Schwalbenschützer aus Baden-Württemberg Rudi Apel bekommt Bundesverdienstkreuz

Görwihl: Rudi Apel steht mit einem künstlichen Schwalbennest in der Hand in seinem Garten. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Görwihl: Rudi Apel steht mit einem künstlichen Schwalbennest in der Hand in seinem Garten. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Schwalben haben es heutzutage nicht leicht in Deutschland. Der Baden-Württemberger Rudi Apel kämpft für ihre Belange – und weiß, was Vogelfreunde für die wendigen Flugkünstler tun können.

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Görwihl - Schwalben gelten als Glücksbringer, können das Wetter anzeigen und vertilgen Unmengen von lästigen Mücken. Jahrhundertelang gehörten die wendigen Vögel zum Dorf- und Stadtleben ganz selbstverständlich dazu. Doch heutzutage sinkt ihr Bestand - aus unterschiedlichen Gründen. Rudi Apel kennt die Probleme der Schwalbe wie wohl kaum jemand sonst in Bundesrepublik. Der 69-Jährige, seit den 80er Jahren im Nabu aktiv, hat es sich zum obersten Ziel gemacht, die kleinen Flugkünstler zu schützen. Der deutschlandweit gefragte Schwalbenexperte aus dem baden-württembergischen Görwihl nahe der Schweizer Grenze ist dafür am Montag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden.

Warum ihn ausgerechnet die Schwalbe so sehr begeistert? Apel sagt, er habe die Tiere schon als Kind in seiner Heimat, dem Großraum Stuttgart, mit Faszination beobachtet. Am Nachbarhaus habe rund um die dortigen 20 Nester stets reges Treiben geherrscht. „Wie sie fliegen, wie sie die Nester bauen - innerhalb von eineinhalb Wochen haben sie das fertig“, schwärmt Apel. Zudem seien die Vögel auch für den Menschen nützlich: Im Schnitt 1200 Mücken und Schnaken fresse ein Tier pro Tag während der Jungenaufzucht.

Moderne Fassadenfarben für Tiere ein Problem

Und dennoch störten sich viele an Schwalbennestern am eigenen Haus und am Kot der Vögel, sagt Apel. Nicht selten komme es vor, dass die Nester unerlaubterweise einfach entfernt würden. Neben sauberkeitsliebenden Hausbesitzern seien auch die modernen Fassadenfarben mit ihrem Lotuseffekt ein Problem. Der Regen perle dadurch von der Hauswand ab und Schmutz bleibe nicht so leicht haften. Allerdings halten auch Schwalbennester kaum daran. „Ich weiß von vielen Schwalben, die bauen möchten - und am Ende liegt der Schmutz auf dem Boden.“

Der Schmutz - das ist das Material, aus dem die kleinen Zugvögel im Frühjahr ihre Nester bauen. 1200 bis 1400 Kügelchen aus Lehm oder Schlamm gemischt mit Speichel brauche ein Vogelpaar für ein Nest, sagt Apel. Doch weil heute viel mehr Flächen als früher versiegelt und die Straßen fast alle geteert seien, herrsche Schmutzmangel. Wenn dann auch noch das mühsam gebaute Nest nicht hält, setzt das den geschützten Vögeln zu.

Apel versucht Menschen für Schwalbenschutz zu gewinnen

Apel versucht seit Jahren, möglichst viele Menschen für den Schwalbenschutz an Bord zu holen - ja, sie selbst zu aktiven Schwalbenschützern zu machen, etwa mit Hilfe von Vorträgen. Ein wichtiger Baustein dafür ist aber auch eine Plakette, um die sich jeder bewerben kann, der an seinem Haus die kleinen Zugvögel brüten lässt. Apel hat laut Nabu dabei geholfen, diese Aktion namens „Schwalbenfreundliches Haus“ bundesweit bekannt zu machen.

Doch Vogelfreunde können weit mehr tun, als einfach nur bestehende Nester nicht zu entfernen. Wer einen Stall oder eine Scheune habe, solle möglichst ab April Fenster und andere Einflugmöglichkeiten offenhalten, damit die Schwalben freie Bahn zu möglichen Nistplätzen hätten, heißt es beim Nabu. Als Nestgrundlage könne man mit Kaninchendraht überzogene Brettchen anbringen - das schafft Abhilfe gegen die glatten Wände. Manchmal genüge auch schon ein 10 bis 15 Zentimeter breiter, weiß gestrichener Rauputzstreifen.

Gegen Verschmutzung durch Kot helfen laut Apel Brettchen, die 60 Zentimeter unterhalb des Nests angebracht werden sollen - nicht näher, wie der Vogelschützer betont. Sonst nähmen dort womöglich Raubvögel Platz und schnappten sich von unten ein Schwalbenjunges, das aus der Nestöffnung lugt. Und schließlich könne man auch Kunstnester anbringen, die die Vögel problemlos akzeptierten. Allerdings sei es nicht ganz einfach, Schwalben an neuen Orten anzusiedeln.

Mehl- und Rauchschwalben sind am häufigsten

In Deutschland am häufigsten sind Mehl- und Rauchschwalben. Die Mehlschwalbe mit ihrer reinweißen Unterseite passte sich laut Nabu schon vor Jahrhunderten an ein Leben nahe dem Menschen an, brütet heute etwa unter Dachvorsprüngen oder in Balkonnischen und ernährt sich wie auch die Rauchschwalbe bevorzugt von Fliegen und Mücken, die sie im Flug fängt. Die Rauchschwalbe mit ihrem charakteristischen Gabelschwanz brütet bevorzugt in Innenräumen wie Ställen oder Scheunen.

Schwalben sind Zugvögel und überwintern südlich der Sahara. Zwischen Ende März und Mitte Mai kehren sie laut Nabu zurück in unsere Breiten. Dabei nutzen die von der Reise erschöpften Vögel bevorzugt ihre alten Nester. Die Weibchen legen ab Mitte Mai ihre Eier, die meisten Jungtiere schlüpfen im Juni und sind nach drei bis vier Wochen flügge und machen sich im Herbst dann selbst auf die beschwerliche Reise gen Süden.

Langstreckenflieger, Mückenjäger, Sommerboten, Glücksbringer und Wetteranzeiger - selbst ohne Plakette dürfte es sich lohnen, die Schwalbe vor dem Verschwinden zu bewahren.

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