Schulwechsler in Stuttgart Schulbehörde und Stadt müssen Weichen neu stellen

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Der Wunsch der Schulleiter nach einem übergreifenden pädagogischen und logistischen Konzept für „falsch einsortierte“ Schüler ist berechtigt. Doch das ist nicht in Sicht, kritisiert Redakteurin Inge Jacobs.

Nicht jeder Schüler ist den Anforderungen am Gymnasium gewachsen. Foto: dpa
Nicht jeder Schüler ist den Anforderungen am Gymnasium gewachsen. Foto: dpa

Stuttgart - Man muss es so klar sagen: Es war ein Fehler der grün-roten Landesregierung, die verbindliche Grundschulempfehlung abzuschaffen. Das war im Jahr 2012. Die Kultusministerin hieß Ga­briele Warminski-Leitheußer (SPD), trat kurz danach zurück und ist heute vergessen. Aber die Folgen ihrer unstrukturierten Bildungspolitik müssen jetzt Schüler, Schulen und auch die Stadt Stuttgart ausbaden.

Der Kardinalfehler war, dass seither viele Kinder an Gymnasien aufgenommen werden, bei denen von vornherein klar ist, dass sie den Anforderungen nicht genügen werden. Das belegt nicht nur die hohe Zahl der Schulwechsler von mehr als 300 allein zu diesem Schuljahr in Stuttgart – alles Kinder, die das Gymnasium verlassen (müssen), weil es sie überfordert. Das belegen auch die aktuellen Erfahrungsberichte der Schulleiter. Dabei hat diese Not mehrere Facetten. Da sind zum einen die betroffenen Kinder, die jeden Tag verzweifelter werden und an Selbstvertrauen verlieren. Das ist eine Abwärtsspirale, die rasch gestoppt werden sollte. Aber wie? Wechsel zum Halbjahr will das Schulamt nur wenigen Einzelfällen zugestehen.

Die Realschulen sind schon „sehr voll“

Zum anderen sind da die Realschulen, in denen manches Kind zwar wohl besser zurechtkäme. Doch die sind voll. Auch die Gemeinschaftsschule könnte für manche Kinder eine Option sein, aber verordnen lassen müssen Eltern sich das nicht.

Kurzum: Der Wunsch der Schulleiter nach einem übergreifenden pädagogischen und logistischen Konzept für „falsch einsortierte“ Schüler ist berechtigt. Doch das ist nicht in Sicht. Schulbehörden und Stadt sind gefordert, Lösungen zu finden. Es bleibt abzuwarten, ob die Vorlage der Grundschulempfehlung bei der Anmeldung die Einsicht mancher Eltern in die Erfahrung der Experten befördert – und zwar bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist. Zu wünschen wäre es. Wenn das nicht der Fall ist, sollten die Weichen konsequenter gestellt werden. Sonst geht der Schlamassel auch künftig so weiter.

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