Schwäbischer Heimatbund adelt Schwäbischen Wald Kulturlandschaft des Jahres

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Der Schwäbische Heimatbund rückt den Schwäbischen Wald in den Fokus der Öffentlichkeit, jenen idyllischen Landstrich zwischen Mainhardt, Gschwend, Lorch und Oppenweiler. Geplant ist eine große Veranstaltungsreihe.

Der Schwäbische Wald  rund um das Städtchen Murrhardt ist ein   Naherholungsgebiet für gestresste Stadtmenschen. Foto: Gottfried Stoppel
Der Schwäbische Wald rund um das Städtchen Murrhardt ist ein Naherholungsgebiet für gestresste Stadtmenschen. Foto: Gottfried Stoppel

Murrhardt - In der Landeshauptstadt Stuttgart soll es zig tausend Menschen geben, die noch nie etwas gehört haben vom Schwäbischen Wald. Wenn diese Leute – mache nennen sie Kulturbanausen – angesprochen werden auf das Naherholungsgebiet direkt vor ihrer Haustüre, dann heißt es meistens: „Schwäbischer Wald? Wo soll der denn bitteschön sein? Wir fahren gerne in den Schwarzwald.“

Womöglich ändert sich das im kommenden Jahr. Denn der Schwäbische Heimatbund hat den Schwäbischen Wald für den Zeitraum Sommer 2015 bis Winter 2016 als „Kulturlandschaft des Jahres“ ausgerufen. Am Donnerstag haben der Geschäftsführer des Heimatbunds, Bernd Langner, und die Partner vor Ort das Projekt vorgestellt. Mit im Boot sind die Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald und der Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Geplant seien Vorträge und Seminare, Feste und andere Aktionen. „Wir wollen Besucher von außerhalb, aber auch die Menschen im Schwäbischen Wald erreichen“, sagte Thomas Bernlöhr, der Bürgermeister von Welzheim und Vorsitzender des Naturparkvereins.

Projektkoordinator sammelt Vorschläge fürs Programm

Das Programm der Mammutveranstaltungsreihe stehe längst noch nicht fest. Sicher sei nur, dass das Kulturlandschaftsjahr am 15. Juli 2015 eröffnet werde. Dieser Tag ist ganz bewusst gewählt worden, denn Mitte Juli ist es genau zehn Jahre her, dass die Unesco den römischen Schutzwall Limes zum Weltkulturerbe erhoben hat. Alle Kommunen, Bürger, Vereine und Einrichtungen seien aufgerufen, Vorschläge für Veranstaltungen zu machen.

Der Schwäbische Heimatbund hat für das kommende Jahr bereits mehrere Kultur- und Studienreisen im Schwäbischen Wald ausgeschrieben. Nachgedacht werde unter anderem über einen Fotowettbewerb, berichtete Dietrich Frey vom Historischen Verein Welzheim, der das Großprojekt koordiniert. Es sei zwar vorgesehen, einige der bekannten Veranstaltungen in das Programm zu integrieren, etwa den Tag des Schwäbischen Walds am 20. September. In erster Linie gehe es aber darum, für die Gäste aus nah und fern sowie für die Menschen im Schwäbischen Wald zusätzliche Angebote zu schaffen, beispielsweise eine Reihe über Schriftsteller, die hier gelebt haben, beziehungsweise noch hier leben, so Frey – von Justinus Kerner bis Titus Simon.

„Wir wolle keinesfalls nur Rückschau halten“

Auf der Vorschlagsliste stünden auch eine zentrale Kunstausstellung, Kooperationen der Museen, ein „Monat des offenen Museums“ sowie Veranstaltungen über Räuber im Schwäbischen Wald, über Handwerker, Pfarrhäuser und sakrale Kunst, über die Klöster in Murrhardt und in Lorch, über Wasserfälle und Klingen, Mühlen und Sägewerke, Direktvermarkter und, und, und. Bernhard Drixler, der Geschäftsführer des Naturparkvereins, sagte: „Wir wolle keinesfalls nur Rückschau halten“, sondern aktuelle Themen anschneiden.

Die Projektpartner wollen die Menschen im Ländle für die Kulturlandschaft vor den Toren der Hauptstadt sensibilisieren und deren „Bewusstsein für das, was Heimat ist, schärfen“, sagte Langner. „Kulturlandschaft des Jahres“ – dieses Label sei „eine Auszeichnung, um die man sich nicht bewerben kann“, ein „identitätsstiftender Bäbber“, den in erster Linie die Akteure vor Ort mit Leben füllen müssten. Die Geschäftsführerin der Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald, Barbara Schunter, nannte die Auszeichnung deshalb „den Ritterschlag“. Ein Ritterschlag, über den womöglich auch viele Stuttgarter spätestens von Mitte nächsten Jahres an sprechen werden.




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