Stuttgart - Die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW Doro Moritz blickt mit scharfer Kritik an den Gesundheits- und Coronaschutzmaßnahmen für Lehrer und Schüler in Baden-Württemberg auf den Schulanfang voraus. Sie fürchtet, dass die Hygienestandards an den Schulen im Land nach den Ferien vielerorts nicht ausreichend berücksichtigt werden.
„Wir gehen leider davon aus, dass zum Schulstart am 14. September in den 4500 Schulen im Land an vielen Stellen vorgeschriebene Hygienestandards nicht eingehalten werden können“, sagte Moritz bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Nur zwanzig Prozent der Schulen hätten zusätzliche Putzkräfte für den durch Corona erhöhten Reinigungsbedarf erhalten.
Umfrage unter fünf Prozent aller Schulen im Land
Moritz stützte sich auf eine Umfrage ihrer Gewerkschaft in der vorigen Woche, an der sich 242 Schulleiter beteiligt haben. 80 Prozent dieser Rektoren signalisierten, dass ihnen kein zusätzliches Putzpersonal zur Verfügung stehe.
In der neuen Coronaverordnung für die Schulen und in den Hygienevorschriften hat Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verschärfte Reinigungsauflagen unter anderem für „Handkontaktflächen“ wie Türgriffe, Lichtschalter, Tische in den Schulmensen und ähnliches verankert. All diese Maßnahmen, wie auch die Vorschrift, in den Klassenzimmern mindestens alle 45 Minuten zu lüften, sollen die Ansteckungsgefahren senken helfen.
Verantwortlich für die Umsetzung sind die Schulträger in den Kommunen. Deren Spitzenverbände weisen die GEW-Vorwürfe mangelnder Vorsorge bei der Hygiene zurück. Allenfalls im Einzelfall, so erklärte der Gemeindetag auf Anfrage, könne es „das eine oder andere Mal zu Engpässen“ kommen. „Wir gehen davon aus, dass die Schulträger die Hygienevorgaben erfüllen können und entsprechend auch das Reinigungspersonal bereits organisiert und informiert haben“, so der Gemeindetag weiter. Laut Landkreistag, der für die Berufsschulen und den Sonderpädagogischen Bildungszentren (SBBZ) zuständig ist, läuft aktuell die Abstimmung über die Umsetzung der aktualisierten Hygienehinweise mit den Reinigungsfirmen. „In Abhängigkeit des örtlichen Bedarfs wird auch zusätzliches Personal eingesetzt werden“, teilte Nathalie Münz, Vize-Hauptgeschäftsführerin des Landkreistags mit.
GEW hätte sich mehr Vorsicht zum Schulstart gewünscht
„Die Städte arbeiten intensiv an Lösungen für die besonderen Anforderungen an die Schulhausreinigung durch die seit einigen Tagen bekannte Corona-Verordnung Schule“, betont der Städtetag. Alle drei Kommunalverbände sehen die Vorbereitung von Hygienekonzepten für jede Schule auf gutem Weg; alle drei verweisen auf die gesammelten Erfahrungen vor den Ferien. „Eine große Herausforderung bleibt das häufige Lüften der Räume und Reinigen der Kontaktflächen im laufenden Schulbetrieb dennoch“, räumt der Städtetag ein.
GEW-Landeschefin Moritz kritisierte den bundesweiten Verzicht auf Maskenpflicht und Abstandsgebot im Unterricht und sieht diese im Widerspruch zu den Corona-Vorgaben des Robert-Koch-Instituts. Moritz hätte in Baden-Württemberg einen Schulanfang mit geteilten Klassen favorisiert, die im täglichen Wechsel zuhause und im Klassenzimmer unterrichtet werden.