Schweden Der widerwillige Monarch

Das Königspaar lässt sich nicht beirren: Carl Gustaf redet sich raus, Silvia schweigt. Foto: dpa
Das Königspaar lässt sich nicht beirren: Carl Gustaf redet sich raus, Silvia schweigt. Foto: dpa

Der Skandal um den schwedischen König Carl Gustaf weitet sich immer weiter aus, und er selbst schaut dabei machtlos zu.

Korrespondenten: Hannes Gamillscheg (gam)
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Stuttgart - Carl Gustaf hat sich naiv gegeben. Auf dem Flug nach Peking hatte sich ein Reporter des "Aftonbladet" in die Luxusklasse vorgekämpft, in der der schwedische König reiste, und ihm die tiefschürfende Frage gestellt: "Hat Ihre Majestät einen Kommentar zu dem Buch?" "Welches Buch?", kam die freundliche Antwort. "Es gibt so viele ..." Doch "das Buch" ist in Schweden zurzeit die Skandalbiografie "Der widerwillige Monarch", und das weiß dessen Hauptperson so gut wie alle anderen.

Minutiös werden dort angebliche Affären und Stripclubbesuche des Königs aufgelistet, und Carl Gustafs Versuch, das "Blatt zu wenden" und die Geschichten zu begraben, hat alles nur noch schlimmer gemacht. Bei einem missglückten Medienauftritt nach einer Elchjagd hatte er beteuert, dass das, was geschehen sei, "weit zurück" liege und er und seine Familie nun "nach vorne schauen" wollten. Doch weder bestätigte noch dementierte er die Schilderungen seiner Biografen, und so bleibt der Fantasie der Medien weiterhin reichlich Raum.

Am Freitag meldete sich im "Expressen" die Frau zu Wort, der in dem Buch unter dem Titel "Die Kurtisane" ein eigenes Kapitel gewidmet ist. "Kurtisane, das klingt zu hart", sagt Camilla Henemark, die als Sängerin der Popgruppe Army of Lovers auch international bekannt war. "Ich war seine Spielkameradin. Das muss ja nicht bedeuten, dass ich seine Geliebte war." Der König sei ein warmer, humoriger Mensch, "wir hatten Spaß miteinander, aber es war nichts Ernstes, und es ist lange her". Ein Jahr lang soll die Affäre gedauert haben und so ernst immerhin gewesen sein, dass beide scherzten, sie wollten gemeinsam ihrem Alltag auf eine einsame Insel entfliehen und sich von Kokosnüssen ernähren.

Kaum bekleidete "Kaffeemädchen" zum Dessert


Nicht so genügsam soll es in den Clubs zugegangen sein, in denen sich der König und seine Freunde vergnügten. Dort servierten die Veranstalter angeblich kaum bekleidete "Kaffeemädchen" zum Dessert, um der Stimmung nachzuhelfen. Jetzt meinen manche, dass auch Carl Gustaf das Recht auf Privatleben haben müsse. Andere geben zurück: "Sollen alle Männer Frauen konsumieren dürfen wie der König und seine Kumpels? Oder soll nur die Oberklasse solche Privilegien haben?", schreibt die Kolumnistin Åsa Linderborg im "Aftonbladet". Die Begleiter des Königs hatten zunächst alle Behauptungen über die Sexgelage als "Lüge" abgetan. Jetzt kursieren Gerüchte, dass es Fotos und Videos gebe.

Laut den Verfassern des Buchs hat der Geheimdienst nicht nur Wache gestanden, wenn die fröhlichen Herren am Whirlpool prosteten. Er soll auch die Wohnungen der Frauen nach kompromittierenden Aufnahmen durchsucht haben. Dennoch deutet der Besitzer des meist frequentierten Etablissements an, dass er Bildbeweise besitze, die eines Tages "alle sehen" würden. Er ist allerdings ein wegen Erpressung und Gewaltdelikten vorbestrafter Gangster von fraglicher Glaubwürdigkeit, der seinerzeit heilfroh über die prominenten Gäste war, weil sie seinen Club vor Razzien bewahrten. So wundern sich die Schweden nun nicht nur über das private Treiben ihres Staatsoberhaupts, sondern auch über sein mangelndes Gespür dafür, mit wem man sich in seiner Position einlassen kann.

Schnelle Autos, schöne Mädchen - bis Sylvia ihn zähmte


Dass der 64-jährige König ein Frauenfreund ist, kommt nicht überraschend. Schon als Kronprinz war er für wilde Exzesse mit schnellen Autos und schönen Mädchen bekannt - bis er Silvia fand, die ihn zähmte. Dennoch verstummten Gerüchte über Affären des Königs nie ganz. Geändert hat sich nur der Umgang der Medien damit. Früher war ein solches Thema tabu. Zwar schrieben die Zeitungen viel und gerne, wenn sich Carl Gustaf blamierte: Wenn er als Raser auf Autobahnen ertappt wurde, wenn er kurios altmodische Ansichten über Schule oder Gleichberechtigung äußerte oder den diktatorischen Sultan von Brunei als "volksnah" pries. Doch über das Privatleben schrieben sie nicht.

Jetzt macht es Schlagzeilen. Auch die Entlobung der betrogenen Prinzessin Madeleine war ausgeschlachtet worden. Rund um die Hochzeit der Kronprinzessin Victoria hatte das Königshaus die royalistische Begeisterung weidlich ausgenützt. Jetzt bekommt die Familie die Kehrseite des hochgepuschten Interesses zu spüren. Wer die Sonnenseiten des Lebens bloßstellt, darf sich nicht wundern, wenn auch der Schatten ausgeleuchtet wird.




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