Nach dem jüngsten Schusswechsel unter rivalisierenden Gruppierungen in Schorndorf-Weiler (Rems-Murr-Kreis) gibt es für die Ermittler neue Einblicke in das mutmaßliche Waffenarsenal der schießwütigen rivalisierenden Gruppierungen. Und die sind besorgniserrend: Denn nach der Schießerei am 23. Oktober sind erneut Kriegswaffen aufgetaucht – unter anderem eine jugoslawische Handgranate. Der Friedhof-Anschlag von Altbach vor sechs Monaten ist somit kein Sonderfall – wie nun der neue Handgranatenfund zeigt.
Bereits Ende Oktober 2023 hatte ein Spaziergänger in Bad Überkingen (Kreis Göppingen) eine Plastiktüte entdeckt, in der eine Maschinenpistole, ein Revolver sowie eine Handgranate verpackt waren. Nach Informationen unserer Zeitung handelt es sich dabei um eine Handgranate des jugoslawischen Typs M 52, eine ebenfalls im früheren Jugoslawien hergestellte Maschinenpistole des Typs Skorpion sowie um einen Revolver Marke Ruger Super Redhawk 9 ½.44 Remington Magnum.
DNA-Spuren führen zu einem Trio
Offenbar gibt es Verbindungen zu dem Schusswechsel in Schorndorf, nach dem sich ein 20-Jähriger Türkei-Deutscher selbst gestellt hatte. Mögliche Verbindungen gibt es aber auch zu dem Handgranatenanschlag auf dem Friedhof in Altbach (Kreis Esslingen), wo ein 23-Jähriger aus der Zuffenhausen-Göppingen-Gruppe eine Handgranate auf mehrere Hundert Trauergäste und Mitglieder der Esslinger Rivalen geworfen haben soll. Für ihn beginnt an diesem Donnerstag der Prozess vor der 19. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts in Stammheim.
Wie das Landeskriminalamt (LKA) am Mittwoch bestätigte, haben Untersuchungen des Kriminaltechnischen Institutes DNA-Spuren zutage gefördert, die zu den drei Tatverdächtigen im Alter von 25, 26 und 55 Jahren führten. Zwei haben die serbische, einer die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei den Durchsuchungen wurden neben knapp 600 Gramm Kokain mehrere Datenträger und Bewaffnungsgegenstände sichergestellt. Die Staatsanwaltschaft beantragte gegen das Trio Haftbefehl wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Die Beschuldigten sitzen in Untersuchungshaft.
Und noch ein Waffenfund, aber kein Haftbefehl
Ob die Handgranate der Gruppe aus Zuffenhausen-Göppingen oder den Esslinger Rappern zugerechnet wird, bleibt offen. Gemeinhin wird ein Waffenlager gerne im Revier des Gegners angelegt, um schnellen Zugriff zu haben. Nach Zählung des LKA hat es in der seit Sommer 2022 andauernden Schüsse-Serie inzwischen 50 Festnahmen gegeben. Dazu zählt auch eine Razzia am 30. November bei einem 32-jährigen Deutschen, der an dem Angriff auf den Werfer der Handgranate in Altbach beteiligt gewesen sein soll. Er bleibt indes auf freiem Fuß.
Eigentlich hätte das LKA am Mittwoch noch eine 51. Festnahme vermelden können. Nach Informationen unserer Zeitung gab es in der Nacht zum heutigen Mittwoch einen Waffenfund in Esslingen – zufällig bei einer routinemäßigen Fahrzeugkontrolle entdeckt. Die Beamten hatten zunächst illegalen Drogenkonsum vermutet – und fanden im Wagen dann eine Pistole des Herstellers Sig Sauer. Die Waffe wurde beschlagnahmt. Der mutmaßliche Besitzer wurde nach erkennungsdienstlicher Behandlung wieder auf freien Fuß gesetzt.