Schulstart und Alltag Wie Familien nach den Ferien wieder in die Gänge kommen

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Nach den Ferien ist der Start in den Alltag anstrengend. Foto: Unsplash/Keren Fedida

Nach den Sommerferien wieder in den Funktionsmodus zu kommen, ist für Familien eine Herausforderung. Aber was lässt sich dagegen tun?

Aufstehen und ins Bett gehen, wann man möchte. Frühstück zur Mittagszeit im Schlafanzug. Tage ohne Termine, dafür viel Zeit zum Nichtstun oder nur Tun, wonach einem ist. Am Strand. In den Bergen. Bei den Großeltern. Im Freibad. Sechs Wochen Sommerferien sind eine Alltags-Auszeit für die ganze Familie, selbst wenn nicht alle so lange frei haben. „Danach wieder in den Funktionsmodus zu kommen, ist wie ein Jetlag für Körper und Seele“, sagt Katrin Haaga, Familiencoach aus Stuttgart.

 

Von daher ist es kein Wunder, dass die ersten Wochen im neuen Schuljahr bei Eltern mit Kindern oft als sehr herausfordernd erlebt werden. Der Nachwuchs hat schlechte Laune, wenn er morgens wieder früh aus dem Bett muss. Die Lust auf Hausaufgaben oder Vokabellernen macht noch Urlaub. Klavier üben? Direkt nach der Schule wieder los zum Basketballtraining? Och nö! „Eltern sind dabei emotional sehr gefragt und gleichzeitig oft selbst noch im Ferienmodus“, sagt Katrin Haaga. Konflikte sind da vorprogrammiert.

Es kann gar nicht rund laufen nach den Ferien

„Man sollte sich seine eigenen Erwartungen an diese erste Zeit klar machen und vielleicht auch überdenken“, sagt Pädagogin Gabriele Reichart von der Eltern-Akademie aus Koblenz. Es wird und kann gar nicht alles vom ersten Tag an wieder rund laufen. Also gilt es, zu sortieren, zu priorisieren, Zeitpuffer einzuplanen – und die Menge an Belastungen zu reduzieren. „Klar muss man früh aufstehen und in die Schule und zur Arbeit gehen. Aber muss ich wirklich jetzt die Fenster putzen oder die Kontrolle beim Zahnarzt in diese ersten Wochen legen?“ fragt Gabriele Reichart.

Bevor sie neue Termine für die Nach-Ferien-Zeit eintragen würde, würde sie zuerst kleine Zeitfenster für sich selbst im Kalender notieren. „Im Urlaub gelingt es uns meist wunderbar, achtsam zu sein, faul am Strand zu liegen, in Ruhe zu lesen. Solche Dinge kann man durchaus in den Alltag übernehmen“, erklärt Gabriele Reichart.

Was hat in den Ferien gut getan?

Damit solche Vorsätze nicht zu schnell wieder in Vergessenheit geraten, empfiehlt sie, ein Urlaubstagebuch zu schreiben, in dem man bei Gelegenheit immer mal blättern und nachlesen kann, welche Rituale der Familie während der Ferien gut getan haben.

Katrin Haaga feiert mit ihrer Familie jeden Ferienbeginn aber auch jedes Ferienende mit einer kleinen Pizzaparty. „Wir erinnern uns dann gemeinsam nochmals an die schönen Dinge, die wir erlebt haben. Wir sprechen aber auch über unsere Gefühle, was den kommenden Alltag angeht“, sagt Katrin Haaga.

Sie erlebt bei vielen Eltern, dass sie sich schwer damit tun, wenn ihre Kinder das Ferienende beweinen oder große Sorgen wegen einer neuen Schule oder neuen Lehrern äußern. „Oft versucht man das dann mit positiven Sprüchen wie: ,Das wird alles halb so schlimm‘ wegzuwischen. Dabei ist es völlig ok, wenn die Kinder solche Gefühle haben“, weiß Katrin Haaga.

Auch Gabriele Reichart empfiehlt, mit den Kindern ohne Bewertung über das neue Schuljahr zu sprechen. „Das funktioniert gut über Fragen. Also: Wie fühlst du dich, wenn du an die neue Klasse denkst? Kennst du diesen Lehrer persönlich?“

Keinen Druck aufbauen

Sie beobachtet, dass es oft die Eltern sind, die dazu beitragen, dass der Beginn des neuen Schuljahrs direkt als stressig erlebt wird. „Wenn sie hohe Erwartungen setzen, gleich Druck aufbauen, statt zu sehen, dass auch die Kinder Zeit brauchen, um mit dem Übergang von den Ferien in den Alltag klar zu kommen“, sagt Gabriele Reichart.

Auch beim Thema Hobbies sind es nicht selten die Eltern, die sich wünschen, dass das Kind Klavier lernt oder die Schach-AG besucht. „Das Ende der Ferien ist immer auch eine gute Zeit, um sich zu überlegen, welche Freizeitaktivitäten das Kind wirklich selbst gern weitermachen möchte und wo es vielleicht für alle mehr Entspannung bringt, wenn man manche Termine einfach künftig sein lässt“, sagt Katrin Haaga.

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