Schulreform in Weil der Stadt Ein Verbund kommt für diese Schulen nicht infrage

Wie andere Werkrealschulen auch, gibt es an der Würmtalschule bald keinen Werkrealschulabschluss mehr. Foto: Simon Granville

Mit der Schulreform fällt an Werkrealschulen auch der Werkrealschulabschluss weg – und damit ein Alleinstellungsmerkmal, wie ein Weiler Schulleiter findet. Ein Verbund mit der örtlichen Realschule kommt derweil nicht infrage.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Lange wurde sie heiß diskutiert, inzwischen ist sie beschlossene Sache: Mit einer groß angelegten Reform wird das Land Baden-Württemberg die Schulbildung umkrempeln. Neben der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium, die Eltern mit einem Volksantrag erwirkt hatten, birgt die Reform aber auch für die anderen Schularten der Sekundarstufe I einige Veränderung – etwa für Real- und Werkrealschulen.

 

Letztere ist in der deutschen Schullandschaft so etwas wie eine baden-württembergische Spezialität: Seit 2010 gibt es sie, inzwischen ist aus fast jeder Hauptschule im Land eine Werkrealschule geworden. Schülerinnen und Schüler konnten hier nach neun Jahren einen Hauptschulabschluss erlangen oder ein Jahr länger bleiben, um die Schule dann nach der zehnten Klasse mit dem Werkrealschulabschluss zu verlassen, der gleichwertig zu einem regulären Realschulabschluss ist.

Der Werkrealschulabschluss fällt bald weg

Damit ist nun Schluss: Mit der beschlossenen Bildungsreform hat das Land Baden-Württemberg auch den Werkrealschulabschluss gekippt. Die Schulform bleibt zwar noch bestehen, führt künftig aber nur noch zum Hauptschulabschluss. Die Landesregierung begründet diese Änderung damit, dass man die Komplexität des Schulsystems reduzieren wolle. Die Neuregelung gilt ab 2030, wenn die letzten Kinder, die 2024 eingeschult wurden, ihren Werkrealschulabschluss erhalten haben.

Für Christian Stoiber, der die Würmtalschule Merklingen, eine Grund- und Werkrealschule, leitet, ist das ein Verlust: „Ich bedaure das sehr für unser Klientel“, sagt er zum geplanten Wegfall des Werkrealschulabschlusses. Seine Schulform hat für ihn klare Vorteile: Klassenlehrer sind hier wichtige Bezugspersonen für die Kinder, können eine gute Verbindung aufbauen, weil sie gleich mehrere Fächer unterrichten. Der Unterricht ist eher praktisch orientiert.

Und: Im G-Niveau, das an der Werkrealschule unterrichtet wird, werden Schülerinnen und Schüler nicht überfordert, können sich aber gleichzeitig nach der neunten Klasse am Werkrealschulabschluss versuchen, ohne die Schule zu wechseln. 70 Prozent seiner Schüler probieren sich daran. „Für uns ist dieses Alleinstellungsmerkmal nicht mehr gegeben“, so Stoiber. Die Möglichkeit, die Mittlere Reife zu erlangen, sei Zugpferd für seine Werkrealschule. Er wünscht sich eine verlässliche Perspektive.

Verbund oder Eigenständigkeit?

Im Sinne eines flächendeckenden Angebots soll es Werkrealschulen künftig möglich sein, einen Verbund mit einer Realschule einzugehen. Bisher wird an Realschulen parallel im Grundniveau, das zum Hauptschulabschluss führt, und im Mittleren Niveau, das mit einer Mittleren Reife abgeschlossen wird, unterrichtet. Schließen sich die beiden Schulformen zum Verbund zusammen, würde das Grundniveau an der Realschule entfallen und nur noch an der Werkrealschule unterrichtet werden. Ein Zusammenschluss zum Verbund würde allerdings auch bedeuten, dass es nur noch eine gemeinsame Schulleitung, eine Gesamtlehrerkonferenz und einen Elternbeirat gibt. „Eine Schule schluckt die andere“, nennt es Christian Stoiber. „Und wir haben hier noch eine Grundschule, was passiert damit?“

Zwischen der Werkrealschule im Weil der Städter Teilort Merklingen und der Realschule in der Kernstadt besteht bereits jetzt eine gute Zusammenarbeit, das bestätigen beide Schulleiter. Stoiber spricht von einer gewissen „Durchlässigkeit von Schülerinnen und Schülern“. Schon heute gibt es also einen stetigen Wechsel zwischen den beiden Schulen, von Kindern, die an der Realschule über- oder an der Werkrealschule unterfordert sind. „Wir wünschen uns, dass man uns erlaubt, auch weiterhin zu kooperieren“, sagt Andreas Bogner, Leiter der Weiler Realschule. „Aber wir denken auch, dass es große Vorteile hat, wenn man als eigenstehende Schule erhalten bleibt.“

Eine Schulleiterstelle würde wegfallen

Der Zusammenschluss zu einem Verbund kommt für ihn derweil nicht in Frage. Besonderes Manko daran ist für beide, dass eine Schulleiterstelle in einem solchen Verbund entfallen würde, ein Punkt, den auch der Verband Bildung und Erziehung Baden-Württemberg an der Schulreform bemängelt hatte. „Die Bildung von Verbünden darf nicht auf Kosten von Funktionsstellen gehen“, heißt es vom Verband. „Verbünde sind komplexe Organisationsstrukturen und erfordern ein zusätzliches Konrektorat nebst Abteilungsleitungen.“

Für Andreas Bogner ist klar: „Wir brauchen die Haupt- und Werkrealschule, um allen gerecht zu werden. Die sind Experten für das Grundniveau.“ Würde die Spanne der Fähigkeiten bei den Kindern zu groß werden, sei es schwer, das aufzufangen und beim Unterrichten allen gerecht zu werden. Er wünscht sich also eine Stärkung aller Schularten – der Realschule und der Werkrealschule, aber auch der Hauptschulen und Sonderpädagogischen Bildungszentren. Denn: „Jede Schulart profitiert von der anderen.“ Dazu gehört für ihn auch, den Ruf der Haupt- und Werkrealschulen zu stärken.

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