Schwäbische Pumpe in Japan Schwäbische Firma war auch in Tschernobyl dabei

Reportage: Robin Szuttor (szu)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

"Unsere M70-5 ist die beste Lösung, die wir anbieten können", sagt Karch. Der Mast des Riesen kann sich ab dem letzten Gelenk 15 Meter waagrecht bis über die Mitte des Reaktorgebäudes schieben. "Direkt darunter lagern offenbar die Brennstäbe", sagt Karch. Eine gezieltere Kühlung der Problemröhren im Abklingbecken ist zurzeit nicht möglich. "Theoretisch können unsere Maschinen auch zähflüssiges Material wie Harz, von dem man jetzt oft liest, in den Reaktor pumpen. Aber wir kennen die Tepco-Pläne nicht."

Klar ist dagegen, dass die Spezialpumpen auch angeschafft wurden, um vielleicht irgendwann das gesamte havarierte Kraftwerk in Beton zu beerdigen. Das kann Putzmeister. Elf schwäbische Pumpen waren es, die vor 25 Jahren den Unglücksreaktor von Tschernobyl in einen Betonsarg einschlossen und über einen 600 Meter langen Tunnel eine Betonplatte unter das Atomkraftwerk gossen. Die sollte das Absinken von verseuchtem Material bis ins Grundwasser stoppen.

Vom Studenten-Betrieb zum Katastrophenhelfer

Putzmeister, der Katastrophenhelfer. Doch was macht die Firma, wenn ihre Apparate gerade keine zerstörten Reaktoren zukleistern oder Brennstäbe kühlen müssen? Was ist das für ein Betrieb, der mit 1000 Beschäftigten und neun Fertigungshallen das Industriegebiet Aichholz dominiert? Angefangen hat alles mit Karl Schlecht, Spross eines Filderstädter Gipsermeisters, dem 1932 der Mörtel quasi schon in die Wiege gelegt wird. Noch als Student gründet er seine Firma, entwickelt 1965 mit dem "Gipsomat" die erste automatische Gips-Verputzmaschine der Welt. Der Höhenflug beginnt - bis zum Weltrekord 2008 am Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Bauwerk der Welt. Putzmeister fördert für den Wolkenkratzer Beton bis in 606 Meter Höhe - "in einem Rutsch", wie Gerald Karch sagt. Die restlichen 200 Meter bis zur Spitze wurden als Stahlkonstruktion verbaut.

Heute ist Putzmeister Weltmarktführer mit 2800 Mitarbeitern, einer halben Milliarde Euro Jahresumsatz, Töchtern auf allen Kontinenten. Die vergangenen zwei Jahre waren Krisenjahre, erstmals mussten Mitarbeiter gehen. Nun scheint das Unternehmen wieder auf festerem Fundament zu stehen. Karl Schlecht hat sich längst aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, schaut aber noch fast jeden Morgen vorbei.

Bei den großen Projekten mit von der Partie

Wo im großen Stil gebaut wird, sind seine Leute dabei: bei der Öresundbrücke, beim Tunnel unter dem Ärmelkanal, bei der Verbreiterung des Panamakanals. Die Brücke über den Colorado River am Hoover Staudamm, mit 323 Meter Spannweite eine der längsten Betonbogenbrücken der Welt, ist auch ein Putzmeisterprojekt. 165 Meter unter New York betonierte Putzmeister die Tunnelschalungen für ein 100 Kilometer langes Trinkwasserstollensystem, eines der größten und teuersten Bauprojekte in der Geschichte New Yorks.

In Birma bauten die Profis und weitere 5000 Arbeiter das gigantische Wasserkraftwerk von Yeywa, allein der 197 Meter hohe Staudamm besteht aus 2,8 Millionen Kubikmeter Beton. Die Sutong-Brücke über den Jangtsekiang, mit 8200 Meter die längste Schrägseilbrücke der Welt, wurde mit Putzmeistermaschinen errichtet. Für den Nagoya-Airport in Japan förderten schwäbische Mammutpumpen neun Millionen Kubikmeter Meeresschlamm an den Tag und schütteten damit 470 Hektar neues Land auf. Der Bau der Eisenbahnverbindung Golmud-Lhasas von China nach Tibet war auch eine Putzmeister-Leistung. Für den mehr als 1000 Kilometer langen Gleisbau auf dem Dach der Welt mussten 286 Brücken und Tunnel gebaut werden. Nebenbei kämpften Mensch und Maschine mit extremer Kälte, Permafrostböden, Orkanen, Sandstürmen, Erdbeben




Unsere Empfehlung für Sie