Jurismappe, Ringbuch, Klarsichthefter – jeder, der Kinder im Schulalter hat, kennt es: Nach den Sommerferien geht es mit einer großen Liste ab zum nächsten Schreibwarengeschäft um Ordner, Hefte und Mäppchen fürs neue Schuljahr zu besorgen. Im Büro- und Schreibwarenhandel herrscht jetzt Hochbetrieb.
Traditionell verlängert Patricia Wenzel in diesen Tagen deshalb die Öffnungszeiten ihres Schreibwarengeschäfts. Mindestens in der ersten Schulwoche kann in ihrem Laden in der Haußmannstraße in Stuttgart-Ost bis 19 Uhr eingekauft werden. „Und wenn jemand erst um sieben kommt, bleiben wir halt bis halb acht“, sagt die Einzelhändlerin, die seit 20 Jahren den Schreibwarenhandel am Ostendplatz betreibt. „Die Eltern müssen bei uns nicht verzweifeln.“
Supermarkt, Drogerie, Internet – die Konkurrenz ist groß
Als Service bietet Schreibwaren Wenzel allen Eltern an, die Liste für den Schulbedarf ihrer Kinder einfach im Laden abzugeben oder zuzusenden. „Wir stellen dann die ganze Lieferung zusammen“, erklärt die Einzelhändlerin. Das Angebot werde sehr gut angenommen. Um den großen Andrang zu bewältigen, wird in dem Schreibwarengeschäft in dieser Woche zudem das Personal aufgestockt.
Der größte Ansturm sei immer direkt am ersten Schultag, berichtet Wenzel. „Danach verteilt es sich auf die ganze Woche.“ Bis dann der Spuk wieder vorbei ist. Eine Ausnahme bilden die Grundschüler. Sie bekommen inzwischen fast alle ihre Liste schon am Ende des letzten Schuljahres oder online in den Ferien zugesandt. Das Geschäft mit den Schülern der Klassen eins bis vier ist deshalb fast schon wieder vorbei.
Die Konkurrenz der Supermärkte, Drogeriegeschäfte und natürlich des Internets, wo es längst ebenfalls fast alles für die Schule gibt, ist auch im Schreibwareneinzelhandel zunehmend spürbar: „Das Geschäft ist aus diesem Grund in den vergangenen Jahren nicht besser geworden“, sagt Wenzel. Bemerkenswert: Weil in Baden-Württemberg die Sommerferien sehr spät enden und in anderen Bundesländern der Handel mit den Produkten für den Schulunterricht längst auf Hochtouren läuft, könne es vorkommen, sagt Wenzel, dass hierzulande einzelne Produkte kurzzeitig nicht mehr lieferbar sind. Das komme jedoch nur selten vor.
Genau so wichtig wie Weihnachten
Bei Papier- und Schreibwaren Hofheinz in Sillenbuch wird zwar kein zusätzliches Personal eingesetzt. Doch die Mitarbeiter müssen derzeit deutlich mehr arbeiten als sonst, sagt die Geschäftsführerin Regina Hofheinz.
Froh zeigt sich die Einzelhändlerin darüber, dass in den Schulen noch immer mit Papier und Stift geschrieben und nicht alles in den Computer getippt wird: „Irgendwann brauchen die Schüler wahrscheinlich keine Hefte mehr“, fürchtet sie. Weggebrochen sei bereits das Geschäft mit den Schulranzen, so die Einzelhändlerin „Die werden längst nur noch online gekauft.“ Dass auch heute noch der Schulbeginn für die Branche nach Weihnachten die zweitwichtigste Saison im Geschäftsjahr ist, sagt Regina Hofheinz, habe sich aber dadurch nicht geändert.
Auch bei Ebert in Möhringen, der sowohl mit Büchern als auch mit Bürobedarf und Schreibwaren handelt, herrscht in dieser Woche der Ausnahmezustand. Wenn ein Produkt ausgehen sollte, erklärt dort Mitarbeiterin Sabrina Wolff, sei der Großhandel aber so flexibel, dass auch noch am Abend Bestellungen durchgegeben werden können. „Das wird dann gleich am nächsten Tag geliefert.“ Sie selbst, sagt Wolff, werde in dieser Woche fast den ganzen Tag arbeiten, obwohl sie eigentlich keine Vollzeitkraft ist.