Nachhilfeunterricht in den Ferien in Stuttgart Schulamt garantiert genügend Plätze

Bis Freitag können sich Schüler für Förderunterricht in den Lernbrücken während der Sommerferien anmelden. Foto: dpa/Arne Dedert

In Stuttgart haben laut Schulamt 3600 Schüler die Empfehlung erhalten, ihre Lücken während der Sommerferien in sogenannten Lernbrücken zu schließen. Noch ist unklar, ob tatsächlich 230 Lerngruppen zustande kommen und ob die Zahl der Lehrer dafür reichen wird.

Stuttgart - In sogenannten Lernbrücken sollen Schüler ihre coronabedingten Lücken während der Sommerferien schließen. Allein in Stuttgart habe man 3600 Schülern empfohlen, an der zweiwöchigen Fördermaßnahme teilzunehmen, berichtete Thomas Schenk, der Leiter des Staatlichen Schulamts, dem Schulbeirat.

 

Unklar sei aber noch, wie viele der am Montag angeschriebenen Schüler sich tatsächlich anmelden werden – und ob dann die Zahl der Lehrer reichen wird. Bis diesen Freitag läuft die Anmeldung. Wenn alle Schüler der Empfehlung folgen und zur Förderung kommen, wären das für die Grund-, Sekundarstufe-1-Schulen und die Sonderschulen 230 Gruppen mit maximal je 16 Schülern. Bisher hätten sich 117 Lehrer freiwillig dafür gemeldet. „Da gibt’s noch eine Diskrepanz“, so Schenk.

Schulamt garantiert: Wir werden jedes angemeldete Kind versorgen

Dennoch zeigt sich der Schulamtschef zuversichtlich: „Jedes Kind, das für eine Lernbrücke angemeldet ist, werden wir auch versorgen – das garantieren wir.“ Ermöglichen sollen dies auch frisch gebackene Lehrer, die nach ihrem Referendariat in den Sommerferien traditionell unbezahlt sind. Ihnen wird angeboten, sich zwei Wochen früher anstellen zu lassen. „120 haben wir angeschrieben, seit Montag haben sich 30 gemeldet“, berichtet Schenk. Falls deren Zahl nicht ausreichen sollte, werde man versuchen, Pensionäre zu aktivieren. Lehrer zwangszuverpflichten sei nicht möglich, so Schenk. Wer als Lehrer freiwillig mitmache, bekomme eine Vergütung – 40 Euro je Zeitstunde – , da es ja eine Arbeit während der Ferienzeit sei.

Dass viele Schüler eine Zusatzförderung dringend brauchen, haben jetzt auch die Rückmeldungen von Stuttgarter Schulleitern gezeigt. „Berufsschüler sind die größten Corona-Verlierer“, sagte Felix Winkler, der geschäftsführende Schulleiter der gewerblichen, haus- und landwirtschaftlichen Schulen. Das gelte besonders für Azubis im zweiten Lehrjahr. Eine Umfrage unter den Berufsschulen habe ergeben, dass 25 Prozent der Berufsschüler während des Corona-Lockdowns gar nicht erreichbar waren, 40 Prozent schlecht erreichbar und nur 35 Prozent gut erreichbar.

„Unvorstellbar“, meinte dazu die CDU-Stadträtin Iris Ripsam. Sie und ihre Kollegen Gabriele Nuber-Schöllhammer (Grüne) und Christian Walter (Puls) fragen sich, ob man für die Lerngruppen, die ja freiwillig sind, die richtigen Kinder überhaupt erreiche. Holger zur Hausen, der geschäftsführende Schulleiter der Stuttgarter Gymnasien, beschäftigt noch ein ganz anderes Problem. Dass man nun versuche, in Förderprogrammen Versäumtes nachzuholen, sei ja „sehr sinnvoll – wir wissen aber nicht, wie wir die Lernbrücken organisieren sollen“, gab er im Blick auf das Infektionsrisiko zu bedenken. Denn man müsse ja damit rechnen, dass die Schüler zuvor „aus aller Herren Länder“ aus dem Urlaub zurückgekehrt seien.

Schulleiter und Eltern befürchten steigendes Infektionsrisiko

Zudem werden die Lernbrücken ja nicht klassenweise organisiert, sondern richten sich an die Kinder, die während der Schulschließungen seit Mitte März schwer erreichbar waren. Kurzum: viele Eltern seien in Sorge – „wir sind noch arg verunsichert“, so zur Hausen. Auch Uwe Heilek, der Geschäftsführer der Grundschulen, äußerte die Sorge, „dass Eltern die Risiken einer Ansteckung nicht sehr ernst zu nehmen scheinen“. Etliche Familien wollten in Risikogebiete verreisen.

Schenk erklärte, Schüler aus Risikogebieten könnten eben nicht in die Lernbrücken, sondern müssten erst zwei Wochen in Quarantäne. Laut Kultusministerium können die Lerngruppen auch an benachbarten Standorten oder gemeinsam für mehrere Schulen angeboten werden, auch jahrgangsübergreifend. „Dabei ist die feste Gruppenzusammensetzung soweit wie möglich einzuhalten“, so das Ministerium.

Künftig soll bei Schulschließungen niemand mehr abtauchen

Was denn mit den „abgetauchten“ Lehrern sei, fragte Ripsam. Denn die habe es während der coronabedingten Schulschließung ja auch gegeben. Antwort von Barbara Koterbicki, der geschäftsführenden Schulleiterin der Sekundarstufe-1-Schulen: „Ich habe den Kollegen gesagt: Wir sind nicht in den Ferien. Ich erwarte, dass Sie sich melden.“

Schüler, die 14 Tage nicht erreichbar gewesen seien, seien dem Ordnungsamt gemeldet worden. Zwei Schüler seien verschollen gewesen – im Ausland. Künftig, so Koterbicki, müsse es auch bei Lockdowns eine klare Unterrichtsstruktur geben: „Von acht bis zwölf ist Unterricht. Und dass Eltern sagen, der schläft noch, rufen Sie mal um vier noch mal an, das wird es nicht mehr geben.“

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