Schulweg in Wangen Sorge um Sicherheit der Kinder
Wangens Eltern fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder. In den verkehrsberuhigten Bereichen im Ortskern missachten Autofahrer oft das Tempolimit.
Wangens Eltern fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder. In den verkehrsberuhigten Bereichen im Ortskern missachten Autofahrer oft das Tempolimit.
Wangen - Eigentlich ist die Unfallstatistik für den Stadtbezirk Wangen nicht besorgniserregend. Die Zahlen pendeln seit Jahren im Bereich zwischen 474 und 394. Im vergangenen Jahr registrierte das Polizeirevier Ostendstraße 444 Verkehrsunfälle – 50 mehr als im Vorjahr. Das Beruhigende: Kein Mensch kam auf den Wangener Straßen ums Leben. Im Vergleich zum Jahr 2019 (34) wurden 2020 nur 24 Verkehrsteilnehmer leicht, fünf allerdings schwer verletzt (2019 ebenfalls fünf Schwerverletzte).
Erhöht hat sich – das zeigt sich in ganz Stuttgart – die Zahl der verunglückten Radfahrer. Es gab sieben Fahrradunfälle unterschiedlicher Art. „Was vermutlich auch damit zusammenhängt, dass während des Lockdowns mehr Stuttgarter aufs Fahrrad oder das E-Bike gestiegen sind“, deutete Hans-Peter Tausch, der Revierleiter Ostendstraße, bei der Vorstellung der Zahlen im Sicherheitsbeirat Wangen den Anstieg der Radlerunfälle.
Auf dem Weg zur Schule – sofern 2020 überhaupt Präsenzunterricht stattfand – verunglückte zwar keine Schülerin oder Schüler, dennoch sorgen sich Wangens Eltern und die Sicherheitsbeiräte um ihre Kinder. „Sie sind vielen Gefahrenmomenten ausgesetzt“, bestätigte auch Wangens Bezirksvorsteherin Beate Dietrich. Für Kinder und Jugendliche aus dem Bereich Höhbergstraße führt der offizielle Schulweg über die Zinkbrunnenstraße in Richtung Wangener Marktplatz, zur Stadtbahnhaltestelle oder weiter zur Wilhelmsschule Wangen. „Im oberen Bereich der Zinkbrunnenstraße befindet sich aber auf keiner Seite ein Gehweg. Fußgänger sind gezwungen auf der Straße zu laufen“, so Dietrich. Erst auf halber Höhe der Zinkbrunnenstraße beginnt dann ein Gehweg. „Der jedoch oftmals zugeparkt ist. Auch von Eltern, die ihre Kinder in die nahe gelegene Kindertagesstätte bringen“, erklärte CDU-Bezirksbeirat Marijan Laszlo. Im Vorfeld der Sitzung des Sicherheitsbeirats hatten die Wangener Verbesserungsvorschläge gesammelt. Ihre Ideen: Der Bau oder wenigstens das farbliche Markieren eines Gehwegbereiches könnte die Situation in der Zinkbrunnenstraße verbessern. Auch Tempo 20 für Autofahrer würde die Sicherheit erhöhen. Dass das Tempolimit etwas hilft, bezweifeln Eltern aus ihren Erfahrungen in den verkehrsberuhigten Bereichen.
Sowohl in der Federsee- als auch in der Ravensburger und Biberacher Straße weisen Schilder mit spielenden Kindern die Abschnitte deutlich als verkehrsberuhigte Bereiche aus. Schrittgeschwindigkeit ist eigentlich angesagt. „Doch viele Autofahrer scheint dies nicht zu interessieren“, sagt Anwohner Jens Leistert. Eltern aus dem Bereich hinter der Kelter haben sich deswegen zusammengeschlossen. „Mehrfach wäre eines unserer Kinder fast von einem Auto angefahren worden. Wenn man Autofahrer auf ihr Verhalten anspricht, erhält man überwiegend unfreundliche Antworten“, klagen die Eltern. Sie fordern mehr Kontrollen durch die Ordnungsbehörden und schlagen bauliche Änderungen vor, beispielsweise eine einseitige Sperrung der reinen Anwohnerstraße mit einem Poller, den Rettungskräfte und die Männer der Abfallwirtschaft entfernen können.
Gefährlich wird es für Kinder und Jugendliche auch vor der Wilhelmsschule. Viele Kinder passieren die Hedelfinger Straße über den ampelgeregelten Überweg. Bezirksvorsteherin Dietrich muss von ihrem Büro aus oft kritische Situationen beobachten: „Autofahrer missachten am Wangener Marktplatz oft das Rotlicht und gefährden damit Passanten.“ Andreas Passauer, der Rektor der Schule, spricht sich deswegen auch gegen die Schließung der Marktplatz-Unterführung aus. „Wir müssen sie beleben, sauber halten und freundlicher gestalten, damit die Kinder sie besser annehmen.“ In einem Ideenwettbewerb sollen Schüler sich Gedanken dazu machen.