Schwäbische Pumpe in Japan Radioaktive Strahlung kann Kurzschluss verursachen

Reportage: Robin Szuttor (szu)
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Wie lange seine Pumpen den Einsatz in Fukushima aushalten, dazu kann Gerald Karch keine Prognose abgeben. Werksgarantie gibt es in diesem Fall jedenfalls nicht. "Das Problem ist die Elektronik: radioaktive Strahlung ionisiert die hoch integrierten Schaltungen. Steigt die Spannung zu hoch an, kommt es zu einer Art Kurzschluss wie bei einer statischen Entladung", sagt der Geschäftsführer. Jetzt tüftelt Putzmeister zusammen mit Tepco und japanischen Kernforschungsexperten an der Ummantelung von Sensoren und Steuerungsteilen. Alle Tschernobyl-Erfahrung nutzt da wenig: die Elektronik heutiger Maschinen ist mit damaliger Technik kaum vergleichbar. Vorsorglich geht mit jedem Pumpenexport auch gleich eine Ladung Ersatzteile raus.

Ein noch größeres Problem ist der Schutz der Fahrerkabinen vor radioaktiver Strahlung. Zwar sind sämtliche Pumpen, die jetzt geliefert werden, mit Videokameras ausgerüstet und fernsteuerbar. Doch der Sattelschlepper, der sie trägt, muss immer noch von Menschenhand an den Reaktor gefahren werden. "Die Japaner müssen uns sagen, wie hoch die Strahlungswerte sind, gegen die sie das Fahrerhaus panzern wollen - dann können wir sagen, was machbar ist. Eine mit tonnenschweren Bleiplatten verstärkte Führerkabine verändert natürlich die Statik der Geräte", sagt Karch. Eine Lösung scheint noch in weiter Ferne. Kurzfristiges Ziel ist jetzt zunächst, die maximale Reichweite der Fernsteuerung von ein paar hundert Metern auf vier Kilometer zu vergrößern. Aber auch vier Kilometer können bei einem kaputten AKW sehr wenig sein. Putzmeister-Mitarbeiter gehen jedenfalls nicht so nah an den Reaktor.

Tepco-Mitarbeiter können rund um die Uhr in Aichtal anrufen

Wie verstrahlt die Geräte nach dem Einsatz sind, ob sie jemals wieder anderweitig eingesetzt werden können, kann Karch nicht einschätzen. "Aber wir werden, auch wenn wir nicht mehr Eigentümer sind, schon darauf achten, was mit ihnen passiert." Die Tschernobyl-Maschinen waren nach dem monatelangen Einsatz im nuklearen Brennpunkt alle unbrauchbar. Eine Luftaufnahme von damals zeigt die Pumpen, die von oben wie kleine weiße Würmer ihren Brei in die Trümmer ausscheiden. Heute lagern sie auf einem riesigen Schrottplatz in der Nähe der Kraftwerksruine. Davon geht Gerald Karch zumindest aus. Damals war er 23 und noch Student.

"Das wichtigste in Fukushima ist jetzt, den geschlossenen Kühlkreislauf wiederherzustellen und mit unserer Hilfe die Zeit bis dahin zu überbrücken. Alles andere ist zweitrangig", sagt er. In Aichtal ist eine 24-Stunden-Hotline für die Tepco-Leute an der Pumpe eingerichtet. In Tokio hat Putzmeister eine kleine Schwesterpumpe aufgestellt. An ihr kann das Personal Reparaturen üben und Probleme durchspielen.

Eventuelle Entschädigungsforderungen müssen die Firmen, deren Pumpen nun in Japan laufen und denen Putzmeister kleinere Ersatzmaschinen zur Verfügung stellt, mit Tepco selbst aushandeln. Putzmeister hält sich da raus, ans Geschäft will man hier nicht denken. Karch verkauft die Pumpen, die auf dem Markt bis zu zwei Millionen Euro kosten, zum Selbstkostenpreis nach Japan. "Wir wollen", sagt er, "an diesem Unglück keinen Cent verdienen."




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