Sieben Monate nach einer rätselhaften Schießerei in Ostfildern-Parksiedlung (Kreis Esslingen) hat die Polizei vier Tatverdächtige aufgespürt. Bei den 25, 28, 32 und 35 Jahre alten Männern gab es am Donnerstagmorgen Wohnungsdurchsuchungen – allerdings keine Festnahmen oder gar Haftbefehle. „Es gibt zum aktuellen Zeitpunkt keinen dringenden Tatverdacht“, sagt der Staatsanwaltssprecher Aniello Ambrosio auf Nachfrage unserer Zeitung. Dass die Männer den beiden rivalisierenden Gruppen angehören, die sich seit dem Sommer 2022 in der Region Stuttgart mehrfach Schusswechsel inklusive einem Handgranatenanschlag am Friedhof Altbach (Kreis Esslingen) geliefert hatten, habe aber eine „hohe Wahrscheinlichkeit“. Und vor allem, dass sie in Ostfildern dabei waren.
Schüsse vor einer Shisha-Bar – und dann sind alle weg
Am 15. Februar dieses Jahres hatte es gegen 21.50 Uhr vor einer Shisha-Bar am Herzog-Philipp-Platz im Stadtteil Parksiedlung einen Schusswechsel gegeben. Als die Polizei anrückte, waren die Beteiligten in alle Richtungen geflüchtet und spurlos verschwunden. Ob es Verletzte gab, wurde nicht bekannt. Die Ermittler fanden lediglich Einschusslöcher in der Fassade und in geparkten Autos sowie mehrere Patronenhülsen. „Die Analysen ergaben, dass mindestens zwei Schusswaffen unterschiedlichen Kalibers zum Einsatz kamen“, teilt David Fritsch, Sprecher des Landeskriminalamts, mit.
Der Vorfall zählt zu einer Reihe von Schießereien seit Juli 2022, mit der sich eine Ermittlungskooperation von Landeskriminalamt und den Polizeipräsidien Stuttgart, Reutlingen, Ludwigsburg und Ulm beschäftigt. Nach bisherigen Erkenntnissen bekriegen sich multiethnische Gruppen aus dem Raum Stuttgart/Ludwigsburg und Esslingen/Filstal. Begonnen hatte die Serie am 20. Juli 2022 mit einem Schuss in Zuffenhausen.
Keine Pistolen, aber Sturmhaube und Schlagstock
Die Durchsuchungen am Donnerstagmorgen fanden in den Landkreisen Böblingen, Göppingen und Esslingen statt. Schusswaffen wurden keine gefunden – sondern ein Teleskopschlagstock, eine Sturmhaube sowie Datenträger und Mobiltelefone. „Diese Beweismittel müssen nun ausgewertet werden“, sagt der Staatsanwalt Ambrosio.
Ob die Aktion am Donnerstag nur eine Art Warnschuss an die Beteiligten oder ein Durchbruch für die Ermittlungen ist, bleibt abzuwarten. Die vier Beschuldigten seien bisher polizeilich nicht auffällig gewesen, stellt LKA-Sprecher Fritsch fest. Mit deutscher, türkischer und mazedonischer Staatszugehörigkeit passen sie in das Format der multiethnischen Gruppierungen. Die Zahl der Festnahmen und Verhaftungen bleibt jedenfalls bei 32. Laut Landeskriminalamt sind insgesamt 13 scharfe Schusswaffen beschlagnahmt worden. Die Ermittler haben etwa 600 Spuren zu überprüfen – bisher sind 350 abgearbeitet. Es gibt noch viel zu tun.