Schwabenglück in Sindelfingen Schwoißfuaß rockt: Totgeglaubte leben länger
Der Schwoißfuaß-Köberlein und seine Rottweiler beißen noch ordentlich zu. Im Pavillon der Sindelfinger IG Kultur schwelgt das Publikum im Schwabenrockglück der 1980er.
Der Schwoißfuaß-Köberlein und seine Rottweiler beißen noch ordentlich zu. Im Pavillon der Sindelfinger IG Kultur schwelgt das Publikum im Schwabenrockglück der 1980er.
Mit „Franz Mayer Experience feat. Alex Köberlein und seine Rottweiler“, wird die Band im Programmheft der IG Kultur angekündigt. Richtig gelesen, Alex Köberlein, der ehemalige Frontman der schwäbischen Kultband Schwoißfuaß, ist wieder da. Und wie.
Das sind am Samstagabend auch alle, die sich gerne an die Zeit erinnern, in der der Rock seinen schwäbischen Anstrich bekam. Ausverkauft – hieß es schon lange im Vorfeld dieses Konzertes. Der Pavillon wurde lediglich teilbestuhlt und viele Fans mussten stehen. „So ist das auch bei Konzerten mit 10 000 Leuten, wo die Eintrittskarte 200 Euro kostet“, tröstet Veranstalter Albrecht Barth bei seiner Anmoderation. Die Besucher, wenn auch vorwiegend der 50 plus-Generation zuzuordnen, nehmen das gerne in Kauf; still sitzen ist ohnehin nicht drin, bei dem, was kommen sollte.
Köberlein (Gesang, Saxofon, Querflöte) ist inzwischen 74 Jahre alt und von allerlei gesundheitlichen Malaisen geplagt. Bereits vor einigen Jahren wollte er sich eigentlich zur Ruhe setzen, aber ein Vollblutmusiker, wie er einer ist, kann es halt nicht lassen. Mit seinen Rottweilern Ralf Trouillet (E-Bass), Joo Aiple (Schlagzeug), Matze Reimann (E-Gitarre) und Steff Hengstler (Keyboards) startete er 2021 in der Lockdown-Zeit ein neues Projekt, indem er Welthits in seiner ursprünglichen Fassung präsentiert. Und die sind oft schwäbischen Ursprungs und vorwiegend aus seiner Feder, wie er dreist behauptet. In Wahrheit sei die englischsprachige Poplyrik nur eine Übersetzung des schwäbischen Originals, ist auf dem CD-Cover zu lesen.
Diese wurde 2023 live aufgenommen bei der SWR 1 Hitparaden-Abschlussparty in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Das Etablissement im Pavillon ist zwar etwas kleiner, aber gerade das schafft Publikumsnähe! Köberlein ist zudem ein fantastischer Entertainer und hat die Besucher im Handumdrehen. „Zum ersten Mal seit Langem bin ich wieder ohne Krücken auf der Bühne – Bandscheiben OP und Nervenkacke“, lässt er wissen, bevor er von der Entstehung seiner ersten Band erzählt, die in den Sechzigerjahren, primitivst ausgestattet, das erste Stück einprobte.
Ein zufällig am Proberaum vorbeigelaufener GI hätte das heimlich mit einem Kassettenrekorder aufgezeichnet und mit in die USA genommen, wo die Temptations sein Lied, miserabel übersetzt, zu einem Welthit machten. „Papa was A Rolling Stone“ wird zum Auftakt in der Original-Version „Dein Vaddr war n harda Hond“ präsentiert. Das Publikum jauchzt und die Stehenden beginnen zu tanzen, soweit es die Enge zulässt.
In Folge gibt es immer wieder haarsträubende Geschichten zur Entstehung der Songs. „Rebell Yell“ (Billy Idol), im Original „Rebellio em Stadion“, „Hey Little Girl (Icehouse), im Original „Hey LIDL Girl“ oder „Down Under“ (Men At Work), im Original „Land do onda“. Zweieinhalb Stunden rockt die Franz Mayer Experience den Saal und lädt am Ende noch vier Zugaben drauf, darunter der Schwoißfuaß-Hit „Oinr isch emmr dr Arsch“ bei dem die Besucher Kopf stehen und die Band eins zu eins den Sound von damals draufhat.
„Wenn die Leute am Ende lachen, hat die Band einen guten Job gemacht – ein ganz toller Abend mit einem superguten Gitarristen und einem Köberlein, der immer noch mit Klasse, Hingabe und Inbrunst spielt und singt!“ meint Besucher Robert Hayder aus Filderstadt. Der 61-Jährige lobt zudem noch Licht und Soundtechnik, sowie das schöne Ambiente des Veranstaltungsortes. Da passte alles!