Bei drei Workshops arbeiten Künstler aus dem westafrikanischen Ghana mit Schülern der siebten Klassen des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Leonberg.

Bei der „etwas anderen“ Litfaßsäule auf dem Schulgelände des Albert-Schweitzer-Gymnasiums (ASG), die bei der Zusammenarbeit mit dem Festival „Zukunftsstätte Leonberg“ im vergangenen Jahr entstanden ist, tut sich was: Eine Bühne wird dort aufgebaut. Das hängt auch mit den Afrika-Kunst- und Kultur-Tagen zusammen, die am Montag und Dienstag, 24. und 25 Juli, am ASG stattfinden. „Dieses Projekt fällt auf“, freut sich die Schulleiterin Sandra Heyn.

 

Mit den Afrika Kunst und Kultur-Tagen ermöglichen das Gymnasium, der Verein Kulturfabrik Leonberg und der Recycling-Bildhauer Eugen Schütz Schülern und Schülerinnen der siebten Klassen Begegnungen mit afrikanischen Künstlerinnen und Künstlern. Sie können dabei Elemente westafrikanischer Kulturen kennenlernen und ausprobieren. In drei Workshops besteht für die Jugendlichen die Möglichkeit, unter Anleitung der erfahrenen Künstler aus dem westafrikanischen Ghana zu trommeln, zu tanzen und akrobatische Kunststücke einzustudieren. Mit Eugen Schütz erarbeiten die Jugendlichen Holzkunstwerke. Das Ganze läuft in Form ein Schuljahres-Endprojekts ab.

Begegnungen mit afrikanischen Künstlern

Ziel ist es, Toleranz und Respekt für afrikanische Kulturen zu vermitteln. „Toleranz und Vielfalt waren schon Thema bei uns beim pädagogischen Tag in diesem Jahr. Insofern glauben wir, dass die Thematik schon vorbereitet ist“, sagt Sandra Heyn. „Wir möchten Toleranz und Vielfalt leben. Wir öffnen uns und wollen den Weg weitergehen.“ Zudem passt das Projekt zum pädagogischen Motto der Schule: „Ich kann nicht anders als Ehrfurcht haben vor allem, was Leben heißt,“ sagte ihr Namensgeber.

Der Anstoß zu der Aktion kam vom Verein Kulturfabrik Leonberg und seinem Vorsitzenden. „Als junger Verein versuchen wir, Kooperationen einzugehen. Ich kenne Eugen Schütz schon lange. Ich dachte, das ist ein Projekt, dass man gut platzieren kann. Es ist ein Versuch“, sagt Chris Heinemann, Künstler und Vorsitzender des Vereins Kulturfabrik. Die Kunstpädagogin Gudrun Wagner, Kooperationspartnerin aufseiten des ASG, sagt: „Wir hoffen, dass sich jeder darin findet.“ Da ist sich der Künstler Eugen Schütz, der den kreativen Part verantwortet, sicher. Er hat schon bei anderen solchen Projekten gute Erfahrungen gemacht. Schütz weiß: „Die Leute, die da reinkommen, sind neutral, sie sind nicht vorbelastet.“ Die Workshops mit Trommlern, Tanzpädagogen, Akrobaten und Choreografen der Odehe Dance Company finden im ASG statt, der Bildhauer Eugen Schütz werkelt mit den Schülern in der VHS-Kunstschule in Leonberg. Schütz hatte einst nach gesundheitlichen Problemen über das Trommeln und die Kunst einen neuen Weg gefunden. Und er reiste nach Ghana – inzwischen ist er mehrmals dort gewesen „Alle, die sich damals kennenlernten, mit denen arbeite ich weiter,“ sagt er. Die Workshopleiter, die inzwischen hier in Deutschland künstlerisch tätig sind, gehören zur Odehe Dance Company des kürzlich verstorbenen Gründers und Leaders Kwaku Emmanuel Gomado, zu dem Eugen Schütz ein besonderes Verhältnis hatte. „Er ist wie ein Bruder gewesen“, erzählt der Künstler. Die Verbindung war für ihn umso enger, da auch er sich den Namen „Kwaku“ gegeben hatte – übersetzt: der an einem Mittwoch Geborene. Jedes Kind, das in Ghana auf die Welt käme, bekäme einen Namen nach dem Tag, an dem es geboren ist, erklärt Schütz.

Eugen Schütz hat sich den Namen „Kwaku“ gegeben

Der Künstler Kwaku Eugen Schütz, der in Vaihingen/Enz lebt, erzählt begeistert von seinen Erlebnissen in Ghana. Kinder würden dort einfach so angenommen. „Das merken Kinder,“ so Schütz. Und wenn ein Musiker Akrobatik mache, dann hinterließe das einen Eindruck bei den Schülern. Er würde solche Projekte wie jetzt mit dem ASG gerne öfter machen, denn das sei ein Geschenk. „Wir sollten uns allerdings bewusst sein, dass wir von einem Kontinent sprechen, der ganz unterschiedlich ist,“ betont Schütz.

Die siebten Klassen wurden bewusst ausgewählt

Eineinhalb Tage sind für die Workshops im ASG vorgesehen. „So passt es in den Schulalltag,“ sagt Chris Heinemann. Natürlich hätten sie gern mehr Zeit gehabt. Gudrun Wagner hofft, dass das Projekt ein Auftakt ist, der seine Fortsetzung findet. „Die Tage vor den Ferien sind dafür ideal“, ist die ASG-Schulleiterin Heyn sicher. Begegnungen und Gemeinschaft – nach Corona merke man, dass die Schüler das bräuchten, sagt sie. Die siebten Klassen habe man für das Projekt bewusst ausgewählt. „Das haben wir im Vorhinein überlegt. Die Schüler dieser Klassenstufe brauchen so etwas besonders, da sie am meisten unter Corona gelitten haben,“ weiß Heyn. Normalerweise würde die Schule viele Events in Klasse fünf veranstalten. „Das fiel alles aus.“ Außerdem seien die Schüler in dem Alter noch offen und würden das Erlebte weitergeben, sagt Heyn.

Gudrun Wagner freut sich, dass Sandra Heyn für das Projekt das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ aktiviert hat. Das Förderprogramm ist Teil der Maßnahmen des Landes zur Umsetzung des Bund-Länder-Aktionsprogramms „Aufholen nach Corona für Kinder und Jugendliche“.

Die Ergebnisse der Afrika-Kunst- und Kultur-Tagen werden am vorletzten Tag vor den Ferien, am Dienstag, 25. Juli, ab 18 Uhr bei der traditionellen Schulhof-Hocketse des ASG präsentiert. Dazu ist auch die Öffentlichkeit eingeladen. Bei einem Konzert mit der ASG-Bigband stellen sich die Workshop-Leiter vor. Geplant sind außerdem traditionelles Essen und Getränke wie bei einem westafrikanischen Dorffest.