Schutzprojekt in Gärtringen Warten auf die Rückkehr der Kiebitze

Die letzten Vorbereitungen in den Krebsbachauen laufen. Der Kiebitz bevorzugt zum Brüten eine offene Landschaft. Foto: factum/Bach
Die letzten Vorbereitungen in den Krebsbachauen laufen. Der Kiebitz bevorzugt zum Brüten eine offene Landschaft. Foto: factum/Bach

Die vom Aussterben bedrohten Vögel fühlen sich wieder wohl in den Krebsbachauen bei Gärtringen-Rohrau. Im vergangenen Jahr brüteten dort neun Kiebitz-Paare – die Kolonie zählt zu den größten im Land.

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Gärtringen - Mitte, Ende Februar werden sie in den Krebsbachauen bei Gärtringen-Rohrau zurückerwartet: Kiebitze. Bis dahin muss der Nistplatz vorbereitet sein: weitere Blänken – Furchen, in denen sich Wasser staut – schaffen, weitgehend nackter Boden, den Kiebitze zum Brüten bevorzugen, eine möglichst offene Landschaft ohne Büsche und Bäume, von denen Greifvögel aus ihre Angriffe auf die Bodenbrüter starten könnten. Das sind ein paar der Voraussetzungen für die Wiederansiedlung der vom Aussterben bedrohten Vogelart. In Gärtringen scheinen die Akteure, die sich zum Schutz der Kiebitze zusammengeschlossen haben, alles richtig gemacht zu haben. Die Zahl der Brutpaare ist von dreien im Jahr 2011 auf neun im vergangenen Jahr gestiegen. Die Kolonie zählt zu den größten in Baden-Württemberg.

Die Chancen stehen gut, dass die Kiebitze wiederkommen. Denn sie sind ihrem Brutgelände treu. Das gilt für Eltern- und Jungtiere gleichermaßen – vorausgesetzt die Bedingungen stimmen. „Kiebitze brüten gern in Gesellschaft“, erzählt Carmen Rothermel vom Nabu Gärtringen-Nufringen-Rohrau. Die Naturschutzorganisation ist neben der Kommune Gärtringen und dem Landkreis an dem Kiebitz-Wiederansiedlungsprojekt beteiligt. Die Geselligkeit hat ihren guten Grund: Denn nur gemeinsam sind die Vögel stark gegen natürliche Feinde aus der Luft wie etwa Greifvögel. Nähert sich einer ihrem Brutgebiet, „steigen Kiebitz-Männchen auf und greifen den Feind in der Luft an“, erklärt Carmen Rothermel. Vor Feinden am Boden, wie Füchse und Marder, schützt die selten gewordenen Bodenbrüter ein Elektrozaun.

Einst Kiebitz-reiche Gegend

Ein gehöriger Aufwand für eine Vogelart, die früher einmal häufig in den Krebsbachauen vorkam. „Der Kreis Böblingen galt einmal als Kiebitz-reichste Gegend im mittleren Württemberg“, sagt der Biologe Roland Steiner, der das Gärtringer Kiebitz-Projekt zusammen mit Oliver Maier von Anfang begleitet. Aber viele Faktoren setz(t)en den Vögeln mit dem schwarz-weißen Federkleid und dem auffälligen Federbusch am Hinterkopf zu: Flächenverbrauch durch Industrieansiedlungen und wachsende Ortschaften, Entwässerung durch die Landwirtschaft und freilaufende Hunde, die den Bodenbrüter stören. Er verschwand fast komplett aus dem Kreis.

Kein Mensch dachte an sie, als im Jahr 1994 mit der Renaturierung des Krebsbaches und dem einstigen Feuchtgebiet drumherum bei Rohrau begonnen wurde. Ein Antrag bei der Stiftung Naturschutzfonds bescherte den Beteiligten einen Zuschuss von umgerechnet fast 410 000 Euro, Geld, mit dem die Kommune Grundstücke in dem Gebiet kaufen und sie naturnah umgestalten konnte. Das Projektgebiet umfasse mittlerweile rund 14 Hektar, sagt Siegfried Zenger vom Landratsamt.

Zuletzt waren es neun Brutpaare

Die Vorarbeit mit der Renaturierung eines Teils der Krebsbachauen war geleistet, als Oliver Maier vom Nabu Gärtringen-Nufringen-Rohrau auf die Idee mit der Wiederansiedlung von Kiebitzen kam. Ein Versuch im Maurener Tal war fehlgeschlagen, im Jahr 2011 brüteten die ersten drei Paare in den Krebsbachauen. Im vergangenen Jahr seien es neun Paare gewesen mit 12 bis 15 Jungtieren, sagt der Biologe Steiner. Vom Bruterfolg her sei das Gärtringer Kiebitz-Projekt erfolgreicher als die beiden anderen im Land in Donaueschingen und in Tübingen. „Wenn nur ein Baustein nicht bedacht worden wäre, hätte das nicht funktioniert“, sagt Steiner. Dazu zählt auch, dass Bäume gefällt wurden. Das stieß in der Bevölkerung nicht nur auf Begeisterung. „Man muss Prioritäten setzen, wenn man eine Art schützen will“, betont Steiner.

Das Vertrauen der Landwirte habe sich die Gemeinde für das Projekt erst erarbeiten müssen, meint der Gärtringer Bürgermeister Thomas Riesch. Das glückte auch deshalb, weil die Kommune für das Kiebitz-Projekt „viele Ökopunkte“ bekomme, erklärt Riesch. Wenn in Gärtringen ein Neubaugebiet ausgewiesen wird und die Kommune dafür zu ökologischen Ausgleichsmaßnahmen gezwungen ist, könne sie auf das Punktekonto zurückgreifen und die Landwirtschaft entlasten. Für Riesch sind die Krebsbachauen ein „Vorzeigeprojekt“. Der Rathauschef denkt über eine Beobachtungshütte in der Nähe der Brutkolonie nach, um den Gärtringern und Besuchern das Projekt näherzubringen.




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