Schurwald Warum der Wald eine Lebensversicherung im Klimawandel ist

ForstBW-Chef Max Reger (links) und Revierleiter Stefan Grätsch tauschen sich mit Andreas Schwarz (Mitte) aus. Foto: Roberto Bulgrin

Bei einem Rundgang auf dem Schurwald haben Waldprofis von Forst BW erläutert, welche wertvollen ökologischen Aufgaben Bäume in Zeiten des Klimawandels übernehmen.

Region: Corinna Meinke (com)

Der Klimawandel hat auch den Schurwald mit Hitze- und Dürreperioden fest im Griff. Für die Förster hat der klimaresiliente Umbau der heimischen Wälder längst begonnen. Mit welchen Herausforderungen der Wald zu kämpfen hat und warum Holz ein wichtiger CO2-Speicher ist, wurde beim Rundgang klar, bei dem Vertreter von Forst BW und der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz den Lichtenwalder Forst erkundeten.

 

„Wir leisten eine erheblichen Beitrag zum Klimaschutz in einer Zeit, in der der Klimawandel Realität ist, die Erderwärmung über 1,5 Grad Celsius liegt und alle Klimaziele bereits gerissen wurden“, erklärte Max Reger, der Vorstandsvorsitzende von Forst BW, mit Blick auf die Speicherfähigkeit des Waldes. Immerhin binde jeder Kubikmeter Holz rund eine Tonne vom klimaschädlichen CO2 und das häufig langfristig.

Der Wald im Kreis Esslingen ist ein langfristiger Speicher für CO2

Das heißt, je nachhaltiger das Holz eingesetzt werde, wie beispielsweise die als Baustoff besonders gut geeigneten Hölzer von Tanne und Douglasie, umso länger wirke dieser Speicher. „Wir können nicht warten, was die Natur bringt, sondern wir müssen die Arten wechseln“, erklärt der Forstfachmann. Weil die Buche, die auch im Forstbezirk Schurwald zu den wichtigsten Baumarten gehört, wegen der Klimawandels erhebliche Probleme habe, müsse man Arten wie Elsbeere, Eiche und Linde fördern, denn sie kämen besser mit Hitze und Trockenheit zurecht.

Im Spannungsfeld von Naturschutz und Waldwirtschaft

Es gebe allerdings auch Stimmen, die kritisierten, dass der Forst gesunde Bäume umsäge. „Diesen Dialog müssen und wollen wir führen“, sagte Reger. Für Reger und sein Team sind Naturschutz und Waldwirtschaft keine unüberbrückbaren Gegensätze, aber die Natur sich selbst zu überlassen, wie es manche Kritiker forderten, das sei in so einem dicht besiedelten Gebiet wie dem Landkreis Esslingen nicht möglich, erklärte der stellvertretende Revierleiter vom Forstbezirk Schurwald, Johannes Fischbach.

Und Fischbach ergänzte, nicht nur das verbaute Holz sei ein CO2-Speicher, sondern genauso jeder neue Baum, der für einen gefällten gepflanzt oder auf natürliche Weise ausgesät würde. „Solche selbst ausgesamten Bäume in hoher Artenvielfalt sind unsere Versicherung im Klimawandel“, formulierte das Max Reger. Man wolle hier in Stufen mit verschiedenen Altersklassen und Baumhöhen arbeiten, das streue das Risiko für Schäden breiter.

Holz kann CO Foto: picture alliance / dpa

Für den Revierleiter Stefan Grätsch steht fest, dass auch wirtschaftliche Zwänge die Arbeit im Wald beeinflussen. Um beispielsweise den jährlichen Hiebsatz zu erfüllen, den der Plan vorgebe, müssten recht große Einschlagflächen bearbeitet werden. Aber die Standards gebe die Zertifizierung nach FSC vor und dieses Zertifikat erhalte nur, wer sich an die Regeln einer verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung halte. Immerhin gelte es, den Wald mit seinen ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen zu erhalten. Wie politisch das Thema Wald ist, zeige sich, wenn Forstleute angegangen würden, erklärte Andreas Schwarz. Im Übrigen sei für ihn die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung die Geschäftsgrundlage, die mit dem Zertifikat immer wieder hinterlegt werde.

Tiere und Pflanzen müssen geschützt werden

„Wir haben die Verpflichtung uns über eventuelle negative Auswirkungen unserer Arbeit Gedanken zu machen“, ergänzte Jürgen Sistermans-Wehmeyer, Geschäftsbereichsleiter von ForstBW, der unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Das gelte hier fürs Wirtschaften im geschützten Gebiet besonders, dem Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH), das im Rahmen der europäischen Natura 2000-Strategie ausgewiesen wurde, um für bestimmte schützenswerte wild lebende Tiere und Pflanzen geeignete Lebensräume und Arten zu erhalten.

Um den Wald zu schonen, werden weniger Rückegassen angelegt

Um ein Beispiel zu erleben, wanderte die Gruppe zu einem Ameisenhügel, der sich am Ende einer Rückegasse befand. Solche unbefestigten Gassen legt der Forst zum Abtransportieren von gefällten Bäumen an. Auch hier habe die Prüfung ergeben, dass die Standards nach FSC eingehalten werden.

Der Boden werde in diesen Rückegassen leider verdichtet, räumte Fischbach ein, allerdings wähle Forst BW stets einen doppelt so großen Abstand zwischen den Gassen wie gesetzlich gefordert. „Wir wollen den Wald schonen“, darin waren sich die Forstleute bei der Begehung einig. Und bei der Befahrung mit Fahrzeugen bei der Holzernte müssten beispielsweise Ameisenhügel zwischen die Reifen genommen werden.

Ameisen können nicht umgesiedelt werden

Dieses Vorgehen sei mit der Unteren Naturschutzbehörde eng abgestimmt, sagte Sistermans-Wehmeyer. Ein Umsiedeln der roten Waldameisen, die zwar keine streng geschützte, aber eine besonders geschützte Art sei, komme allein schon wegen der dichten Besiedelung mit diesen Tieren hier nicht in Frage, da sich Ameisen, die in ein neues Revier eindringen, bis aufs Blut bekämpften.

Erfreulich sei ihre große Verbreitung aber auf jeden Fall, weil die Ameisen nur als Gesundheitspolizei des Waldes gelten und viele Insekten fressen, die ihrerseits ansonsten ganze Bäume kahl fressen könnten, sondern auch als Zeigerart für einen stabilen und gesunden Wald fungierten.

Schurwald ist Teil eines Großbezirks

Prüfung
Im Schurwald sind in diesem Frühjahr erneut Flächen für die Zertifizierung nach FSC überprüft worden. Jährlich werden die Kriterien stichprobenartig geprüft und alle fünf Jahre unterzieht sich ForstBW einem Rezertifizierungsaudit im Staatswald.

Bezirk
Der Forstbezirk Schurwald umfasst rund 14 500 Hektar Wald und reicht von Stuttgart-Ost bis Bartholomä im Ostalbkreis sowie von Schwaikheim (Rems-Murr-Kreis) bis Metzingen im Kreis Reutlingen. Hier arbeiten 60 Forstleute, darunter 25 Forstwirte und zehn Revierleiter, die von 70 Mitarbeitenden forstlicher Dienstleister unterstützt werden.

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