Mehrere Menschen aus dem Rems-Murr-Kreis haben jetzt am Wochenende ihr Essen auf dem Herd vergessen – und zwar so lange, dass sich ein Brand entwickelte und Feuerwehren zu Hilfe eilen mussten. In Winnenden rückte die Feuerwehr am späten Samstagabend aus, in Backnang und Fellbach am frühen Sonntagnachmittag. Zumindest in zwei Fällen konnten die Helfer Schlimmeres verhindern.
Doch der Brand am Sonntagnachmittag in Backnang hat ein Todesopfer gefordert, eine 65-jährige Frau konnte von den Helfern nicht mehr reanimiert werden. Das zuständige Polizeipräsidium hat inzwischen weitere Details zum Unglück veröffentlich. Demnach waren es weniger die Flammen, die wesentlich für das Versterben der Frau waren, sondern vielmehr die Rauchentwicklung. „Nach ersten Ermittlungen der Kriminalpolizei starb die Frau vermutlich aufgrund einer Rauchgasintoxikation“, sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.
Was ist über den Todesfall bekannt? Kurz vor 14.30 Uhr wurde am Sonntagnachmittag Rauch aus der Wohnung im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Mennostraße im Backnanger Teilort Sachsenweiler gemeldet. „Durch einen Rauchmelder wurden Nachbarn auf den Rauch aufmerksam und verständigten die Feuerwehr“, so der Sprecher. Nachdem die Rettungskräfte die Haustür öffnen konnten, war die Ursache der Rauchentwicklung schnell gefunden. „Es war ein auf dem eingeschalteten Herd stehender Topf.“ Die 65-jährige Wohnungsinhaberin wurde leblos in der Wohnung aufgefunden. Doch eingeleitete Reanimationsmaßnahmen verliefen ohne Erfolg. Der Sachschaden in der Küche ist relativ gering – weitere Wohnungen des Mehrfamilienhauses sind nicht betroffen.
Hatte der Fellbacher Brand die gleiche Ursache? Der Wohnungsbrand in der Christofstraße am Sonntagnachmittag ist laut Feuerwehrsprecher Alexander Ernst nicht in der Küche entstanden, sondern hatte eine andere Ursache. Die genaue Entstehung müssten Experten jetzt erst noch herausfinden. Allerdings ging die Entwicklung auch hier ziemlich schnell – und hätte laut den Männern, die vor Ort waren, auch schnell deutlich schlimmer werden können, wenn die Feuerwehr nicht früh eingeschritten wäre.
Wie oft entsteht ein Brand, weil jemand Essen auf dem Herd vergisst? Nicht nur die Polizei und die Feuerwehren führen Buch über Brände – auch das Kieler Institut für Schadenverhütung und Schadenerforschung hat eine deutschlandweite Statistik über Brandursachen. Dieser Liste zufolge entstehen vier von zehn Wohnungsbränden in der Küche, und gut die Hälfte davon auf dem Herd. Beispielsweise, indem Gegenstände auf die Herdplatten gelegt werden, die dort nicht hingehören – und sei es nur die Schachtel mit der Tiefkühlpizza, die man gleich in den Backofen stecken will. Oder der Kunststoffschaber, mit dem man die letzten Kässpätzle aus der Pfanne kratzt. Rund 21 Prozent der Brände, die im vergangenen Jahr in Deutschland erfasst wurden, sind laut dem Institut auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen.
Passiert das eigentlich nur älteren Menschen? Die Frau, die am Sonntagnachmittag in Backnang starb, war 65 Jahre alt. Der Mann, dessen Wohnung die Feuerwehr in Winnenden am Samstag öffnen musste, weil er eingeschlafen war, ist indes erst 49. „Essen zu vergessen, das kann auch jungen Menschen passieren“, sagt Alexander Ernst, der seit mehr als 30 Jahren bei der Feuerwehr Fellbach tätig ist. Vor zwei Jahren wurde die Fellbacher Wehr zu einem Brand geraten, bei dem eine junge Frau mit Öl braten wollte und die Küche nur kurz verlassen hatte – doch das genügte, um ein Feuer entstehen zu lassen, das die Bewohner nicht mehr alleine in den Griff bekamen.
Wie schnell entwickelt sich ein solches Feuer eigentlich? „Jedes Feuer braucht seine Zeit“, lautet ein Sprichwort der Feuerwehr. Wer die Küche verlässt und das Essen vergisst, gibt dem Feuer aber diese Zeit, sich allmählich auszubreiten. „Der Rauchmelder sorgt dafür, dass das Feuer genau diese Zeit nicht bekommt“, sagt Ernst. Er soll rechtzeitig auf die Gefahr aufmerksam machen.
Wo installiert man am besten Rauchmelder in der Wohnung? Normale Rauchmelder sind nicht dafür gedacht, in der Küche installiert zu werden – es sei denn, es handelt sich um spezielle für die Küche geeignete Geräte, die erst dann einen Alarm auslösen, wenn sie neben einer erhöhten Anzahl von Partikeln in der Luft auch gleichzeitig einen starken Temperaturanstieg verzeichnen. Alexander Ernst hat bei sich zuhause einen solchen kombinierten Melder in der Küche installiert.
Ansonsten gilt die Regel: Rauchmelder sollte man überall dort installieren, wo man schläft. Wenn man regelmäßig bei der Sportschau auf der Couch im Wohnzimmer einnickt, dann sollte auch dort ein Rauchmelder hängen. Möglicherweise hat der 49-Jährige Mann, bei dem am Samstag die Winnender Feuerwehr anrücken müsste, nur einen Rauchmelder im Schlafzimmer und im Flur gehabt – und ihn deshalb, anders als sein Nachbar, auch nicht gehört.
Was kann man grundsätzlich tun, um einem Brand vorzubeugen? „Jeder Herd stellt prinzipiell eine Gefahr dar“, sagt Alexander Ernst. Wer etwas erhitzt, und sei es nur in der Mikrowelle oder im Brotbackautomaten, sollte deshalb an Ort und Stelle bleiben, um notfalls schnell eingreifen zu können. Aufmerksamkeit sei noch immer die beste Vorbeugung.