Schulsozialarbeit in Ditzingen Viele Kinder zocken zu viel am Computer

Von Stefanie Köhler 

Schulsozialarbeiter in Ditzingen warnen vor negativen Folgen für das soziale Verhalten und den Lernfortschritt, wenn Kinder sich zu viel und zu lange mit digitalen Medien beschäftigen. Dabei gibt es einfache Lösungen.

Der Nachwuchs nutzt PCs meist versiert – und oftmals zu ausdauernd.Tristan Scherrer kennt die Sorgen von Kindern und Eltern. Foto: dpa
Der Nachwuchs nutzt PCs meist versiert – und oftmals zu ausdauernd.Tristan Scherrer kennt die Sorgen von Kindern und Eltern. Foto: dpa

Ditzingen - Beim Umgang mit Kindern redet Tristan Scherrer von „Herausforderungen“, nicht von „Problemen“. Davon gibt dem Ditzinger Schulsozialarbeiter zufolge einige. Jeden Herbst blickt der 29-Jährige auf das vorige Schuljahr in der Grundschule Heimerdingen zurück, seine Kollegen an den anderen Schulen tun es ihm gleich.

Eine Herausforderung seien die digitalen Medien. „Digitale Welten sind für Kinder sehr attraktiv“, sagt Scherrer. Schon Grundschüler spielten am Computer oder mit einer Konsole – viel zu lange aber und mitunter solche Spiele, für die sie zu jung seien. „Die viele Zeit, die für Spiele draufgeht, beeinflusst das Soziale und das Lernverhalten“, sagt Scherrer. So habe sich bei manchen Kindern eine „Bespaßungshaltung“ aufgebaut: Sie erwarteten ständig Anreize von außen. Beim Zocken verpassen Kinder laut Scherrer wichtige Erfahrungen mit Gleichaltrigen. Zugleich wirke es sich negativ auf den Lernfortschritt aus: Die Kinder haben weniger Zeit zum Lernen, in der Schule sind sie teils unkonzentriert. Scherrer rät Eltern zu einem „Mediennutzungsvertrag“: Mit dem Kind legen sie fest, wann es wie lange spielen darf. Dabei sollte die Dauer maximal eine Stunde am Stück sein.

Leerläufe sind sogar gesund

Andererseits kennt Scherrer, der auch im Hirschlander Jugendhaus arbeitet, Eltern, die den Tag ihrer Kinder komplett durchstrukturieren. Nach der Schule musizieren sie, reiten, tanzen, turnen, spielen Fußball. „Diese Unterstützung ist schön, aber zu viel schränkt die Kinder in ihrer Eigenverantwortung und Freiheit ein.“ Leerläufe sind sogar gesund und wichtig: Laut Wissenschaftlern erholt sich das Gehirn in Ruhephasen. Auszeiten fördern auch die Kreativität, weil im Gehirn währenddessen neue Verbindungen entstehen.

Dass einige Eltern die Zeit ihrer Kinder derart verplanen, erklärt Scherrer mit einem „Run auf imaginär knappe Ressourcen“. Damit meint er: Eltern wünschten sich für ihre Kinder den Besuch des Gymnasiums und dann einer guten Universität, damit sie später einen ordentlichen Beruf erlernen. Dabei müssen Eltern gar nicht bangen, sagt Scherrer. „Angesichts des Fachkräftemangels sind die jetzigen Grundschüler in einer komfortablen Situation.“ Spürbar wird der Druck der Eltern offenbar erst bei Viertklässlern, die kurz vor dem Übergang auf eine weiterführende Schule stehen. Laut einer Umfrage unter Viertklässlern der Konrad-Kocher-Grundschule etwa plagt viele die Angst, an der künftigen Schule zu versagen.

Schon Viertklässler haben zahlreiche Ängste

Mobbing, Gewalt und Drogen spielen laut Scherrer erst bei Jugendlichen zunehmend eine Rolle. Gleichwohl zeigt jene Umfrage unter Viertklässlern, dass die Furcht vor Mobbing eine der größten Ängste ist. Daher gibt es in der Konrad-Kocher-Schule Projekte zur Prävention von Mobbing. Das Selbstbewusstsein wird in allen Grundschulen gestärkt, ebenso der Umgang mit Konflikten. Denn streitende oder wütende Schüler sind Alltag an Schulen.

Ihre berufliche Zukunft treibt Jugendliche stark um. „Einigen fällt es schwer, einen Ausbildungsplatz zu finden“, sagt Scherrer. Das hat viele Gründe: Schlechte Noten, unangemessenes Verhalten wie Unpünktlichkeit, auch mal nur Pech, Interesse an einem beliebten Lehrberuf wie Frisör oder Automechatroniker. „Hier sollten Eltern dranbleiben und nachhaken, wie die Suche läuft oder wann Bewerbungsgespräche sind“, empfiehlt Scherrer.

Für die Bewerbung selbst seien die Sozialarbeiter an Schulen oder in Jugendhäuser die wohl besseren Ansprechpartner – bei Eltern liege die Bewerbungsphase zu weit zurück. Am Leben der Kinder Interesse zu zeigen und zuzuhören, sei indes immer wichtig – egal, wie alt das Kind ist.