Schwangerenberatung auf der Filder Hohe Mieten spielen bei Abtreibung eine Rolle

Wenn Frauen sich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheiden, spielen viele Gründe hinein. Einer ist auch der Wohnraummangel, sagen Mitarbeiterinnen aus der Schwangerenkonfliktberatung.

Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft ist nicht leicht. Foto: Stock Adobe
Die Entscheidung für oder gegen eine Schwangerschaft ist nicht leicht. Foto: Stock Adobe

Filderstadt/L.-E. - Wenn eine schwangere Frau sich entscheidet, ein Kind nicht auszutragen, dann geht dieser Entscheidung ein „Sammelsurium an verschiedenen Gründen“ voraus, sagt Simone Baldes von der Beratungsstelle Pro Familia in Stuttgart, wo sich auch Frauen aus Filderstadt oder Leinfelden-Echterdingen beraten lassen. Eine solche Schwangerenkonfliktberatung bei staatlich anerkannten Beratungsstellen ist vorgeschrieben, wenn eine Frau einen Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche wünscht. Einer der Gründe aus dem „Sammelsurium“ sei aber oft die Wohnsituation, erzählt die Beraterin. „Es gibt nun mal wenig bezahlbaren Wohnraum für Familien mit mittlerem und geringem Einkommen. Die Wohnsituation wird von vielen Familien als belastend empfunden.“ Wenn wegen des erwarteten Kinds eine größere Wohnung nötig wird, so Baldes, fragten die Familien sich oft: Können wir das noch bezahlen, wenn ein Gehalt wegfällt?

Wohnraum als Grundbedürfnis

Der Wohnraum sei deshalb oft präsenter Punkt in den Beratungen, so Baldes, weil „Wohnraum ein Grundbedürfnis ist. Ich brauche Sicherheit, ein Dach über dem Kopf – erst recht, wenn ein Kind kommt. Und ich möchte meinem Kind etwas bieten können – wenn das nicht einmal ein eigenes Bett ist, dann ist das schwierig.“

Viele Familien lebten bereits in beengten Wohnverhältnissen, gerade auch mit bereits vorhandenen Kindern, oder suchten schon lange vor der Schwangerschaft nach einer neuen Wohnung. „Die Aussicht, keine größere Wohnung zu finden, ist dann durchaus ein ausschlaggebender Grund gegen eine Schwangerschaft“, erklärt Simone Baldes. Beim Essen könne man leichter Abstriche machen oder sparen, bei der Miete eben nicht.

Die Wohnungssituation spitzt sich zu

Ähnlich beschreibt es Susanne Alber von der Schwangerenberatung des Kreisdiakonieverbands im Landkreis Esslingen. „Die Familien, bei denen sonst alles stimmt, entscheiden sich nicht wegen der Wohnungssituation gegen das Kind“, sagt sie. „Aber wenn es vielleicht schon das zweite oder dritte Kind ist, und noch andere Gründe hinzukommen, dann sieht es anders aus.“ Beide Beraterinnen sagen, dass sich der Wohnraummangel in den vergangenen Jahren zu einem prominenten Problem für Familien entwickelt habe. „Man kann die Entscheidung für oder gegen ein Kind nicht auf einen Grund reduzieren“, betont Alber. „Aber manchmal gibt der Wohnraummangel doch den Ausschlag.“ Oft spielten auch andere Faktoren wie beispielsweise Arbeitslosigkeit eine Rolle. „Finanzen und Wohnen haben großen Einfluss auf die Entscheidung einer Frau“, erklärt Alber. Familien mit wenig Einkommen oder anderen Problemen „hatten schon immer Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche“, so Alber. Heute seien aber nicht mehr nur diese Familien betroffen, sondern auch viele andere aus der Mittelschicht. „Es spitzt sich einfach zu“, so beschreibt es Susanne Alber.