Schwabenlandtower Fellbach Adler-Group nennt einen Bezugstermin

Am Schwabenlandtower ist noch immer nichts von Weiterbau zu sehen. Foto: Gottfried Stoppel

Deutschlands zurzeit wohl größte Bauruine harrt weiter ihrer Vollendung. Der mutmaßlich in finanzielle Schieflage geratene Investor betont, sich nicht von dem Wohnhochhaus-Projekt verabschieden zu wollen – und nennt einen Bezugstermin.

Rems-Murr : Frank Rodenhausen (fro)

Fellbach - Einmal mehr hat sich das Laub vor dem Fellbacher Schwabenlandtower gefärbt, ohne dass sich am Hintergrund etwas Nennenswertes verändert hat. Seit fünf Jahren ruhen die Arbeiten an dem Rohbau – 107 Meter hoch ist die Bauruine am Ortseingang, die eigentlich längst ein Wohnhaus sein sollte. Auch die jüngste Übernahme – nach mehreren Unternehmensfusionen ist der Tower nun Teil der Adler-Group – hat keine Handwerkerströme auf die verwaiste Baustelle gelotst. Von dem für Frühherbst angekündigten Riesenkran ist am Schwabenlandtower nichts zu sehen.

 

Der riesige Baukran hätte seit Spätsommer stehen sollen

Das auch symbolisch für den Glauben an die Vollendung der unendlichen Geschichte wichtige Utensil hätte im Spätsommer aufgestellt werden sollen. Das hatte Jürgen Kutz, Chief Development Officer der Adler-Gruppe, im Juni versprochen. Der Manager des Investors hatte im Rahmen einer spektakulären Feuerwehrübung eigens zu einer Pressekonferenz am und auf dem Tower geladen, um seine weiteren Pläne kundzutun.

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Seitdem sind nicht nur die bisher einzigen Bewohner des Betongerippes, der Nachwuchs eines auf der Dachterrasse nistenden Wanderfalkenpärchens, flügge geworden. Es verdichten sich auch die Gerüchte um eine finanzielle Schieflage des börsennotierten luxemburgischen Immobilienentwicklers. Der Aktienkurs der Unternehmensgruppe ist in den Keller gerutscht, Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia hat sich eine Option auf größere Anteile gesichert. Im Raum stehen Verkäufe von Immobilien, um die Schuldenlast zu senken.

Wird der Schwabenlandtower verkauft?

Wird davon auch der Fellbacher Schwabenlandtower betroffen sein? Auf Nachfrage dementiert das eine Unternehmenssprecherin. „Der Tower wird im Bestand behalten und die Wohnungen nach Fertigstellung vermietet“, heißt es in einer Stellungnahme. Und, auch wenn es äußerlich einen anderen Anschein hat: „Die Arbeiten am SLT 107 schreiten voran.“ Der Fokus in den vergangenen Wochen habe „vermehrt auf Planungs- und Instandhaltungsarbeiten“ gelegen. Ein Musterzimmer im Hotel am Fuße des Wohnturms werde „in Kürze fertiggestellt“.

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Als Nächstes sollen im Inneren weitere Wand- und Deckendurchbrüche gemacht, andere wieder geschlossen werden, um den neuen Vorstellungen bezüglich der Wohnungszuschnitte gerecht werden zu können. Statt der einst vorgesehenen Luxus-Appartements sind mittlerweile knapp 200 Wohneinheiten geplant. Eine entsprechende Baufreigabe sei kürzlich erteilt worden.

OB Zull wartet auf Antwort aus der Adler-Zentrale

Die Stadt Fellbach bestätigt einzelne Teil-Baufreigaben, ohne dabei näher ins Detail gehen zu wollen. Zum konkreten Sachstand des Bauvorhabens könne man keine Auskunft geben, da die Kommune nicht Eigentümerin der Immobilie sei, sagt die Stadtsprecherin Sabine Laartz. Allerdings lässt sie durchblicken, dass die Verwaltung den Kontakt zur Adler-Group in diesem Jahr deutlich intensiviert habe. Man pflege einen regelmäßigen Austausch, auf Fachebene gebe es ein vierzehntägliches Briefing über den Sachstand. Im Hinblick auf Medienmeldungen zur unternehmerischen Lage der Adler-Gruppe – den Schuldenstand und den möglichen Einstieg von Vonovia – stünden Antworten allerdings noch aus. Die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull habe sich diesbezüglich bereits an die Unternehmenszentrale in Berlin gewandt – bisher allerdings ohne Resonanz.

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Immerhin lässt sich das „Communications Management“ der Adler-Gruppe in Sachen Schwabenlandtower auf Nachfrage zu einer Prognose hinreißen. Die geplante Fertigstellung? „Die Vermietung der Wohnungen startet in Q1/2023“, heißt es dazu in einer schriftlichen Antwort. Das Hotel werde etwas später, im dritten Quartal desselben Jahres, an den Pächter übergeben.

Der Kran soll jetzt Ende November kommen

Zuerst aber soll nun endlich der rund 120 Meter hohe Baukran aufgestellt werden. Ende November ist jetzt das neu avisierte Ziel. Der Kran sei bereits abgerufen und die Vorbereitungen hierzu liefen, versichert die Adler-Sprecherin. Ob das Herbstlaub den Tower dann noch umrahmt, bleibt abzuwarten.

Die neuere Tower-Geschichte

Firmengeflecht
 2018 hatte die nach ihrem Chef Christoph Gröner benannte CG-Gruppe den von dem Esslinger Bauunternehmer Michael Warbanoff 2014 begonnenen und insolvent gegangenen Gewa-Tower übernommen und in Schwabenlandtower beziehungsweise SLT 107 umgetauft. Gröners Firma ging kurze Zeit später in der Consus Real Estate auf, die wiederum nach einer Fusion mit ADO-Properties und Adler Real Estate nun die Adler-Group bildet.

Konzept
 Die Pläne der aktuellen Hausherren sehen statt der ursprünglich konzipierten 66 Luxus-Eigentumswohnungen nun kleinere Einheiten vor. 194 Mietwohnungen mit Flächen zwischen 40 und 85 Quadratmetern soll das 107 Meter hohe Gebäude nach seiner Fertigstellung umfassen. Das Hotel am Sockel soll an die Mariott-Tochter Moxy verpachtet werden und rund 160 Zimmer umfassen.

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