Schwäbisch Gmünd Zehntausende wollen Bud-Spencer-Tunnel

Von  

Seit auf Facebook bekannt wurde, dass der Name des neuen B-29-Tunnels online gewählt werden kann, stimmen Zehntausende für "Bud Spencer".

Der Schauspieler Bud Spencer bei der UNESCO Charity Gala 2009 in Düsseldorf. Viele wollen, dass ein Tunnel nach ihm benannt wird. Foto: dpa 2 Bilder
Der Schauspieler Bud Spencer bei der UNESCO Charity Gala 2009 in Düsseldorf. Viele wollen, dass ein Tunnel nach ihm benannt wird. Foto: dpa

Schwäbisch Gmünd – „Achtung Autofahrer, es liegen Reifenteile im Bud-Spencer-Tunnel.“ Könnte eine solche Verkehrsmeldung Realität werden? Darüber wird derzeit heftig diskutiert. Mehr als 22.000 Facebook-Nutzer (Stand Mittwochnachmittag - und es werden minütlich mehr) stimmen im Internet dafür, dass der neu gebaute Tunnel in Schwäbisch Gmünd nach dem Italowesternheld Bud Spencer benannt wird. Die Verwaltung der 60.000 Einwohner zählenden Stadt im Ostalbkreis freut sich über das große Interesse an ihrem Tunnelbau – hält den Vorschlag jedoch für wenig tragbar.

Der Hintergrund: Anfang Juni verkündete Regierungspräsident Johannes Schmalzl gemeinsam mit Oberbürgermeister Richard Arnold, dass die Suche nach einem passenden Namen für den Tunnel, der von Ende 2012 an die B 29 an der Stadt vorbeileiten wird, unter Beteiligung der Gmünder Bürger geschehen soll. „Mit der Namensgebung wollen wir die besondere Verbundenheit zu diesem Bauvorhaben dokumentieren. Und wer könnte ein besserer Namensgeber sein als die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schwäbisch Gmünd“, vermeldete Schmalzl in einer Pressemitteilung.

Seit 13. Juli kann im Internet abgestimmt werden

Tatsächlich spielt der Tunnel in der Stadt eine wichtige Rolle. Die Einwohner haben lange dafür gekämpft, dass der Verkehr an ihrer Innenstadt vorbeigeführt wird. Fast 30 Jahre lang war an dem Bauvorhaben geplant worden. Vor zwei Jahren rückten schließlich die Bagger an. Mit Baukosten von rund 230 Millionen Euro, für die der Bund aufkommt, handelt es sich um die teuerste Ortsumgehung Deutschlands. Verkehrsplaner rechnen damit, dass 20.000 Fahrzeuge den Tunnel künftig täglich befahren werden.

Bis 1. Juli konnten alle Bürger sämtliche Namensvorschläge bei der Stadt einreichen. Bereinigt von „pornographischen und offenkundig absurden“ Tunnelnamen, wie es auf der Internetseite der Stadt heißt, wurde die Liste am 13. Juli im örtlichen Gemeinderat veröffentlicht. Seither kann auf der städtischen Webseite abgestimmt werden. Zur Wahl stehen rund 80 Vorschläge. Namen wie Salvator-, Staufer- und Einhorntunnel haben einen offenkundigen regionalen Bezug. Aber auch für Vorschläge wie „Gmünder Schlupfloch“, „Turbo Tunnel XXL“ oder „Gmünder Zubringerle“ kann noch bis 25. Juli gestimmt werden.

Der Name aber, der inzwischen bundesweit Aufsehen erregt hat, lautet „Bud-Spencer-Tunnel“. Seit Montag existiert auf der Internetplattform Facebook die Seite „Bud-Spencer-Tunnel Schwäbisch Gmünd wählen!“. Seither wächst die Zahl derjenigen, die den ungewöhnlichen Namen unterstützen, explosionsartig an. Waren es am Mittwochmorgen um 10 Uhr noch 17.000, so hatten sich am Mittwochabend um 18 Uhr bereits mehr als 22.000 pro „Bud-Spencer-Tunnel" ausgesprochen. Aber auch Gegner melden sich auf der Seite zu Wort: am Mittwochabend waren es knapp 12.000 Leute, die dem Aufruf eine Absage erteilten.

„Facebook ist kein Mittel der Basisdemokratie“

Der Pressesprecher der Stadt, Markus Herrmann, bezeichnet die öffentliche Diskussion über den Tunnelnamen als „reizvoll“. „Die Alternative wäre gewesen, dass wir niemanden dazu befragt und den Namen einfach beschlossen hätten“, sagt er auf Nachfrage. Dennoch müsse von den Verfechtern des „Bud-Spencer-Tunnels“ eingesehen werden, dass es bei der Namensvergabe von Tunneln die Tradition gebe, sich an räumlichen oder örtlichen Gegebenheiten zu orientieren. Dies erleichtere Autofahrern, den Tunnel im Verkehrsfunk räumlich besser einordnen zu können.

Zudem sei von vornherein klar gewesen, dass es bei der Abstimmung lediglich darum ging, ein Meinungsbild einzuholen. „Das Ergebnis hat aber keine politisch verbindliche Legitimation“, sagt Herrmann. „Facebook ist kein Mittel der Basisdemokratie.“ Einträge entwickelten auf der Internetplattform schnell eine Eigendynamik – man denke nur an Facebook-Partys. Das Ziel, die Schwäbisch Gmünder Bürger an der Namensgebung teilhaben zu lassen, werde dabei nicht erreicht – schließlich stimmen auf der Facebook-Seite bundesweit Menschen für den Tunnelnamen, die den Schauspieler toll finden, die Stadt aber überhaupt nicht kennen.

Entschieden wird auf Bundesebene

Das bestätigen manche Einträge. „Ich wusste bis eben noch nicht mal, wo Schwäbisch Gmünd ist – aber dafür musste ich abstimmen“, schreibt etwa ein Mann. Andere beschweren sich, die Politiker dürften nicht einfach Zehntausende von Stimmen aus dem Internet ignorieren. Schließlich sei Bud Spencer sogar schon einmal in Schwäbisch Gmünd zu Besuch gewesen – in den 50er Jahren als Teilnehmer eines Schwimmwettkampfs. Ein weiterer Nutzer hat bereits zu einer Demonstration vor dem Rathaus aufgerufen.

Entschieden wird letztendlich aber gar nicht in Schwäbisch Gmünd, sondern auf Bundesebene – dort kommt schließlich das Geld her. „Der Gemeinderat stellt dem Regierungspräsidium das Bürgervotum vor, und das Bundesverkehrsministerium entscheidet dann zusammen mit dem Landesverkehrsminister über den Namen“, erklärt ein Sprecher des Regierungspräsidiums. Vielleicht wird dann ja ein ganz anderer Vorschlag beherzigt, der auch auf der Liste steht: „Tunnel der Vernunft“.