Schwäbische Klassiker mal anders Neue Maultaschen-Haltestelle in Nürtingen mit inklusivem Konzept

Maultaschen am Spieß: Viola Stocker serviert den schwäbischen Klassiker mal anders. Foto: Roberto Bulgrin

Schwäbische Klassiker gibt es in der Maultaschen-Haltestelle der Arbeg Care in Nürtingen. Da arbeiten Menschen mit psychischen Einschränkungen.

Reporterin: Elisabeth Maier (eli)

Nudelteig rollen und Maultaschen füllen, das gefällt Anni. „Aber da braucht man Kraft“, sagt die Mitarbeiterin der Werkstätte der Arbeg Care. Die Arbeit in der Küche macht sie glücklich. Ihre blaue Schürze mit Logo findet sie schön. Am Standort in Nürtingen wird der schwäbische Klassiker nun an der Maultaschen-Haltestelle im Einkaufszentrum an der Metzinger Straße angeboten.

 

Um die vielen Gäste bei der Eröffnung zu versorgen, steht Anni am Kochtopf. Sonst arbeitet sie in der Produktion am Standort Wernau. Das Ostergeschäft sei stressig gewesen. Da war der Maultaschen-Laden der Arbeg Care in Nürtingen ausverkauft. Maultaschen mit Spinat, Lachs oder mit Hackfleisch sind im Angebot. Ebenso wie Fleischküchle und Kartoffelsalat.

Wie mag Anni die „Herrgottsbscheisserle“, wie Maultaschen auf schwäbisch heißen, denn selbst am liebsten? „Klassisch“, antwortet die kommunikative Frau ganz spontan. Die Arbeit macht ihr Spaß. Gern nimmt sie sich Zeit für einen Plausch. Trotz des Andrangs bleibt sie gelassen.

„Wir bieten hier Menschen mit psychischen Einschränkungen eine Perspektive“, bringt die Bereichsleiterin der Arbeg Care, Sandra Zieger, ihr Konzept auf den Punkt. „Jede und jeden nach den individuellen Möglichkeiten fördern“, das sieht die Psychologin als Ziel der betreuten Werkstätten. Wichtig findet sie, dass die Männer und Frauen eigene Ideen in die Arbeit einbringen dürfen. „Das klappt gut, besonders beim Catering“, findet Zieger. Denn das Gastro-Team der Arbeg Care bewirtet auch Veranstaltungen.

Maultaschen und Kartoffelsalat produziert das Team in Wernau. Foto: Roberto Bulgrin

Maultaschen-Haltestelle in Nürtingen ist der zweite Standort

Dass die Arbeit in der großen Schauküche der Nürtinger Werkstätte dem Team Freude macht, spürt man. „Wir müssen die Arbeitsprozesse so gut organisieren, dass sich niemand überfordert fühlt“, sagt Zieger. Das klappt in der Nürtinger Maultaschen-Haltestelle prima. Auf einer Anrichte stehen Teller mit Kartoffelsalat. Aus dem großen, dampfenden Topf werden die Maultaschen geschöpft. Maike Stark leitet das Schnellrestaurant.

Die Menschen bei der Arbeit umfassend zu betreuen, ist ein zentraler Baustein des Werkstätten-Konzepts. „Das braucht Zeit und Vertrauen“, findet Zieger. Wenn es mit einem oder einer der 91 Mitarbeitenden aus dem Kreis Esslingen Probleme gibt, nimmt sich die Chefin auch selbst Zeit und kommt vor Ort. In den Werkstätten werden die Männer und Frauen auch aufgefangen, wenn sie mal nicht arbeiten können. So bieten sie Menschen eine Chance, die noch nicht wieder fit sind für den ersten Arbeitsmarkt.

Nach dem Erfolg der Maultaschen-Haltestelle am Standort Wernau nehmen die Werkstätten Esslingen-Kirchheim (WEK), unter deren Dach die Arbeg Care firmiert, nun mit Nürtingen einen weiteren Standort hinzu. „Wir hoffen, dass neben der Kundschaft des Einkaufszentrums auch viele den Weg zu uns finden, die im Gewerbegebiet arbeiten“, sagt Tobias Proksch.

Sandra Zieger, Silke Heinrich-Hess, Viola Stocker und Maike Stark (von links). Foto: Roberto Bulgrin

Inklusion im Alltag von Nürtingen

Der Geschäftsführer der WEK freut sich über das neue Angebot. „Da kommen die Mitarbeitenden mit der Kundschaft in Kontakt.“ Das mache Inklusion im Alltag möglich, sagt Proksch. Denn neben der Teilhabe am Arbeitsmarkt hätten Menschen mit Einschränkungen so die Möglichkeit; „in einem Bereich zu arbeiten, der ihnen Freude macht.“

Zur Eröffnung ist das Schild der Maultaschen-Haltestelle mit Ballons geschmückt. Das zieht Blicke auf sich, macht neugierig. Viele Passanten schauen in den Laden, probieren Maultaschen und Fingerfood oder trinken ein Gläschen alkoholfreien Sekt. Sandra Zieger wünscht sich, „dass die Maultaschen-Haltestelle ein Ort der Begegnung wird.“

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