Das Mädchen-und-Technik-Projekt gibt es an dem Gymnasium schon seit 1999, jedes Jahr nehmen Schülerinnen der Klassenstufen 9 und 10 daran teil. Das Ziel: Mädchen für Technik- und Ingenieurberufe begeistern und sie gezielt fördern. Warum das nötig ist, weiß auch Markus Borner, Ausbilder bei Lewa: „Weil es zu viele Männer in diesem Bereich gibt.“ Denn in vielen technischen Berufe sind nach wie vor nur wenige Frauen anzutreffen.
Eine Möglichkeit, in das Berufsfeld hineinzuschnuppern
Die Firma Lewa, die Pumpen und Dosieranlagen herstellt, ist Kooperationspartner des Projekts, wie auch das Unternehmen Brückner Trockentechnik. „Wir wollen es Mädchen ermöglichen, in dieses Berufsfeld reinzuschnuppern“, erläutert Borner.
Die beiden Firmen unterstützen die Mädchen der AG dabei, ein eigenes Objekt zu fertigen, das für den Schulbereich sinnvoll sein soll. In diesem Jahr haben die Schülerinnen beleuchtbare Metallbuchstaben entworfen und gefertigt, genauer ein J, ein K und ein G als Abkürzung für den Namen ihres Gymnasiums. Sie sollen in der Schulaula stehen.
Alle Stufen der Entwicklung durchlaufen
Dabei begleiteten die Schülerinnen alle Stufen der Entwicklung bis zum fertigen Produkt. Im März waren sie schon bei der Firma Brückner zu Gast. Dort wurden CAD-Zeichnungen, also dreidimensionale technische Zeichnungen, für das Projekt erstellt. Brückner fertigte auch die zugeschnittenen Grundbuchstaben aus Metall.
Diese haben die Schülerinnen nun bei Lewa zusammengebaut. „Wir haben die Buchstaben zugenietet und die Beleuchtung innen zusammengelötet und aufgeklebt“, erzählt Teilnehmerin Liv Kolbe. Die Arbeitsweisen waren für die Mädchen weitgehend neu. „Ich kannte das Nieten vorher nicht und das Löten nur ein bisschen aus dem Naturwissenschaft-und-Technik-Unterricht“, so schildert es Anne Jähnert Giannitrapani.
Was den Mädchen an der Technik gefällt
Was begeistert die Schülerinnen an der Technik? „Dass es so logisch funktioniert“, erklärt Sinja Hansen. „Wenn es ein Problem gibt, kann man sich das herleiten“, stimmt Liv Kolbe zu. „Und man hat etwas in der Hand beim Arbeiten, kann den Fortschritt sehen.“ Anna-Lena Setter betrachtet das Projekt als „Riesenchance“, denn man müsse nicht extern ein Praktikum machen, um in diesen Bereich hineinzuschauen, wie sie erzählt.
Sie war zusammen mit vier anderen Schülerinnen aus der zehnten Klasse nun schon zum zweiten Mal bei der Praktikumswoche dabei. Die Mädchen arbeiteten gemeinsam mit den anderen an den Buchstaben, entwickelten aber auch ihr Projekt aus dem vergangenen Jahr, einen Hygienespender für Binden und Tampons, weiter. „In der Praxis hat er nicht richtig funktioniert, jetzt durften wir wiederkommen und ihn verbessern“, schildert Anna-Lena Setter.
Es sei ein Novum, dass Mädchen erneut zu den Unternehmen gehen und an ihrem Produkt weiter arbeiten konnten, sagt die AG-Leiterin und stellvertretende Schulleiterin des JKG, Amena Mallick. Da die Teile zur Verbesserung der Spender nicht rechtzeitig geliefert wurden, soll er im Oktober fertig gestellt werden.
Die AG soll Klischees aufbrechen
Von dem Klischee, technische Berufe seien nur etwas für Jungs, halten die Mädchen nichts. „Die AG soll dieses Klischee aufbrechen und zeigen, dass auch Mädchen an Technik interessiert sein können“, erläutert Liv Kolbe. Frauen seien zwar in bestimmten Branchen unterrepräsentiert, aber nicht weniger kompetent.
Ähnlich sieht das auch Jana Schermann. Dass Technik nur etwas für Männer sei, stimme nicht. „Es gibt leider viel zu wenige Frauen in diesen Berufen. Das Projekt will mehr Frauen in die Technik bringen“, sagt sie.
Und die AG hat schon Früchte getragen. Eine ehemalige Teilnehmerin studiert heute dual Maschinenbau bei Lewa, erzählt Markus Borner. „Wichtig ist, dass Frauen in die technische Schiene gehen und man sie begeistern kann, egal ob bei Lewa oder Brückner“, fügt Mario Schmitt von Brückner hinzu.
Diese ehemalige Teilnehmerin ist aber bisher die einzige, die über das Projekt in eines der Partnerunternehmen gekommen ist. Generell tue sich aber etwas bei Lewa, wie Markus Borner erläutert: Regelmäßig seien auch Frauen im Lehrjahr vertreten. Nur in diesem Jahr werde das wahrscheinlich nichts, denn unter den zahlreichen Bewerbern seien nur zwei Frauen gewesen.
Ein Mädchen möchte einen technischen Beruf ergreifen
„Wir würden uns freuen, wenn noch mehr Mädchen das Selbstvertrauen gewinnen, in diesen Berufszweig zu gehen“, sagt Amena Mallick. Bei einer der Schülerinnen scheint das gesichert: Sinja Hansen kann sich gut vorstellen, später in einem technischen Beruf zu arbeiten, wie sie erzählt. „Mich hat Technik schon immer begeistert. Das macht einfach Spaß.“