Schulstart in Baden-Württemberg Zwischen Gaskrise und Corona

Viele Schüler freuen sich, ihre Freunde wiederzusehen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Zum dritten Mal in Folge müssen Schüler, Lehrer und Eltern sich auf ein von Krisen geprägtes Schuljahr einstellen. Eine zentrale Frage ist, ob mit dem Herbst, das Frieren in die Klassenzimmer zurückkehrt. Was sich fürs neue Schuljahr abzeichnet, und was wir noch nicht wissen.

Politik/Baden-Württemberg : Bärbel Krauß (luß)

Nie wieder Schulschließungen wegen Corona. Dieses Mantra der deutschen Kultusminister aus den vergangenen Jahren wird für das neue, in Baden-Württemberg am kommenden Montag beginnende Schuljahr um eine weitere Maxime ergänzt: Auch wegen Gasmangel und dem Zwang zum Energiesparen sollen Schulen keinesfalls geschlossen werden.

 

Wie kalt wird es im Winter?

Wie warm oder kalt es im Winter in den 4500 Schulen und 8900 Kitas des Landes sein wird, ist jedoch noch nicht geklärt. Klar ist gleichwohl, dass die Bildungseinrichtungen beim Energiesparen und Heizen in der Gaskrise von der Bundesregierung klar privilegiert werden: Sie müssen die Temperatur in Klassenzimmern nicht auf maximal 19 Grad herunterregeln. Das ist sonst Vorschrift in öffentlichen Gebäuden, in denen „körperlich leichte und überwiegend sitzende Tätigkeiten ausgeübt werden“. So sieht es die „Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung“ mit Energiesparauflagen für den nächsten Winter vor, die am 1. September in Kraft getreten ist und bis Ende Februar gilt. Dass für das Lernen und Lehren eine Ausnahmeregel gilt, ist ganz im Sinne der Kultusministerkonferenz (KMK). Sie pocht in ihrem jüngsten Beschluss darauf, dass „der Präsenzbetrieb in Schulen auch in Phasen einer kritischen Energieversorgung oberste Priorität hat“.

Zugleich akzeptiert die KMK, dass die Schulen einen Beitrag zum Energiesparen leisten, versucht aber, die Verantwortung dafür weit von den Ministern weg den Städten und Gemeinden in die Schuhe zu schieben. Wegen der Herausforderungen der Energieversorgung „prüfen und ergreifen die Schulträger in enger Abstimmung mit den Schulen vor Ort Möglichkeiten zur Einsparung von Heizenergie und Elektrizität“, heißt es in dem Papier. Das lässt offen, ob in Klassenzimmern im Winter wie bisher 20 bis 22 Grad herrschen, oder weniger.

Auch im Südwesten ist dem Vernehmen nach die Frage nicht geklärt, ob es dazu landesweite Vorgaben gibt, oder jeder Schulträger selbst entscheidet. Klar ist, dass 4500 Schulen mit 67 000 Klassenzimmern beim Verbrauch ebenso wie beim Sparen von Heizenergie ein zentraler Faktor sind. Es liegt daher auf der Hand, dass über eine Temperatursenkung nachgedacht wird. Insider halten es gegenüber Eltern für schwer vermittelbar, wenn es von Schule zu Schule oder Stadt zu Stadt Unterschiede gibt.

Was ist mit Corona?

Wenn 1,5 Millionen Schüler und 130 000 Lehrer am Montag in die Schule zurückkehren, geht der Alltag ohne Masken- und Testpflicht los. Einzige Ausnahme beim Testen sind Schulen mit sonderpädagogischem Profil. Was später gilt, lässt sich noch nicht absehen, weil der Bundestag das neue Infektionsschutzgesetz noch nicht beschlossen hat. Laut Entwurf darf eine Maskenpflicht an Schulen überhaupt nur ab der fünften Klasse verhängt werden und auch nur „wenn dies zur Aufrechterhaltung eines geregelten Präsenzunterrichtsbetriebs erforderlich ist“.

Einige Leitlinien hat Kultusministerin Theresa Schopper schon abgesteckt: Schüler mit hohem Infektionsrisiko können sich mit entsprechendem Attest weiterhin vom Präsenzunterricht befreien lassen. Ob es bei den Abschlussprüfungen im nächsten Frühjahr erneut eine coronabedingt längere Bearbeitungszeit gibt, lässt die Ministerin offen. Die Prüfungskommissionen wurden aber vorsorglich aufgefordert, erneut einen größeren Aufgabenpool vorzubereiten, damit die Lehrer eine passgenaue Auswahl treffen können. Ausflüge im In- und Ausland und sonstige „außerunterrichtlichen Veranstaltungen“ können ohne Einschränkung stattfinden.

Wie lernen Kinder aus der Ukraine? Im Wesentlichen bleibt es dabei, dass ukrainische Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg, so rasch es geht, in den Regelunterricht integriert werden sollen. In Vorbereitungsklassen, die es für allgemeinbildende und berufliche Schulen gibt, sollen sie die nötigen Deutschkenntnisse erlernen.

Vor den Ferien waren rund 21400 ukrainische Schüler in Baden-Württemberg registriert. Nach den Ferien sind es mehr. Wie stark die Zahlen steigen, hängt von der Entwicklung im Ukrainekrieg ab. Ministerin Schopper hält bis zu 30 000 geflüchtete Kinder für denkbar. Die Herausforderung für die Schulen ist, flexibel auf den Bedarf zu reagieren und genügend Pädagogen für die Vorbereitungsklassen zu finden. Schulpflichtig sind über sechsjährige Kinder ab dem Zeitpunkt, an dem sich ein dauerhafter Aufenthalt im Land abzeichnet – etwa wenn die Eltern eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Davor haben sie das Recht, am Unterricht teilzunehmen.

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