Schulsanierung in Stuttgart-Nord Schulleiter fordert: Ebelu muss OB-Sache sein

Von Eva Funke 

Die Probleme am Stuttgarter Eberhard-Ludwigs-Gymnasium reißen nicht ab: Nach den Ferien startet der Unterricht am Interimsort gleich holperig: Die Schulküche kann nicht in Betrieb genommen werden. Und im unteren Geschoss darf nicht unterrichtet werden.

Die Umzugswagen sind am Donnerstag beim Ebelu vorgefahren. Hausmeister Mario Panic kümmert sich darum, dass alle Kartons verladen werden. Foto: Eva Funke
Die Umzugswagen sind am Donnerstag beim Ebelu vorgefahren. Hausmeister Mario Panic kümmert sich darum, dass alle Kartons verladen werden. Foto: Eva Funke

S-Nord - Zwei Stunden musste sich Anna Kedziora (FW) beherrschen. Gegen Ende der Sitzung des Bezirksbeirats konnte sie unter dem Punkt „Verschiedenes“ ihrem Ärger Luft machen: Im Zusammenhang mit dem Umzug des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums (Ebelu) zum Interimsstandort in der Ludwigstraße gibt es erneut Probleme: Zum einen hat sich herausgestellt, dass die Schulmensa zum Beginn des Schuljahrs nicht in Betrieb gehen kann. Die Anlage für die Lüftung ist zu schwer für das Dach. Deshalb muss neu geplant werden. Zum anderen kann im unteren Stockwerk nicht unterrichtet werden, weil die Brandschutzvorkehrungen nicht ausreichen. Es fehlt ein zweiter Fluchtweg, Türen müssen verbreitert Leitungen eingehaust werden. Kedziora: „Die Schüler müssen auf einen weiteren Standort, die Hasenbergschule, ausweichen, und die Lehrer müssen zwischen noch mehr Gebäuden hin und her springen.“

Für den kommissarischen Schulleiter Burkart Miller sind das zwei weitere Kröten, die er zu schlucken hat. Die erste war, dass in die beiden Räumen im obersten Stock des Interimstandorts jeweils nur 15 Schüler dürfen – ebenfalls aus Brandschutzgründen. Deshalb können dort nur Lerngruppen untergebracht werden. Damit der Umzug in Ruhe vonstatten gehen kann, müht sich Miller trotz allem um Gelassenheit. Von 1700 sind 1500 Umzugskartons gepackt. Seit Donnerstag fahren die Umzugswagen vor und laden auf. „Die Stimmung ist gut. Vor allem unsere Schüler sind gespannt, was da an Neuem auf sie zukommt und freuen sich“, sagt Miller.

Der Schulleiter ist innerlich auf 180

Innerlich ist er allerdings auf 180. Denn die Situation hat etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis: Vergangenes Jahr musste der Umzug der Schule kurzfristig verschoben werden, obwohl Schüler und Lehrer auf gepackten Kisten saßen. Ein Nachbar begründete seinen Einspruch gegen die geplanten Baumaßnahmen damit, dass Punkte im Bebauungsplan nicht gründlich genug geprüft worden seien. Dadurch hat sich der Baustart um ein Jahr verzögert.

Andreas Hein, Leiter des Schulverwaltungsamts, versichert auf Anfrage zwar, es sei Ziel, spätestens bis Ende der Herbstferien alle Probleme zu beseitigen und das Hochbauamt alles Nötige eingeleitet habe. Versprechen kann er aber nichts. Denn alles hängt auch davon ab, wie schnell die Handwerker, die alle volle Terminkalender haben, anrücken können und das Baurechtsamt die neuen Planungen genehmigt. Außerdem seien Ausschreibungsfristen einzuhalten. Dass die Tragfähigkeit des Daches zu gering ist, habe sich erst jetzt herausgestellt. Und dass es beim Brandschutz zu Verzögerungen gekommen ist, begründet die Pressestelle der Stadt mit Verzögerungen bei den Umbaumaßnahmen des Interimstandorts.

Vertrauen in die Ämter verloren

„Wüssten wir, dass nach den Herbstferien alles erledigt ist, könnten wir mit der Situation leben“, sagt Miller und fordert von OB Fritz Kuhn (Grüne) das Desaster zur Chefsache zu machen und bei den beteiligten Ämtern dafür zu sorgen, dass die notwendigen Maßnahmen schnellstens umgesetzt werden und die Behörden Hand in Hand arbeiten. Denn nach den Erfahrungen in der Vergangenheit hat er das Vertrauen in die Ämter verloren. Dass zwischen den beteiligten Ämtern vieles zu langsam weiter gereicht wird und lange liegen bleibt, hatte bereits die frühere Schulleiterin Karin Winkler kritisiert.

Anna Kedziora appellierte im Bezirksbeirat derweil an das Gremium „politischen Druck“ aufzubauen. „Jemand muss das Heft in die Hand nehmen, sonst ist der Bildungsauftrag der Schule massiv gefährdet“, stellte sie fest und verlangt ebenfalls das Eingreifen des Rathauschefs. Die Unterstützung des Bezirksbeirats kam umgehend: Obwohl es nicht zulässig ist, weil das Ebelu nicht Tagesordnungspunkt war, wurde eine Resolution verfasst mit der Aufforderung an die Verwaltung, bis zum Ende der Sommerferien einen geordneten Schulbetrieb am Interimsort in der Ludwigstraße zu gewährleisten.

Für ein Problem ist mittlerweile eine Lösung gefunden: Der Förderverein des Ebelu, dessen Vorsitzende die Bezirksbeirätin Kedziora in Personalunion ist, will einen Caterer mit der Lieferung des Essens beauftragen. „Das übernehmen wir, weil die Stadt das aus rechtlichen Gründen nicht darf“, sagt sie und stellt fest, dass die Schule vor allem auch durch die tatkräftige Unterstützung des Elternbeirats auch diese Situation meistert.

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