Schumann-Liederabend Mann und Weib und Weib und Mann

Cornelius Meister, Esther Dierkes und Björn Bürger (v. li.) arbeiten Clara und Robert Schumanns Lieder differenziert aus. Foto: IHWA

Esther Dierkes, Björn Bürger und Cornelius Meister begeistern mit Liedern von Robert und Clara Schumann.

Loriot war pessimistisch. „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen“, stellt eine der Figuren des Karikaturisten resignierend fest, und die Ehe sei am Ende nur „der Versuch, zu zweit wenigstens halb so glücklich zu werden, wie man alleine gewesen ist“.

 

Der Liederabend, den die Sopranistin Esther Dierkes und der Bariton Björn Bürger am Donnerstagabend im Vortragssaal der Staatsgalerie geben, widerspricht Loriots augenzwinkerndem Zweisamkeits-Pessimismus allerdings entschieden: Zu erleben ist der Liederzyklus „Myrten“, den Robert Schumann seiner Braut zur Hochzeit komponierte, durchsetzt mit Liedern von Clara Schumann und mit Zitaten aus dem Ehetagebuch der Schumanns. Eine besondere Aura erhält das Konzert dadurch, dass die beiden Singenden selbst ein Paar sind, sodass man sich hörend durch ein Spiegelkabinett bewegt.

Von Hits bis zu unbekannteren Stücken

Und einen Hauch Wehmut gibt es auch, denn der Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart, Cornelius Meister, beendet als hochsensibel sekundierender und mitdeutender Pianist mit diesem Abend nicht nur seinen Schumann-Zyklus, sondern auch sein hohes Engagement bei den Liederabenden, die sein Haus in Kooperation mit der Hugo-Wolf-Akademie veranstaltet.

Der Saal ist restlos ausverkauft und ebenso restlos begeistert über ein Programm, das von Lieder-„Hits“ wie Robert Schumanns „Widmung“ und Clara Schumanns „Er ist gekommen in Sturm und Regen“ bis zu unbekannteren Stücken von Clara reicht.

Sowohl Esther Dierkes als auch Björn Bürger gelingt der Sprung vom dramatischen Operngenre zum intimen Lied exzellent: Sehr fein werden im wechselnden Vortrag Details der Texte und der Musik gestaltet, werden Dynamik, Tempi, Klangfarben differenziert – exemplarisch etwa bei „Du bist wie eine Blume“ aus Robert Schumanns „Myrten“ (Bürger) oder bei Claras „Ich stand in dunkeln Träumen“ (Dierkes).

Publikum darf erleichtert aufatmen

Bei der Sopranistin hätte man sich in dramatischeren Passagen eine Spur weniger Tremolo gewünscht, beim Bariton in der Höhe etwas weniger Druck („Talismane“). Aber in der Summe ist das marginal; zärtlicher als Dierkes kann man das „Hochländische Wiegenlied“ mit seinen wohligen Jodel-Einschüben nicht singen, hintersinniger als Bürger nicht das „Rätsel“ umschreiben.

Am Ende kommen beide zusammen. Volkstümliche Duette von Robert und Clara krönen den Abend, „Du liebst mich wie ich dich, ich lieb dich wie du mich“, tönt es harmonisch aus zwei Kehlen, und das jubelnde Publikum darf erleichtert aufatmen: Männer und Frauen passen doch zusammen, und der Zwiegesang ist so schön, dass er sogar ein weiteres Sopran-Bariton-Paar ins Recht setzt. „Mann und Weib und Weib und Mann“, singen Pamina und Papageno in Mozarts „Zauberflöte“, „reichen an die Gottheit an.“ Wohl wahr.

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