Schultoiletten Zum Weglaufen eklig
Viele Kinder essen und trinken in der Schule wenig, um bloß nicht auf die Toilette zu müssen. Dabei gibt es gute Ideen für mehr Wohlfühlatmosphäre auf dem Schulklo.
Viele Kinder essen und trinken in der Schule wenig, um bloß nicht auf die Toilette zu müssen. Dabei gibt es gute Ideen für mehr Wohlfühlatmosphäre auf dem Schulklo.
Der Boden ist nass, an der Wand klebt Papier und die Spülung klemmt: Willkommen auf einer Schultoilette, egal wo in Deutschland. Ein Wohlfühlort sieht anders aus. Weshalb viele Schülerinnen und Schüler versuchen, in der Schule gar nicht erst aufs Klo zu gehen. 46 Prozent vermeiden das Pinkeln, 85 Prozent das große Geschäft. Und das ist wissenschaftlich belegt.
Zu diesem Ergebnis kommt nämlich die erste wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Schultoiletten in Deutschland, die 2023 vom Institut für öffentliche Gesundheit und Hygiene der Universität Bonn sowie der German Toilet Organization (GTO) durchgeführt wurde. Befragt wurden Schüler an 17 weiterführenden Schulen in Berlin.
„Oft gibt es keine Seife, kein Klopapier, die Türen gehen nicht zu oder lassen sich nicht wieder öffnen, es sind Gucklöcher in den Trennwänden, es stinkt“, nennt Svenja Ksoll, zuständig für die Projektkoordination Schulen bei der GTO, einige der am häufigsten genannten Gründe der Schüler, warum sie versuchen, den Toilettengang möglichst zu vermeiden. Damit das gelingt, berichten mehr als ein Viertel der befragten Schüler, dass sie in der Schule bewusst weniger trinken und essen.
„An langen Schultagen ist das sehr kontraproduktiv, wenn zu wenig Flüssigkeit und zu wenig Energie zu sich genommen wird, und das führt dann zu Konzentrationsstörungen, zu Leistungsknicks im Sport und so weiter“, sagt Kinderarzt Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. In Extremfällen seien auch Harnstau, Harnwegsinfekte sowie Verstopfungen möglich. Hinzu kämen psychische Auswirkungen. „Kinder sollen ja dann aufs Klo gehen, wenn das Bedürfnis da ist, und sich das nicht verdrücken, weil sie sich nicht wohlfühlen auf der Toilette“, sagt Jakob Maske.
Wie sehr verdreckte Schultoiletten deutschlandweit ein Thema sind, merkt Svenja Ksoll täglich bei ihrer Arbeit. „Es rufen mehrmals in der Woche Schüler, Eltern, Lehrer oder Schulleitungen an, die von den Zuständen an ihren Schulen berichten und wissen wollen, was sie dagegen tun können.“
Das allein sei schon eine sehr gute Entwicklung, findet Svenja Ksoll. Denn: „Eines der größten Probleme ist eigentlich, dass viele denken: Da kann man ja sowieso nichts machen, die Schüler machen eh alles schmutzig und kaputt.“ Nun habe die Studie aber gerade gezeigt, dass es weniger Verschmutzung und Vandalismus gebe, wenn ortsübliche Utensilien wie Klopapier und Seife vorhanden wären und die Toiletten zudem regelmäßig geputzt würden.
„Schultoiletten sind hoch frequentierte Orte, gerade im Ganztag viele Stunden lang, da reicht es nicht, sie einmal am Tag sauber zu machen“, sagt Svenja Ksoll. Während es in den meisten Betrieben mit vielen Mitarbeitern selbstverständlich sei, dass eine Reinigungskraft den Tag über für Sauberkeit sorge, gebe es das an den meisten Schulen nicht. „Schmutz aber zieht Schmutz an“, so Svenja Ksoll. Liegen schon Papierhandtücher auf dem Boden, lässt man das eigene auch eher liegen, wenn es mal neben den Mülleimer fällt. Das Umfeld trägt sich weiter.
Eine weitere Möglichkeit, um Schultoiletten in einem guten Zustand zu halten, ist es Svenja Ksoll zufolge, die Schüler miteinzubeziehen. „Wenn Mitschüler eine Schultoilette bunt gestrichen oder den Spiegel schön gestaltet haben, fällt es nachweislich schwerer, das wieder kaputt zu machen“, so Ksoll.
Deshalb bietet die GTO seit einigen Jahren den Wettbewerb „Toiletten machen Schule“ an. Hier können Schüler, Lehrer und Eltern Konzepte zur Verbesserung auf ihren Schultoiletten einreichen und Geld gewinnen, mit dem sich die Ideen dann auch umsetzen lassen. So hat eine Münchner Grundschule dieses Jahr beispielsweise eine Toilettenampel eingeführt. Schüler kontrollieren regelmäßig, ob es genügend Klopapier, Seife und Handtücher zum Abtrocknen gibt. Fehlt etwas oder ist ein Klo verdreckt, schalten sie die Ampel auf Rot. Lehrkräfte oder der Hausmeister sehen dann, dass etwas nicht in Ordnung ist – und kümmern sich darum. „Es ist ganz wichtig, dass die Kinder die Möglichkeit haben, sich mit Beschwerden an jemanden zu wenden, und dass dann auch etwas passiert“, sagt Svenja Ksoll.
Andere Schulen probieren es mit Musik auf der Toilette, mit Disco-Licht, Kleiderhaken, Pflanzen oder Smileys auf dem Klodeckel. In den Pissoirs der Jungs-Toilette einer Realschule in Nordrhein-Westfalen gibt es kleine Fußball-Tore. Die Mädchen finden in ihren Toiletten kostenlose Tampons. „Viele Schülerinnen sind gestresst, wenn sie ihre Periode in der Schule haben. Sie brauchen Hygieneartikel, Entsorgungsmöglichkeiten, Seife und eine Kabinentür, die man abschließen kann“, sagt Svenja Ksoll.
Viele sanitäre Einrichtungen in den Schulen aber sind so in die Jahre gekommen, dass auch eine bunt bemalte Wand nicht über den Gestank hinwegtäuschen kann. Gegen Urinstein und alte Leitungen helfen irgendwann nur noch Sanierungen. „Spätestens wenn der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in Grundschulen ab dem Schuljahr 2026/2027 eingeführt wird, müssen die Toiletten auch so ausgestattet sein, dass Kinder sie den ganzen Tag nutzen wollen“, sagt Svenja Ksoll.
Schüler putzen
In Potsdam haben Schüler eine Firma gegründet, die sich um die Reinigung der Toiletten kümmert. Die Schüler bekommen für den Job ein kleines Gehalt.
Schlüssel und Chipkarte
In einigen Schulen müssen sich die Schüler im Sekretariat einen Schlüssel holen, um auf die Toilette zu können. Andere Schulen nutzen Chipkarten für den Zugang. Beides soll helfen, nachzuvollziehen, wer auf der Toilette war, wenn es zu Beschädigungen kommt.
Schulklo-AG
Sie kümmert sich regelmäßig darum, dass das Thema Schulklo ernst genommen wird, führt neue Schüler in Kloregeln ein oder überlegt, wie man Gelder für Sanierungen auftreiben kann.
Kostenpflichtige Toiletten
Auch das gibt es: An einigen Schulen kostet der Klogang. Dafür werden die Toiletten häufiger gereinigt.
Graffiti erlaubt
Es gibt Folien, mit denen man Wände in Toiletten bekleben kann. Auf diesen Wänden ist Bekritzeln dann erlaubt. Ist die Fläche voll, kann sie einfach erneuert werden.