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Schwarzwald Bärwurz und Beinwell

Von Stefanie Köhler aus Hinterzarten 

Die Sonntag-Aktuell-Leser Monika und Martin Gröger-Stader haben zwei Tage im Hochschwarzwald gewonnen. Kräuter schätzen die Eheleute nun mehr denn je.

Auf den saftigen Wiesen rund um Hinterzarten wachsen viele schmackhafte Wildkräuter. Foto: Hinterzarten Breitnau Tourismus
Auf den saftigen Wiesen rund um Hinterzarten wachsen viele schmackhafte Wildkräuter. Foto: Hinterzarten Breitnau Tourismus

Hinterzarten - Der Wind weht Monika und Martin Gröger-Stader, beide Mitte fünfzig, um die Ohren. Die Eheleute stört das nicht. Sie lieben die Natur, ihre Weite und wollen wissen, wie die Kräuter, die sie am Vorabend im Kräutermenü und am Morgen beim Scheunenfrühstück gegessen haben, wachsen. Das Paar aus Vaihingen/Enz hat beim Hochschwarzwald-Tourismus ein Wochenende im Waldhotel Fehrenbach in Hinterzarten-Alpersbach gewonnen, um dort den „Heimatsommer“ zu erleben, wie das touristische Motto der Gegend heißt. Dieser war zwar nicht ganz so sommerlich, doch dank des Regens zeigte sich das Kräuterparadies hinterm Hotel in einem satten Grün.

Hotelbesitzer Josef Fehrenbach verwendet in seiner Küche 50 verschiedene Kräuter der rund 100 dort wachsenden Wildpflanzen. Kräuter, schwärmt der Gastronom, haben etwas Feines und Filigranes. „Sie machen das Essen interessant, leicht und bekömmlich. Deshalb sind sie so wertvoll.“ Von der Lage - das Waldhotel befindet sich in 1000 Meter Höhe - profitiert Fehrenbach. Es herrscht immer Luftfeuchtigkeit, das Wetter ist „selten heiß und selten kalt“, sagt er. „Wegen des täglichen Morgentaus sind die Kräuter saftiger, kräftiger im Aroma und vitaminreicher als in den Niederungen.“ Das schlage sich im Geschmack nieder. „Je nachdem, wo die Kräuter wachsen, schmecken sie anders. Das sind feine Nuancen“, sagt Fehrenbach.

„Spitzwegerich verstärkt den Geschmack von Pilzen im Essen“

Kräuterwanderungen bietet er den Hotelgästen jede Woche an. Sie starten bei Löwenzahn, Sauerampfer, Spitzwegerich und Frauenmantel. Daraus bereitet Fehrenbach Wildkräutersalate zu. Gibt es ein Kraut, das nicht im Kochtopf landet? Er verneint, fast entsetzt. Richtig dosiert könne man alle nicht giftigen Kräuter essen. „Man muss sich nur trauen, sie zu verwenden.“ Fehrenbach drückt den Gröger-Staders ein Blatt Spitzwegerich in die Hände. Sie zerreiben es, schnuppern daran. Pilzgeruch steigt ihnen in die Nase. „Spitzwegerich verstärkt den Geschmack von Pilzen im Essen“, erklärt Fehrenbach dem Gewinnerpaar. Die Bitterstoffe, erfahren sie weiter, seien gut für Leber und Galle. Überhaupt besäßen alle Kräuter auch Heilkräfte. Fehrenbach deutet auf Beinwell. Die Pflanze hilft bei 40 Krankheiten, etwa bei offenen Wunden und Knochenbrüchen.

Die Gröger-Staders nehmen einige Erkenntnisse von der Kräuterwanderung mit. „Auf den ersten Blick sieht man bloß eine grüne Wiese. Doch jedes Kraut ist individuell“, sagt Monika Gröger-Stader. Während sie und ihr Mann zum ersten Mal Bärwurz sahen - die Pflanze wächst im Schwarzwald erst ab 800 Meter Höhe und wird gern zu Schnaps verarbeitet -, hielt sich ihre Liebe zu Girsch bislang in Grenzen. Dabei enthält die von Hobbygärtnern als Unkraut verpönte Pflanze acht Gramm Eiweiß auf 100 Gramm Kraut. Fehrenbach verwendet das neutral schmeckende Gewächs als Petersilien- Ersatz. Die Blätter von Bärenklau schmecken hingegen tatsächlich nach Petersilie. „Eigentlich blöd“, ergänzt Martin Gröger-Stader, „wenn man Kräuter nicht mitisst.“ Kräuter - besonders geschützte Pflanzen wie Enzian, Arnika oder Knabenkräuter - sind den Gröger-Staders bereits am Vortag begegnet.

Begeisterung vom Bannwald

Vom Wanderparkplatz Rinken aus, gelegen am nördlichen Fuß des Feldbergs auf Hinterzartener Gemarkung und Ausgangspunkt für viele Wanderrouten, ist das Paar am Samstag zum Feldsee gelaufen. „Am Moor vorbei über Stege und kleine wurzelige Pfade“, sagt Martin Gröger-Stader. Zurückgewandert sind er und seine Frau auf dem Felsenweg. Und dann standen sie drin, im Bannwald unterhalb des Felsenwegs. Bannwälder werden sich selbst überlassen und nicht bewirtschaftet. „Spektakulär und zauberhaft.“ Noch viele Stunden nach ihrem Ausflug erzählt das Paar begeistert vom Bannwald. Und hätte ein Zwerg oder eine Elfe hinterm Baum hervorgelugt, die Eheleute hätten sich nicht darüber gewundert.

Hinterzarten liegt mitten im Wandergebiet. Von dort aus wanderte das Gewinnerpaar auch zum Hinterwaldkopf. Der Berg zwischen dem Zastlertal im Süden und dem Höllental im Norden ist 1200 Meter hoch. Auf dem Gipfel angekommen, belohnt einen die Rundum-Aussicht: ins Dreisamtal bis nach Freiburg und zum Kaiserstuhl, zum Feldberg oder zum Kandel. Stärken kann man sich in der Hinterwaldkopf-Hütte auf 1120 Metern auf der östlichen Seite unterhalb vom Hinterwaldkopf. „Hier in der Umgebung gibt es insgesamt eine Menge Hütten zum Einkehren“, stellt Monika Gröger-Stader fest. Immer mit dabei hatte das Paar die Hochschwarzwald-Card. Mit ihr konnte es etwa die Feldbergbahn kostenlos fahren. 300 Gastgeber wie das Waldhotel Fehrenbach bieten die Gästekarte derzeit an (siehe Infokasten). Gut erholt packen die Gröger-Staders am Sonntag ihre Koffer. Sie wollen wiederkommen. Zu Hause werfen sie aber erst einmal einen genauen Blick in ihren Garten.

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