Schulteswahlen im Rems-Murr-Kreis Zwischen Formsache und Richtungswahl: Welzheim bestätigt, Urbach entscheidet neu

In Welzheim (rechts) und Urbach werden am 8. März die Rathauschefs neu gewählt. Foto: Gottfried Stoppel

In Welzheim ist die Entscheidung schon vor der Bürgermeisterwahl quasi gefallen, in Urbach beginnt der Machtkampf. Warum die eine Wahl Formsache ist, die andere alles verändern könnte.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Wenn am 8. März die Wahlurnen für die Landtagswahl öffnen, erledigen zwei Kommunen im Rems-Murr-Kreis gleich noch eine zweite demokratische Pflicht im selben Gang. In Welzheim und Urbach enden die Amtszeiten der jeweiligen Bürgermeister. Der Bewerberschluss am Montagabend hat nun Klarheit gebracht: Hier die erwartete Wiederwahl ohne Konkurrenz, dort ein Duell mit offenem Ausgang.

 

Während sich in Welzheim das Wahlvolk auf einen bekannten Namen einstellen kann, verspricht die Bürgermeisterwahl in Urbach politischen Wettbewerb. Der Unterschied könnte größer kaum sein.

Thomas Bernlöhr bleibt in Welzheim ohne Konkurrenz

In Welzheim bleibt alles beim Alten. Amtsinhaber Thomas Bernlöhr ist der einzige Kandidat, der fristgerecht seine Bewerbung eingereicht hat. Der 44-Jährige hatte seine Unterlagen gleich zu Beginn der Bewerbungsfrist abgegeben. Bis zum Montagabend ist kein weiterer Kandidat dazugekommen. Das bestätigt der Beigeordnete der Stadt und Wahlausschussvorsitzende Wolfgang Schray.

Thomas Bernlöhr will zum dritten Mal in Folge zum Bürgermeister von Welzheim gewählt werden Foto: Frank Rodenhausen

Bernlöhr führt die Geschicke der Limesstadt seit 2010. Damals war er einer der jüngsten Bürgermeister der Region, heute zählt er zu den dienstältesten. Zwei Wahlen hat er bereits deutlich gewonnen: 2010 mit rund 80 Prozent, 2018 sogar mit 90,7 Prozent der Stimmen, obwohl vier Mitbewerber um das Amt buhlten.

Bernlöhr setzt auf Kontinuität und familiäre Verwurzelung

Auch diesmal setzt Bernlöhr auf Kontinuität. Infrastruktur, Wohnungsbau und das Lindenquartier gehören zu seinen gesetzten Themen. Er begründet seine erneute Kandidatur unter anderem mit der Verwurzelung seiner Familie in der Stadt und einem funktionierenden Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Gemeinderat. Große Prestigeprojekte lehnt er ab, stattdessen will er Standards halten und behutsam weiterentwickeln.

Dass er sich trotz externer Anfragen – etwa aus größeren Städten – erneut für Welzheim entschieden hat, wird im Rathaus gern als Loyalitätsbeweis gelesen. Kritische Gegenstimmen sind öffentlich kaum vernehmbar. Die Wahl am 8. März dürfte deshalb weniger eine Richtungsentscheidung als eine formale Bestätigung werden.

Urbach: Wettbewerb ausdrücklich erwünscht

Ganz anders die Lage in Urbach. Hier tritt die Amtsinhaberin Martina Fehrlen nicht ohne Gegenkandidaten an. Mit Marcel Schindler bewirbt sich ein 31-jähriger Verwaltungsfachmann um den Chefsessel im Rathaus. Seine Kandidatur hat er per Pressemitteilung schon Ende Januar bekannt gemacht. Weitere Bewerbungen gibt es laut aktueller Bekanntmachung der Kommune keine.

Marcel Schindler aus Plüderhausen fordert in Urbach die Amtsinhaberin heraus. Foto: privat

Schindler ist Amtsleiter und sitzt für die SPD im Gemeinderat von Plüderhausen. In Urbach tritt er jedoch als unabhängiger Kandidat an. Er wirbt mit Verwaltungserfahrung, Transparenz und zügigen Entscheidungen. Ein Mann, der keinen Hehl daraus macht, dass er den nächsten Karriereschritt gehen will.

Ein subtiler Fingerzeig des Gemeinderats

Dass es überhaupt zu einem ernsthaften Duell kommt, ist kein Zufall. Der Urbacher Gemeinderat hatte bei der Stellenausschreibung bewusst auf den sonst üblichen Hinweis verzichtet, dass sich die amtierende Bürgermeisterin wieder bewirbt. Der Antrag kam von den Freien Wählern – ein leiser, aber deutlicher Hinweis darauf, dass Konkurrenz nicht nur geduldet, sondern gewünscht ist.

Martina Fehrlen möchte Bürgermeisterin in Urbach bleiben Foto: Gottfried Stoppel

Martina Fehrlen, seit 2018 im Amt und damals mit knapp 60 Prozent im ersten Wahlgang gewählt, setzt auf Kontinuität und lokale Verbundenheit. „Für mich ist es selbstverständlich, erneut zu kandidieren – aus Überzeugung und mit ganzem Herzen“, schreibt sie auf ihrer Internetseite und betont die Verwurzelung ihrer Familie im Ort. Das Bürgermeisteramt sei mehr als nur ein Beruf. Inhaltlich stellt sie Infrastruktur, Hochwasserschutz und Kinderbetreuung in den Mittelpunkt.

Fehrlens Selbstkritik zu Gewerbegebiet-Entwicklung

Bemerkenswert ist Fehrlens selbstkritischer Ton in einem Interview mit der „Welzheimer Zeitung“. Die Entwicklung des Gewerbegebiets „Schraienwiesen“ bewertet sie rückblickend als nicht optimal. Insbesondere die Entscheidung für einen Bürgerentscheid statt eines Bürgerforums sieht sie heute kritisch. Es ist ein Eingeständnis, das in kommunalen Wahlkämpfen selten geworden ist.

Schindler greift ähnliche Themen auf, setzt aber andere Akzente. Als junger Vater betont er die Bedeutung verlässlicher Kinderbetreuung und einer funktionierenden Verwaltung im Alltag. Hochwasserschutz und Familienpolitik stehen bei ihm ebenso weit oben wie Bürgernähe und Verbindlichkeit.

Ehrenamt im Fokus: Schindler fordert mehr Unterstützung

Beide Kandidaten unterstreichen die Bedeutung des Ehrenamts für das Gemeindeleben. Während Schindler mehr strukturelle Unterstützung für Engagierte fordert, hebt Fehrlen die gewachsene Vereinslandschaft hervor. Der Wahlkampf, so betonen beide, solle fair bleiben.

Einen Live-Eindruck von beiden kann man sich am 26. Februar machen. Von 18.30 Uhr an findet die offizielle Kandidatenvorstellung in der Urbacher Auerbachhalle statt. Eine mögliche Stichwahl ist für den 29. März angesetzt. Schon jetzt aber ist klar: Während Welzheim seine Bürgermeisterwahl im politischen Vorbeigehen erledigt, steht Urbach vor einer echten Richtungsentscheidung. Die Bürgerinnen und Bürger haben eine echte Wahl.

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