Schwäbische Tafel und Foodsharer Auf den Tisch statt in den Müll

Von Janey Schumacher 

Die Schwäbische Tafel und Foodsharer sorgen dafür, dass übrig geblienbe Lebensmittel nicht weggeworfen, sondern einer Nutzung zugeführt werden.

Jeden Donnerstag trifft sich eine Gruppe von Foodsharern im Stadtteiltreff Veielbrunnen, um zu kochen und übrig gebliebene Lebensmittel aus den Supermärkten zu verteilen. Foto:  
Jeden Donnerstag trifft sich eine Gruppe von Foodsharern im Stadtteiltreff Veielbrunnen, um zu kochen und übrig gebliebene Lebensmittel aus den Supermärkten zu verteilen. Foto:  

Bad Cannstatt - Pro Jahr landen nach Berechnungen der Umweltorganisation WWF bundesweit zirka 18 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Das entspreche etwa einem Drittel der jährlich für Deutschland produzierten Menge, teilt die Organisation mit. Verursacht durch Industrie, Handel und Privathaushalte. Um auf diesen Missstand hinzuweisen, wurde von dem WWF der „Tag der Lebensmittelverschwendung“ am 2. Mai ausgerufen. Alle bis zu diesem Zeitpunkt produzierten Lebensmittel würden laut Organisation pro Jahr auf dem Müll landen, nämlich die Menge der ersten 122 Tage des Jahres. Wo in manchen Haushalten im Überfluss eingekauft und im großen Stil wieder weggeworfen wird, stehen andererseits immer mehr Menschen bei den Tafeln Schlange, um günstig Lebensmittel einkaufen zu können. „Das liegt auch daran, dass wir immer bekannter werden“, sagt Norbert Matheis, Leiter der Schwäbischen Tafel in der Brückenstraße. Im Schnitt sind hier 400 Kunden täglich.

Die Lebensmittel werden der Schwäbischen Tafel vom Großmarkt, Discountern, Supermärkten, Bäckereien und anderen Händlern gespendet. Diese würden die Waren andernfalls wegwerfen. Mitarbeiter holen die Lebensmittel jeden Morgen ab – das sind im Falle des Tafelladens in der Brückenstraße etwa acht bis neun Tonnen pro Tag. Im Laden werden verdorbene Lebensmittel aussortiert, die noch genießbaren Waren kommen in die Regale. Es gibt vor allem Obst, Gemüse, Milchprodukte und Konserven. „Fleisch und Wurst sind so gut wie nie dabei“, sagt Matheis.

Bedürftigkeit nachweisen

Der Gründergedanke der Tafeln sei einst gewesen, im Laufe der Zeit überflüssig zu werden, sagt Matheis, weil die Menschen auf das Angebot nicht mehr angewiesen sind. Ob dies eines Tages der Fall sein kann, weiß er nicht. Denn die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander und die Zahl der Bedürftigen steigt. Im Tafelladen in der Brückenstraße kauft eine Rentnerin ein, die von 600 Euro im Monat leben muss. Wenn man Miete und Nebenkosten abzieht, bleibt nicht mehr viel für Lebensmittel übrig. Einkaufen kann im Tafelladen jeder, der eine Bonuscard besitzt und so seine Bedürftigkeit nachweisen kann. Die Klientel ist gemischt: Studenten, Rentner, Langzeitarbeitslose und Bedürftige sind unter den Kunden. Die größte Hürde sei für viele, das erste Mal über die Schwelle zu treten, „wegen der Scham“, sagt Matheis. Dafür, dass Tafeln nicht mehr gebraucht werden, müsste sich sozialpolitisch etwas ändern, sagt er. Bisher sieht Matheis aber keine vernünftige Idee.

30 bis 60 Teilnehmer

Der Verteilung von Lebensmitteln, die andernfalls auf dem Müll landen würden, hat sich auch Matthias Murjahn angenommen. Er und seine Mitstreiter treffen sich jeden Donnerstagabend im Stadtteiltreff Veielbrunnen in der Morlockstraße zum Foodsharing. Was das ist? Die Organisatoren holen im Laufe der Woche von nahegelegenen Kiosken, Bäckern oder Supermärkten übrig gebliebene Lebensmittel ab und verteilen diese im Stadtteiltreff – zuvor wird mit einem Teil davon gemeinsam gekocht. Zu den Treffen kommen zwischen 30 und 60 Teilnehmer. Viele von ihnen sortieren bereits verdorbene Lebensmittel aus, helfen beim Kochen mit oder spülen nach dem Essen ab. Die Kisten mit Obst, Gemüse, Backwaren oder Konserven werden im Laufe des Abends verlost, sodass es möglichst gerecht zugeht. „Wir kümmern uns um die weggeworfenen Lebensmittel und umeinander“, sagt Murjahn und vergleicht die Abende mit dem Konzept der Kehrwoche. „Man übernimmt gemeinsam für ein Problem Verantwortung.“ Dabei ist es ihm wichtig, die Lebensmittel nicht nur einfach zu verteilen, sondern dass beim Kochen auch gemeinsam Zeit verbracht wird. So werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Lebensmittel werden vor der Mülltonne bewahrt und die Gemeinschaft gestärkt: „Durch die regelmäßigen Abende im Veielbrunnentreff sind Freundschaften entstanden und die Nachbarschaft ist zusammengewachsen“, sagt Murjahn.

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