Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach Originelle Zwischenlösung für Sterne-Restaurant

Von Alexandra Leibfried 

Zehn Tage nach dem Brandunglück hat Patron Heiner Finkbeiner eine Zwischenlösung für die niedergebrannte Hotelgastronomie des Hotels Traube Tonbach parat. Sie wirkt auf den ersten Blick originell.

Das Restaurant Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach ist ausgebrannt. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg 14 Bilder
Das Restaurant Schwarzwaldstube im Hotel Traube Tonbach ist ausgebrannt. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Baiersbronn - Tief getroffen, aber dennoch stark und pragmatisch – so ist Hotelier Heiner Finkbeiner nach der Brandkatastrophe im Hotel Traube Tonbach in der Öffentlichkeit aufgetreten. Keine Frage, die Zerstörung seines Geburtshauses und mit ihm der Untergang seines renommierten Sternerestaurants Schwarzwaldstube hatte ihn tief getroffen. Doch nur wenige Stunden, nachdem die letzten Flammen am Abend des 5. Januars gerade gelöscht worden waren – versprach er: „Wir werden die Schwarzwaldstube wieder aufbauen.“ Und signalisierte zugleich: Die Gäste dürfen mit einer schnellen Lösung rechnen.

Der Patron, der in siebter Generation das Familienhotel mit 153 Zimmer führt, hat nun – zehn Tage nach dem Unglück – eine Zwischenlösung parat, die sogar originell ist: Die gesamte Hotelgastronomie mit dem 3-Sterne-Restaurant Schwarzwaldstube und dem A-La-Carte-Restaurant Köhlerstube zieht auf das Flachdach der Hotelgarage. Pop-up-Konzepte nennen das Trendscouts, in vielen Städten oder auch Tourismusgebieten sind solche zeitlich begrenzten Gastro-Konzepte angesagt.

Containerlösung, aber hochwertige Umsetzung

Doch wird der Gastgeber, der selbst stets in Anzug und Krawatte auftritt und ein mehrheitlich elitäres Publikum zu seinen Gästen zählt, den Ansprüchen auch gerecht? Er zeigt sich überzeugt davon. „Beide Restaurants werden ein sehr hochwertiges Ambiente bekommen. Und noch wichtiger: Die Küchenteams werden auf gewohnt hohem Niveau weiterarbeiten können.“ Zwar könnten dort, so die Idee, Container aufgestellt werden, die sich aber hochwertig mit Hilfe von Architekten in die Landschaft einfügen sollen – ähnliche Lösungen gibt es beispielsweise als Übernachtungsmöglichkeiten an der Nordseeküste.

Der Übergangsplan müsse zwar noch auf seine finale Machbarkeit geprüft werden, teilt die Hoteliersfamilie mit, sei aber die favorisierte Idee. Nach Rücksprache mit dem verantwortlichen Architekten, der auch seit Jahren mit der Familie zusammenarbeiten, scheint diese Lösung möglich zu sein. Zudem ist es nicht Finkbeiners Art, mit Informationen an die Presse zu gehen, die noch absolut in der Luft hängen. „Der Standort ist rund 100 Meter vom Hotelhauptgebäude der Traube Tonbach entfernt und eignet sich statisch optimal“, erläutert Finkbeiner.

Alle erforderlichen Versorgungsleitungen und Anschlüsse zur Installation einer Küche seien zudem bereits vorhanden oder ließen sich leicht nachrüsten. „Das jetzige Gebäude kann aufgestockt werden und bietet dann einen wunderschönen Ausblick ins Grüne. In modularer Bauweise können wir hier temporär Platz für zwei schöne Gasträume und einen voll ausgestatteten Küchen- und Servicebereich schaffen“, sagt Finkbeiner. Allerdings hat der Baiersbronner Bürgermeister Michael Ruf noch keine Pläne vorliegen. „Grundsätzlich unterstütze ich ein zügiges Genehmigungsverfahren und die schnellstmögliche Abstimmung mit den zuständigen Fachbehörden“, sagt er.

Garagenausbau war vorgeplant

Weil Finkbeiner grundsätzlich langfristig plant, hatte er bei dem Bau der Garage über einen möglichen Aufbau nachgedacht und Weichen gestellt – was ihm nun zugute kommt. Ein zusätzlicher Pluspunkt: Gästen würde ein eindrucksvoller Ausblick über das Tonbachtal geboten werden, den es so bisher nicht gebe.

Die Gastronomie, die ein wichtiges Standbein des Unternehmens sind, soll sobald wie möglich wieder eröffnen. „Es ist sportlich und wird eine Herausforderung für alle Beteiligten, aber mein Wunsch wäre, dass wir schon im Laufe des Aprils wieder für unsere Gäste eröffnen können“, betont Heiner Finkbeiner. Geplant sind rund 30 Plätze für die Schwarzwaldstube und das Team von Küchenchef Torsten Michel sowie etwa 50 Plätze für die Köhlerstube und das Team von Küchenchef Florian Stolte. Nur die Köhlerstube büßt im Übergang rund 20 Plätze ein.

Alle gastronomischen Mitarbeiter – rund 100 waren von dem Brand getroffen – befinden sich derzeit in der vorab geplanten Winterpause und kehren nach und nach zurück. Die Köhlerstube wird zudem in Kürze ihren Betrieb wieder aufnehmen, in einem abgetrennten Bereich des reinen Hausgästen vorbehaltenen Restaurants Silberberg mit 240 Plätzen im Haupthaus des Luxushotels.

Abrissgenehmigung liegt vor, Brandursache aber bleibt ungeklärt

Ungeklärt ist weiterhin die Brandursache, zumindest Brandstiftung wurde aber durch Ermittler ausgeschlossen. Immerhin liegt nun die Genehmigung für den Abriss der Ruine vor. Und Finkbeiner hat sich und seinem Team aus 330 Mitarbeitern ein sportliches Ziel gesetzt: Im April nächsten Jahres soll das neue Stammhaus fertig sein und mit ihnen die drei abgebrannten Restaurants Schwarzwaldstube, Köhlerstube und Bauernstube wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Finkbeiners Art, die Krise zu managen, schätzt auch Patrick Schreib, Tourismusdirektor in Baiersbronn. „Er ist ein Macher und ich schätze seine Art, wie er nach vorne blickt.“ Und Finkbeiner wäre nicht Finkbeiner, hätte er nicht auch einen Plan B, sollte die Idee mit dem Garagendach scheitern. Den will er aber vorerst für sich behalten.