Schwache Schüler-Leistungen Enttäuschung mit Ansage

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Bei den Vergleichstests haben Baden-Württembergs Schüler wieder schlechter abgeschnitten. Kultusministerin Eisenmann kündigt an, sie wolle die Qualität an Schulen verbessern. Ein richtiger Schritt, kommentiert Politikredakteurin Renate Allgöwer.

Die Leistungen der Schüler im Land sind erneut schwächer geworden, das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Vergleichstests. Foto: dpa
Die Leistungen der Schüler im Land sind erneut schwächer geworden, das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Vergleichstests. Foto: dpa

Stuttgart - Es ist eine Enttäuschung mit Ansage. Alle drei Jahre schreiben alle Schulen im Land Vergleichsarbeiten in der Grundschule und in der achten Klasse. Bei den diesjährigen Tests sind die Schüler in Baden-Württemberg wieder ein bisschen schlechter geworden. Besonders alarmierend sind die Befunde, weil an den Grundschulen die Gruppe der ganz Schwachen stetig wächst. Das ist umso besorgniserregender, als in der Grundschule die Grundlagen für die weitere Bildungslaufbahn gelegt werden. Wenn jeder dritte Drittklässler nicht einmal die Mindeststandards in der Rechtschreibung erfüllt, wenn jeder fünfte beim Lesen nicht auf das niedrigste Anforderungsniveau kommt und auch in der Mathematik die Leistungen nachlassen, muss die Politik handeln.

Es gibt verschiedene Ursachen für den Leistungsabfall. Eine davon wird schon lange beklagt – das ist der fachfremde Unterricht. Gerade an Grundschulen müssen die Lehrer häufig Fächer unterrichten, die sie nicht studiert haben. Das liegt auch daran, dass viele Grundschulen im Land sehr klein sind und über entsprechend wenig Personal verfügen. Auch hatten baden-württembergische Grundschüler bisher vergleichsweise wenig Unterricht.

Hier ist bereits die grün-rote Landesregierung aktiv geworden. Seit diesem Schuljahr gibt es je eine Stunde mehr für Deutsch und Mathematik, je eine weitere Stunde soll ab Herbst schrittweise hinzukommen.

Fremdsprache in ersten Grundschul-Klassen entfällt

Susanne Eisenmann (CDU), die Kultusministerin in der aktuellen grün-schwarzen Koalition, will die Qualität an den Schulen nun weiter verbessern. An den Grundschulen soll die Fremdsprache in den ersten beiden Klassen entfallen. Die frei werdenden Lehrerstellen sollen zur Förderung im Lesen, Schreiben und Rechnen eingesetzt werden. Damit ist sie auf dem richtigen Weg. Auch die Realschulen werden mit zusätzlichen Stunden gestärkt, um besser auf die höchst unterschiedliche Schülerschaft eingehen zu können.

Über die Einzelmaßnahmen hinaus geht Eisenmann aber auch ins Grundsätzliche. Sie setzt in Zukunft stark auf Sicherung und Kontrolle der Qualität sowie auf die Bündelung von Maßnahmen. Ergebnisse von Leistungsvergleichen etwa sollen besser analysiert und evaluiert werden und so zu konkreten Verbesserungen führen. Das ist überfällig. Wenn sie keine Konsequenzen haben, sind alle Vergleichsarbeiten und Pisa-Tests nutzlos.

Institute müssen mehr Wirkungskraft entfalten

Dasselbe gilt für die Lehrerfortbildung. Sie ist ein zentraler Baustein des Qualitätskonzepts von Susanne Eisenmann. Statt des bisherigen unübersichtlichen und offenkundig teilweise ineffektiven Angebots will die Kultusministerin zentrale Vorgaben und einheitliche Konzepte, die den Unterricht in den Schulen tatsächlich weiterbringen. Diese Ziele will sie mit zwei neuen Instituten erreichen, die unter der Fachaufsicht des Kultusministeriums stehen. Qualitätsentwicklung und Evaluation im Bildungswesen gibt es allerdings schon seit zwölf Jahren in Baden-Württemberg. Sie sind die Aufgabe des unabhängigen Landesinstituts für Schulentwicklung. Dessen Ergebnisse stießen in der Politik bisher jedoch auf wenig Resonanz. Es bleibt zu hoffen, dass die neuen Institute mehr Wirkungskraft entfalten.

Das Konzept der Vernetzung und der klaren Vorgaben klingt vielversprechend. Aber es braucht Zeit. Bis der große Wurf kommt, sind auch kurzfristige Nachsteuerungen etwa bei der Lehrerfortbildung notwendig. Es bleibt die erste Aufgabe der Kultusministerin, die Unterrichtsversorgung zu sichern. Noch steht im Raum, dass im nächsten Haushalt Lehrerstellen gestrichen werden. Das muss verhindert werden. Die Zeichen dafür stehen dem Vernehmen nach gut. Schwieriger könnte es werden, diese Stellen zu besetzen. Wenn Bewerber knapp werden, wird die Unterstützung der vorhandenen Lehrer noch dringender.

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