Schwäbische Fasnet im Fernsehen Da steppt dr Kittelschurz!

Von Uwe Bogen 

Ein Hoch auf die Dummen! Der Ohrwurm der schwäbischen Fasnet feiert „lauter Bleede um mi rum“. Heimische Narren, zeigt die SWR-Übertragung aus Donzdorf, lachen über Derbes, weniger über Politik – am liebsten aber über eine Putzfrau.

Putzfrau Elfriede Schäufele fegt in Donzdorf durch den Saal. Foto: Klaus Schnaidt 14 Bilder
Putzfrau Elfriede Schäufele fegt in Donzdorf durch den Saal. Foto: Klaus Schnaidt

Stuttgart - Wie hoch ist der IQ eines Ohrwurms? Aber nein, darauf kommt es bei diesem schlauchförmigen Getier nun wahrlich nicht an, das man kaum mehr loswird, wenn es erst mal in einen rein schlupft.

Bei einem Ohrwurm darf auch mal Dummheit siegen. In Donzdorf, in der württembergischen Narrenhochburg, ruft Sitzungspräsident Michael Gutwein zu fortgeschrittener Stunde der Liveübertragung a luschdiges Liedle zum Ohrwurm aus. Gleich noch mal will er’s hören. Der Refrain geht so: „Guck i rom, guck i nom, lauter Bleede um mi rom.“

„Oh nein, oh nein, dazu sind wir zu dumm“

Auch die Donzdorfer Zwillinge landen Jahr für Jahr genau mit diesem Thema – in Wahrheit also gar nicht dumm – ihren Volltreffer: „Weisch du warom, weisch du warum, oh nein, oh nein, dazu sind wir zu dumm.“ Das Publikum hat einen Riesenspaß und grölt begeistert mit.

Wer sich umschaut im Publikum, in dem angeblich „lauter Bleede“ sitzen, sieht Innenminister Thomas Strobl, FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke oder SWR-Landesenderdirektorin Stefanie Schneider. Hingegen fehlen Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Herausforderin Susanne Eisenmann – sind die gut kostümiert oder womöglich gar nicht blöd?

Ein Tag als Narr – Redakteur Kai Müller läuft im Häs beim Narrentreffen in Bad Cannstatt mit:

Bei der „Fastnacht in Franken“ im Bayernfernsehen indes herrscht Anwesenheitspflicht der politischen Spitze, bei Markus Söder angefangen. Prompt ist die Quote Spitze. Der Marktanteil beträgt dort fast 50 Prozent. Aber auch der SWR hat dank Donzdorf mit 15,2 Prozent ein Traumergebnis erzielt. In Franken überwiegt Satire. „Meist Florett, selten Säbel“ lobte die „Süddeutsche Zeitung“ und sah eine „fröhlich-bissige Revue und kein starres Abhaken ritualisierter Abläufe“.

Faschingsverrückt mit Lachgarantie

Fröhlich ist die schwäbische Fasnet auch – und ist bei aller Derbheit sogar hählinga bissig. Seit 25 Jahren überträgt der SWR mit dem Landesverband Württembergischer Karnevalvereine die Narrenvollversammlung mit den Landesbesten der spaßmachenden Zunft. Die Auftritte sind von unterschiedlicher Qualität. Donzdorf fährt einen Zickzackkurs zwischen supergut und naja. Selten werden politsche Themen gestreift, wenn etwa AKK als „Pumuckl aus dem Saarland“ gerühmt wird. Mitunter muss man aufpassen, nicht aufs Niveau zu treten, so tief fällt es zeitweise. Dann geht es etwa darum, wie „geil es wär’“, wenn die Frau auch noch „schee wär’“. Der Saal tobt. Donzdorf ist faschingsverrückt mit Lachgarantie.

Worüber lachen Menschen mit roten Nasen und lustigen Kostümen? Bei der Livesendung, bei der alle ohne Gage auftreten, kann man’s erleben, ohne sich selbst ins närrische Getümmel stürzen zu müssen. Daheim auf dem Sofa ist das so, wie wenn du im Wasenzelt nur Mineralwasser trinkst. Daheim auf dem Sofa ist man deshalb in seinem Urteil ungerecht. Die Stimmung im Saal ist immer anders. Ein Stuttgarter Karnevalist, der vor Ort war, teilt am nächsten Tag mit: „Etliche Beiträge waren zum Fremdschämen. Man fragt sich, warum kommt das ins Fernsehen? Da hätte Dieter Bohlen seinen Spaß gehabt.“

Alles andere wär’ bleed!

Zu den Profis in der Laienschar zählt Michael Panzer alias Frl. Wommy Wonder. Allein wegen ihm lohnt sich das Einschalten. Er ist seine Gratisgage voll wert! Mit gewickelten Locken und der schwäbischen Hausfrauenuniform entfacht seine Putzfrau die stärksten Beifallsstürme. Elfriede Schäufele erzählt, wie die Polizei sie anhält. Sie sei zu schnell gefahren. „Wie kann ich beim Telefonieren mit dem Handy am Ohr auch noch auf den Tacho schauen?“ fragt das Vollweib zu Recht. Weiterer Höhepunkte sind Dui do on die sell, die Gscheidles und Hillus Herzdropfa. Bei so viel Schwaben-Power, der unter Gürtellinien trifft, braucht man eine resolute Fegerin wie die Schäufele, die feucht durchwischt. Auf diese Weise, denkt sich wohl der SWR, hinterlassen dreckige Witze keinen Schmutz.

Dr Kittelschurz steppt! Toll war’s also! Hätte man die schwachen Punkte der Prunksitzung gestrichen, hätten wir nichts zu klagen. Und ohne Bruddeln wollen echte Schwaben nicht sein. Alles andere wär’ au bleed!

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