Schwarzer Donnerstag Kritik von Seiten der Polizei

Die Eindrücke von Tausenden von Menschen fügen sich nachher zu einem Bild des 30. September zusammen, dessen Konturen danach erst allmählich schärfer werden. Pflastersteine, die Demonstranten laut der Polizei geworfen haben sollen, verwandeln sich in Kastanien.

Am "schwarzen Donnerstag" werden Schlagworte geboren, die nachhallen: "Rambo zeigt sein Gesicht." Der Spruch wird am damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus kleben bleiben. Er ätzt sich in seine Karriere.

Es gibt viele Polizisten, die den Einsatz kritisieren. "Wie er gelaufen ist, das ist falsch. Rechtmäßig war er, die Bahn hatte das Baurecht. Aber nicht verhältnismäßig", sagt Thomas Mohr. Er übt Kritik, auch wenn er dafür Konsequenzen zu spüren bekam. "Man hat mich nicht mehr mit meiner Hundertschaft zum Einsatz gelassen." Mit Mühe hat die Gewerkschaft der Polizei den Funktionsträger rehabilitiert.

Politischer Druck löste den Einsatz aus

Seinen Kritikern, die er im Arbeitskreis Polizei der CDU verortet, ist es nicht gelungen, ihn zum Schweigen zu bringen. "Ich sage, was ich denke. Ich weiß, was ich gesehen habe." Mohr redet auch über den Einfluss des Ministerpräsidenten Mappus auf die Polizeiführung.

Warum sonst seien später Protokolle einer Besprechung im Staatsministerium plötzlich verschwunden? Warum fand eine Besprechung vor dem Tag X im Staatsministerium statt? Warum überhaupt dort? "Das war klar eine politische Einflussnahme", glaubt Mohr.

Politischer Druck habe letztlich den damaligen Polizeipräsidenten Siegfried Stumpf dazu bewegt, den Einsatz durchzuziehen. "Schließlich hatte der Landespolizeipräsident Wolf Hammann Tage vorher gewarnt, dass der Einsatz so nicht machbar ist. Wo gibt es denn so was, dass man auf den obersten Polizisten im Land nicht hört?"

Polizisten leiden unter Ansehensverlust

Die Quittung habe nicht nur Ministerpräsident Mappus bekommen, da sind sich die Polizisten einig. Auch die Beamten bezahlen nach wie vor einen hohen Preis. "Ein Kollege hat mir erzählt, seine Tochter habe ihn tags drauf unter dem Eindruck der Berichte beim Frühstück gefragt: ,Papa, warum schlägst du Kinder?"' Die Beamten leiden unter dem Ansehensverlust, den sie erlitten haben.

"Das mit den ,Kinderschlägern' habe ich nicht gehört", sagt Ursula Viertel. Das Schmähwort brandete vor einem Jahr den Polizisten entgegen. Inzwischen hat Ursula Viertel alle Dokumente über den Wasserwerfereinsatz gelesen, die öffentlich zugänglich waren. "Der Untersuchungsausschuss war eine Farce", urteilt sie. "Ich bin überzeugt, dass vieles von dem, was passiert ist, gewollt und geplant war." Die Grautöne sieht sie nicht.

Brüchig sei der Rechtsstaat. Viel brüchiger, als sie das jemals zu denken wagte. Ursula Viertel ist mit dem "schwarzen Donnerstag" noch nicht fertig. Sie hat an einem Bürgertribunal mitgearbeitet. Es geht um Schuld, um Verantwortung und um das Recht. "Wie kann man nach vorne schauen", sagt Ursula Viertel, "wenn das Vergangene noch nicht bewältigt ist?"