Bei den folgenden sechs Premium- oder Qualitätswanderungen auf der Schwäbischen Alb darf man gleich doppelt ein gutes Gewissen haben: Erstens tut man etwas für seine Gesundheit, und zweitens kann man sie ganz leicht mit dem Zug erreichen und schont so die Umwelt. Für die zwei Streckenwanderungen ist der Nahverkehr ohnehin die bessere Alternative.
Schwäbisch Gmünd: Waldkugelbahn (4 km)
Schwäbisch Gmünd bildet sich als älteste Stauferstadt und als ehrenwerte Reichstadt ziemlich viel ein – und das völlig zurecht: Es besitzt eine herrliche Altstadt, zwei bedeutende Kirchen der Romanik und Gotik und viele lauschige Plätzchen an der Rems. Wer nicht nur die Stadt erkunden will, dem sei der kurze Waldkugelbahn-Weg empfohlen: Der Spaziergang führt vom Bahnhof hinauf zum St. Salvator, zwei aus dem Felsen gehauenen Kapellen (am Sonntag mit Gastwirtschaft) und weiter durch den Wald zum Himmelsgarten – der war Teil der Landesgartenschau 2014 und bietet noch immer einen Aussichtsturm und lebensgroße Dinosaurier. Zurück spaziert man durch den Taubentalwald entlang der grandiosen Waldkugelbahn, wo man eine Kugel in Holzrinnen den Berg hinabsausen lassen kann. Die notwendige Holzkugel erwirbt man aus einem Kaugummi-Automaten (50-Cent-Münze bereithalten).
Startpunkt für den Waldkugelbahn-Weg: Bahnhof Gmünd. Länge 3,7 Kilometer, 131 Höhenmeter (ohne kurzen Zuweg vom Bahnhof über St. Salvator). Infos unter Kurzlink out.ac/3utukv (Buchstabenfolge bitte genau so in die Browser-Hauptzeile eingeben, nicht in eine Suchmaschine)
Geislingen/Steige: Felsen-Tour (11 km)
Diese Wanderung verläuft fast zur Gänze durch das Naturschutzgebiet Eybtal – also Augen auf, damit Sie die Türkenbundlilie oder das schwertblättrige Waldvögelein nicht verpassen. Neben diesen ganz kleinen Sehenswürdigkeiten gibt es aber auch zwei große: den Himmelsfelsen, der sich senkrecht über Eybach erhebt und 65 Meter hoch ist, sowie das Felsental, wo man eine Steilstufe sogar über eine Stiege überwindet. Unterwegs kommt man am Sängerheim und am Ochsen vorbei. Insgesamt ist die Felsen-Tour eine sehr naturnahe Wanderung, die viel im Wald verläuft und sich deshalb gerade für heiße Tage gut eignet.
Startpunkt für die Geislinger Felsen-Tour: Bahnhof Geislingen, von dort ca. ein Kilometer zum Beginn des Wanderwegs – am besten unter dem Bismarckfelsen einsteigen. Länge: 10,8 km, 424 Höhenmeter (ohne Zuweg). Infos unter Kurzlink out.ac/YyKYK
Blaubeuren: Eiszeitjägerpfad (9 km)
Der Eiszeitjägerpfad führt zurück in eine Epoche vor 40000 Jahren, als sich Neandertaler und Homo sapiens noch die Schwäbische Alb teilten. Bei der Tour besucht man das Geißenklösterle, eine der sechs Höhlen im Ach- und im Lonetal, die wegen ihrer Funde zum Weltkulturerbe erhoben worden sind. Wer will, könnte in einem sechs Kilometer langen Abstecher auch noch den Hohlen Felsen besuchen (auf Öffnungszeiten achten). Daneben kommt man bei dieser Tour an der Brillenhöhle vorbei und an der Küssenden Sau, einer Felsformation, die genau so aussieht wie sie heißt. Die Gaststätte Zum Schillerstein liegt herrlich abgelegen am Waldrand. Und natürlich ist auch Blaubeuren selbst mit Kloster, Urgeschichtlichem Museum und, ach ja, dem Blautopf immer einen Rundgang wert.
Startpunkt für den Eiszeitjägerpfad: Bahnhof Blaubeuren. Länge: 9,3 km, 433 Höhenmeter. Infos unter Kurzlink out.ac/SO9kk
Owen: Albsteig-Etappe (21 km)
Der Albsteig oder Hauptwanderweg 1 des Albvereins ist die Königstour der Schwäbischen Alb – die ganzen 360 Kilometern machen aber die wenigsten. Eine wunderschöne, aber mit 21 Kilometern lange Etappe ist gut an den ÖPNV angebunden und führt von Owen nach Bad Urach. Man erklimmt mehrere wunderbare Aussichtspunkte, wie den Brucker Fels oder den Wilhelmsfels, kommt am keltischen Zangentor bei Erkenbrechtsweiler vorbei, passiert den Hohenneuffen (zwei Kilometer Abstecher hin und zurück, wunderbarer Biergarten) und stößt oberhalb von Bad Urach auf die eindrucksvollen Höllenlöcher, wo der Albtrauf langsam nach außen kippt. Am Marktplatz in Bad Urach gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten – eine Erfrischung hat man sich jetzt wahrlich verdient.
Startpunkt für die Albsteig-Etappe: Bahnhof Owen. Länge: 20,8 km, 451 Höhenmeter. Zurück ab Bahnhof Bad Urach. Infos unter Kurzlink out.ac/R9oX (für den gesamten Albsteig).
Neuffen: Gustav-Ströhmfeld-Weg (22 km)
Gustav Ströhmfeld war im Schwäbischen Albverein eine große Nummer – er hat angeblich mehr als 100 Bücher geschrieben. Diese nicht gerade kurze, aber sehr kurzweilige Wanderung führt von Neuffen über den Hohenneuffen immer am Albtrauf entlang bis zum Vulkangipfel des Jusi und dann durch die Weinberge hinab ins quirlige Metzingen, wo man sich, falls die Kraft noch reicht, in den Shopping-Trubel der Outletcity stürzen kann. Eine schöne Einkehr bietet das Naturfreundehaus Falkenberg oberhalb von Metzingen.
Startpunkt für den Gustav-Ströhmfeld-Weg: Bahnhof Neuffen. Länge: 22,1 km, 584 Höhenmeter. Zurück ab Bahnhof Metzingen. Infos unter www.schwaebischealb.de/touren/gustav-stroehmfeld-weg
Bad Urach: Hochbergsteig (8 km)
Wer den berühmten Wasserfallsteig in Bad Urach (Kurzlink out.ac/kTqZ) noch nicht gemacht hat, der sollte das auf jeden Fall einmal tun, denn er ist wirklich grandios – nach Möglichkeit aber nicht am Wochenende. Ansonsten kann der Hochbergsteig eine ruhige Alternative sein – er besitzt nicht so viele Höhepunkte, verläuft aber wunderbar durch Wald und Wiesen und ist bei weitem nicht so überlaufen. Interessant ist die Wasserberghöhle in einer Felsenschlucht, später hat man vom Kunstmühlefelsen einen herrlichen Blick über das Ermstal, und beim Abstieg liegt am Michelskäppele die sehenswerte Altstadt von Bad Urach zu Füßen. Einkehrmöglichkeiten gibt es am Marktplatz.
Startpunkt für den Hochbergsteig: Bahnhof Bad Urach, von dort etwa 1,5 km Fußweg bis Startpunkt. Länge (ohne Zuweg): 7,7 km, 337 Höhenmeter. Infos unter Kurzlink out.ac/kTpx
Literaturhinweis: Alle Wanderungen sind diesem neu erschienenen Führer entnommen:
Thomas Faltin: Lieblingsplätze für Wanderer auf der Schwäbischen Alb. Alle 97 zertifizierten Premiumwege. Gmeiner-Verlag Meßkirch, 210 Seiten, Preis 18 Euro.