Die Verkehrssituation am Eingang zum Renninger Schulzentrum beschäftigt fast regelmäßig den Gemeinderat. Zuletzt hat die SPD eine Durchfahrtssperre beantragt.

Mit Ausnahme der B 295 schafft es wohl keine Straße namentlich so oft in den Renninger Gemeinderat wie die Jahnstraße. Ob die Umwandlung in eine Fahrradstraße, eine Einbahnregelung oder die Einrichtung einer extra „Elternhaltestelle“: Anträge gab es in den vergangenen vier Jahren zuhauf – und alle wurden aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt. Genauso ist es auch der SPD mit ihrem jüngsten Antrag ergangen: Die Fraktion wollte die Straße auf Höhe der Mediathek für den Verkehr komplett sperren lassen.

 

An der Jahnstraße befindet sich einer der beiden Zugänge zum Renninger Schulzentrum, außerdem die Mediathek und das Bürgerhaus. Durchgangsverkehr und wildparkende Eltern, die ihre Kinder an der Schule absetzen oder abholen, bilden eine Gefahr für andere, die sich auf dem Schulweg befinden. Aus diesem Grund wurde Anfang 2018 die Einrichtung eines Zebrastreifens beschlossen. Eigentlich ist ein Fußgängerüberweg in einer 30er-Zone und bei verhältnismäßig niedrigem Verkehrsaufkommen nicht üblich. Die Polizei erkannte die Ausnahmesituation an diesem Standort aber an. Seit 2020 ist der Zebrastreifen fertig.

Fahrradstraße oder Einbahnstraße?

Viele Räte und Eltern sahen das Problem damit aber nicht ausreichend gelöst. Bereits im Sommer 2018 stellte die CDU den Antrag, die Lindenstraße und die Jahnstraße in eine durchgängige Fahrradstraße umzuwandeln. In einer solchen haben Radfahrer gegenüber Autofahrern immer Vorrang, das Nebeneinanderfahren ist zum Beispiel ausdrücklich erlaubt. Die Polizei äußerte aber starke Bedenken gegen das Vorhaben, da die Linie aus Linden- und Jahnstraße von zwei viel befahrenen Hauptstraßen gekreuzt wird. Gerade junge Radfahrer könnten sich durch die Deklarierung als Fahrradstraße in falscher Sicherheit wiegen und an den Kreuzungen unvorsichtig werden. Nur ein Teil der Lindenstraße wurde daher in eine Fahrradstraße umgewandelt.

Ebenfalls keine Mehrheit im Rat fand ein Dreivierteljahr später der Antrag der Frauen für Renningen, die Jahnstraße zwischen Bahnhofstraße und Emil-Höschele-Straße in eine Einbahnstraße umzuwandeln. Gleiches galt für ihren Antrag vom Sommer 2020, auf dem offiziellen Parkplatz eine extra „Elternhaltestelle“ einzurichten, um das Wildparken vor dem Schulzugang zu reduzieren. Dort gilt ein absolutes Halteverbot.

20 000 Euro für einen Zebrastreifen

2021 blieb es, zumindest politisch, etwas ruhiger um die Jahnstraße. Dann folgte der Antrag der SPD: In einer einjährigen Testphase wollte sie die Durchfahrt zwischen Mediathek und Bürgerhaus außer für Radfahrer und Fußgänger sperren lassen. Die Stadtverwaltung konnte dem Vorstoß nichts abgewinnen: Erst vor zwei Jahren sei für 20 000 Euro der gewünschte Zebrastreifen angelegt worden, der damit vollkommen überflüssig wäre. Weitere Gegenargumente führte der Erste Beigeordnete Peter Müller an: „Die Sperrung dürfte zu einem Wendechaos der ,Elterntaxis‘ führen“, zudem gebe es außerhalb der Schulzeit keinen ersichtlichen Grund, die Jahnstraße zu sperren. Und die Jahnstraße bildet eine wichtige Aus- und Einfahrtsstraße für die Feuerwehr, die ihren Stützpunkt direkt ums Eck in der Emil-Höschele-Straße hat.

Das Argument mit dem Zebrastreifen sei in der Tat nicht von der Hand zu weisen, sagte Jan Hambach, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Wir halten es aber nach wie vor für wichtig, es geht uns hier um eine Verkehrsberuhigung.“ Für die Feuerwehr könnte man sicherlich auch eine andere Lösung finden.

„Bei der Feuerwehr geht es um Sekunden“

Die anderen Fraktionen teilten diese Argumentation nicht. „Als wir die Sanierung der Feuerwehr an diesem Standort beschlossen haben, ist die Entscheidung gefallen“, sagte Wolfgang Steudle (CDU). Es sei nicht tragbar, der Feuerwehr diese Zufahrt zu versperren oder auch nur zu erschweren. „Da geht es immerhin um Sekunden.“ Jochen Breutner-Menschick sah es ähnlich, betonte jedoch: „So, wie es jetzt ist, ist es auch nicht in Ordnung.“

Verena Weidmann-Reisser, Leiterin der Silcher-Schule und Sprecherin des Renninger Schulzentrums, kennt die Situation. „Die Problematik ist auf jeden Fall da“, sagt sie und ergänzt: „Sie ist aber vor allem hausgemacht. Die Straße wird außerhalb der Schulzeit nicht viel befahren, das Problem sind also die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen oder abholen. Das ist an fast jeder Schule so.“ Wenn jeder sich selbst hinterfragen würde, ob es wirklich nötig ist, das eigene Kind immer mit dem Auto zu bringen und direkt am Eingang abzuliefern, „wäre das Problem ganz schnell gelöst“.