lehrerkonferenz der Werkrealschule in Bonlanden haben sich bereits dafür ausgesprochen zur Gemeinschaftsschule zu werden. Zunächst müsste aber geklärt werden, ob Filderstadt überhaupt die neue Schulart will. Den entsprechenden Grundsatzbeschluss fasst der Gemeinderat am 5. Mai.