Schwäbischer Tüftler Das schwere Erbe Gottlob Bauknechts

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Er zählt zu den berühmten schwäbischen Tüftlern, doch so nachhaltige Erfolge wie Robert Bosch oder Gottfried Daimler kann Gottlob Bauknecht nicht vorweisen.

Eine Bauknecht-Werbung aus der guten alten Zeit Foto: Archiv
Eine Bauknecht-Werbung aus der guten alten Zeit Foto: Archiv

Schorndorf – Er zählt zu den berühmten schwäbischen Tüftlern, doch so nachhaltige Erfolge wie Robert Bosch oder Gottfried Daimler kann Gottlob Bauknecht nicht vorweisen. 1919 hat der damals 27-Jährige seine elektrotechnische Werkstatt in Tailfingen gegründet, jetzt hat das Unternehmen das Aus für die Waschmaschinenproduktion in Schorndorf, das letzte Bauknecht-Werk in Deutschland, angekündigt. Dabei hat es sich so gut angelassen. Anfang der 1930er Jahre entwickelt Bauknecht den „Landfreund“-Elektromotor, der ihm später viel Ruhm einbringt.

Zunächst wurde der rundum geschlossene Motor in der Landwirtschaft, im Holz- und Textilgewerbe eingesetzt, die Hausfrauen mussten warten. 1948 – während des Zweiten Weltkrieges produziert Bauknecht Rüstungsgüter – die elektrische Rührhilfe Allfix kam auf den Markt. Dann geht es Schlag auf Schlag: 1951 kommt der erste Bauknecht-Kühlschrank, 1954 der erste Gefrierschrank und 1955 der erste Waschautomat. In Schorndorf läuft übrigens 1958 die erste Waschmaschine vom Band. „Bauknecht weiß, was Frauen wünschen“ – den Slogan kannte damals jeder.

1976 ist der Firmengründer im Alter von 85 Jahren gestorben. Seinen beiden Söhnen Günter und Gert, die die Geschäftsführung übernahmen, war das Glück nicht lange hold. 1982 musste Bauknecht Vergleich (die heutige Insolvenz) anmelden. Der damalige Konkursverwalter, der renommierte Stuttgarter Rechtsanwalt Volker Grub, sollte in der Folge Bauknecht immer wieder als krasses Beispiel von Missmanagement anführen. Günter Bauknecht hatte die Geschäftspolitik des Vaters – vor allem die verlustträchtigen Zukäufe – kritisiert.

Grub konnte Bauknecht retten, indem er es an Philips verkaufte. Die Niederländer nahmen alsbald den US-Konzern Whirlpool mit ins Boot; seit 1989 gehört Bauknecht ganz den Amerikanern. Zunächst stand Bauknecht noch gut da. 1992 zählte es mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Mark (650 Millionen Euro) und knapp 4400 Mitarbeitern zu den 50 größten Unternehmen im Südwesten. Doch der Niedergang war unaufhaltsam. 1999 wurde das Werk in Calw, wo zuletzt 380 Mitarbeiter Kühlgeräte herstellten, geschlossen. Die Produktion wurde in ein italienisches Whirlpool-Werk verlagert. Anfang dieses Jahres hat der Autozulieferer ZF 240 Mitarbeiter und Gebäude im saarländischen Neunkirchen übernommen. Die Herstellung von Geschirrspülern wurde aufgegeben. Und nun gehen in Schorndorf, dem letzten Bauknecht-Werk, die Lichter aus.