Schwäbische Mostmeisterschaft Schwäbischer Most als hipper Trend-Drink

Von wi 

Erstmals wird die Schwäbische Mostmeisterschaft ausgetragen. 150 Experten und Nichtexperten probieren 17 verschiedene Fruchtweine aus den Kreisen Böblingen, Esslingen, Tübingen sowie Zollernalb und küren die besten.

17-mal wurde Most ausgeschenkt. Damit die Prüfer den Geschmack unterscheiden können,  gab es für zwischendurch Brot und Käse. Foto: factum/Bach
17-mal wurde Most ausgeschenkt. Damit die Prüfer den Geschmack unterscheiden können, gab es für zwischendurch Brot und Käse. Foto: factum/Bach

Herrenberg - Einst war es das Nationalgetränk der Schwaben, zumindest auf dem Land: Most aus Früchten von Streuobstweisen. Heute bevorzugen junge Leute Bier, Cocktails, Alkopops oder andere wechselnde In-Drinks. Das soll sich nach den Vorstellungen von Alexander Dehm nun ändern. „Most soll für junge Leute wieder attraktiv werden“, sagt der Geschäftsführer des Schwäbischen Streuobstparadieses, selbst 33 Jahre jung. Und so initiierte er mit seinem Verband die erste schwäbische Mostmeisterschaft. Ausgetragen wurde sie am Donnerstag in Herrenberg.

Wer macht den besten Most? In welchem Kreis wächst das beste Obst für die Fruchtweine? Drei Profimoster sowie 14 Hobbymoster aus vier Kreisen stellten sich mit ihren vergorenen Säften dem Urteil einer mehr als 100-köpfigen Jury. Es sind die Sieger aus den Mostwettbewerben der Kreise Böblingen, Esslingen, Tübingen und Zollernalbkreis. Nur Göppingen und Reutlingen, ebenfalls Mitglieder des Streuobstparadieses fehlten, weil sie keine Kreismeisterschaften ausgerichtet hatten.

17 Moste muss die Jury verkosten

In der Jury sitzen neben Prominenten wie dem Böblinger Landrat Roland Bernhard, der Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, dem Herrenberger OB Thomas Sprißler und dem Sommelier Bertram Hack von der Sektkellerei Kessler viele Mostspezialisten, aber auch normale Mosttrinker. „Uns ist wichtig, dass wir nicht nur die üblichen Experten haben, sondern ein möglichst breites Publikum und alle Altersgruppen“, sagte Dehm.

Die Herausforderung an die Jury ist gewaltig: 17 verschiedene Moste müssen sie an einem Abend kosten und bewerten – und das bei schweißtreibenden Temperaturen. Gekostet werden deshalb zumeist nur ein, zwei Schlucke, der Rest aus dem Glas wird in bereit stehende Eimer gekippt.

Das Spannende bei der Bewertung: diese werden tischweise erstellt. Jeweils sechs Personen müssen sich auf ein Urteil einigen. Bewertet werden die Fruchtweine nach vier Kriterien ähnlich den Bewertungen von Weinen: nach Farbe, Geruch, Geschmack und Harmonie. „Ein guter Most hat eine gelbliche Farbe, ist klar und riecht frisch und fruchtig“, erklärte Manfred Nuber, der Obstfachberater des Böblinger Landratsamts die Prüfkriterien. „Wenn Sie beim Most auch Birne rausschmecken, darf er ruhig weniger gelb sein.“ Beim Geschmack entscheide jeder selbst. „Früher musste ein guter Most trocken und räsig sein“, sagte Nuber. Doch dies gelte heute nicht mehr unbedingt. Beim letzten Kriterium Harmonie solle bewertet werden, ob alles zusammenpasst. „Wenn der Most sehr fruchtig riecht, aber nicht so schmeckt, dann gibt das Punktabzug.“

Zwei Youngster wissen, wie Most riechen und schmecken muss

Dann geht es los mit der Verkostung. Jeweils fünf Punkte stehen den Testern pro Kategorie zur Verfügung. Erstaunlich sicher sind zwei sehr junge Männer in ihrem Urteil. „Die Farbe ist gut, aber nicht perfekt. Wir geben vier Punkte“, meint Andreas Lautenbach, sein Freund Felix Nuber pflichtet ihm bei. Auch den Geruch bewerten sie mit vier Punkten, vom Geschmack aber sind sie enttäuscht. „Das sind nur zwei Punkte.“ Die anderen, wesentlich älteren Juroren am Tisch, nicken zustimmend. Woher wissen die beiden 21-Jährigen so gut Bescheid? „Wir haben schon unseren eigenen Most produziert und damit bei einem Wettbewerb den dritten Platz gemacht“, sagte Lautenbach. Für die beiden Young­ster ist Most ein hippes Trendgetränk.

Der Abend wird lang, gegen die Hitze in der Halle hilft nur viel Mosttrinken. Gegen 22 Uhr stehen die Sieger fest: sowohl bei den Profis als auch bei den Hobbymostern hat der Kreis Tübingen die Nase vorn. Doch auch die Böblinger können punkten: mit einem zweiten Platz bei den Hobbymosten und den beiden ersten Plätzen bei Mosten mit anderen Fruchtbeimischungen.

Auch im kommenden Jahr soll es eine Mostmeisterschaft geben. „Vorausgesetzt“, sagte Dehm, „wir haben genug Most. Die Ernte fällt wegen des Frostes schlecht aus.“