Schulwege in Herrenberg Projekt in Verzug – doch Umfrage soll im neuen Jahr starten

Kinder in der Nähe von fließendem Verkehr – das kann gefährlich werden. In Herrenberg sollen nun Problemstellen ausfindig gemacht werden. Foto: imago images/U. J. Alexander

Ein ehrenamtlicher Arbeitskreis will die Sicherheit auf Herrenbergs Schulwegen erhöhen. Die Initiatoren konnten ihren eigenen Zeitplan bislang nicht erfüllen. Nun wollen sie das Vorhaben transparenter machen und es im neuen Jahr durchziehen.

Auto-Team: Rouven Spindler (rsp)

Es war eine durchaus große Aufgabe, die Andreas Schütz und Daniel Schelb in diesem Sommer übernommen haben. Genau genommen war sie zu groß, um im angepeilten Zeitplan zu bleiben. Die beiden Mitglieder des Arbeitskreises Verkehr im Gesamtelternbeirat (GEB) Herrenberg haben sich vorgenommen, Gefahrenstellen auf den Schulwegen in der Gäustadt ausfindig zu machen, um künftig Gefahrzonen und Elterntaxis zu reduzieren.

 

Ihre ehrenamtliche Initiative ähnelt dem Projekt „Achtung, Schulweg!“ unserer Zeitung. Es ist aber speziell zugeschnitten auf die Stadt Herrenberg und will mithilfe einer Online-Befragung der Eltern und Kinder neben den Problemen auch die realen Geh- und Radschulwegpläne herausarbeiten, damit diese aktualisiert werden können. Die Organisatoren setzen dabei auf ein Erfassungstool des Landes.

Andreas Schütz ist einer der Initiatoren des Herrenberg Projekts. Foto: privat

Mit dem Projekt wolle der Arbeitskreis vorwiegend den Schulen, aber zum Teil auch die Verwaltung unterstützen, „weil beide unter Personalmangel leiden“, erklärte Andreas Schütz im September gegenüber unserer Zeitung. Der Herrenberger ist selbst als Verkehrsplaner tätig – und somit vom Fach.

Doch vor allem berufsbedingt konnten er, Daniel Schelb und die seit diesem Schuljahr hinzugestoßene Katja Dongus-Lais den eigenen Zeitplan nicht einhalten. Geplant hatten sie die Online-Befragung ursprünglich im Oktober und November. Nun soll sie im neuen Jahr starten – mit Vorabinformationen für die Eltern.

Daniel Schelb aus dem Herrenberger Stadtteil Gültstein wirkt ebenfalls an dem Projekt mit. Foto: privat

Homepage erweitert das Projekt

Die Organisatoren wollen künftig zusätzlich eine Homepage bereitstellen. Auf der können unter anderem Problemstellen hinterlegt und eingesehen werden. Die Transparenz soll die Erfolgschancen für wichtige Gefahrmeldungen erhöhen.

Schließlich sollte dann in den Wochen danach eine „Mängelliste“, wie Andreas Schütz sagt, entstehen – und eventuell könne das Team „zu der ein oder anderen Problemstelle auch einen Lösungsvorschlag machen“. Größtenteils ist das dann aber die Aufgabe der Stadtverwaltung, der diese Datengrundlage zugespielt werden soll. Auf deren Basis sollen die Schulen dann auch neue Geh- und Radschulwegpläne entwickeln – wobei das laut dem 52-jährigen Schütz ein längerer Prozess werde.

Er und sein Team haben durchaus die Erwartung, dass die Problemstellen von der Stadtverwaltung angegangen werden. Und nicht nur das: Der Arbeitskreis wünscht sich dabei auch „eine etwas mutigere Anwendung der Möglichkeiten“ – etwa beim Thema Geschwindigkeitsreduktion.

„Wenn es zum Beispiel um eine Querungsstelle geht, an der Grundschüler über die Straße laufen, und über eine kurze Distanz hinweg die Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden würde, dann ist der Eingriff in den fließenden Verkehr eigentlich so gering, aber der Mehrwert bei der Sicherheit so viel höher“, sagt Andreas Schütz, der generell aber von einer guten Zusammenarbeit mit der Ordnungsbehörde berichtet.

Baustellen und ÖPNV: weitere Probleme werden ersichtlich

Dem Arbeitskreis fallen auch Probleme auf, die über Gefahren wie zu hohe Geschwindigkeit hinausgehen. Etwa Baustellen, die Gehwege versperren und Kinder so vor Herausforderungen stellen.

Oder aber der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV): Mit dem würden Kinder aufgrund des Fahrermangels wiederholt zu spät oder gar nicht in die Schule kommen, berichtet Andreas Schütz von den bisherigen Erkenntnissen. Zu denen sollen im neuen Jahr die Umfrageergebnisse hinzukommen.

Projekt „Achtung, Schulweg!“ unserer Zeitung

Ziel
Unsere Redaktion verfolgte ihr eigenes Vorhaben zu diesem Thema. Sie wollte in Kooperation mit dem Recherchenetzwerk Correctiv wissen, wie sicher die Schulwege im Kreis Böblingen sind. Über ein einfaches Online-Tool konnten Sie Gefahrenstellen dokumentieren – und es sind mit Ihrer Hilfe fast 300 davon zusammengekommen. Wir konfrontierten die Stadtverwaltungen mit den Beiträgen und berichteten über die Problemstellen. Das Ziel ist es, Gefährdungen von Schülern zu reduzieren.

Ziel
Hier finden Sie die Karte mit den Gefahrenstellen sowie jegliche Artikel, die sich mit verschiedenen Schulweg-Themen befassen.

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